Netzwelt-Ticker Flickr wird polyglott

Das Fotoportal Flickr spricht ab sofort sieben Sprachen. Intel lässt laut Ankündigung bald die Prozessor-Preise purzeln. Das Pentagon bastelt an Miniatur-Robotern für den Schützengraben. Das und mehr im heutigen Netzwelt-Ticker.


Man spricht deutsch

"Moinmoin! Shalom! Fáilte! Bom Dia!" In der Begrüßungszeile war Flickr, das inzwischen von Yahoo übernommene Fotoportal, schon immer polyglott. Nun wurde auch der Rest des Web-Auftritts internationalisiert. Ab sofort ist er siebensprachig. Neben Deutsch, Spanisch und Französisch spricht man im Flickrversum nun auch Chinesisch - was angesichts der Foto-Filter, die Peking offenbar in die Flickr-Seite eingebaut hat, zumindest in China selbst ein wenig grotesk aussieht.

Flickr in China: Den Webauftritt gibt's inzwischen auch auf Chinesisch; viele Fotos werden nach wie vor gefiltert

Flickr in China: Den Webauftritt gibt's inzwischen auch auf Chinesisch; viele Fotos werden nach wie vor gefiltert

An einer japanischen Version wird offenbar auch schon gewerkelt. Diese soll allerdings Yahoo-intern entstehen. Der Grund für die Sprachkurse ist so einfach wie naheliegend: Mehr als die Hälfte der Flickr-Gemeinde wohnt mittlerweile außerhalb der USA. Höchste Zeit also, sich dort in ein wenig mehr Kundenfreundlichkeit zu üben. Das meint auch Flickr-Gründer Stewart Butterfield: "Warum wir uns erst jetzt daranmachen? Es gibt zwei Antworten: Erstens: Wir sind blöd. Zweitens: Wir haben uns verspätet."

In der Blogosphäre kommt die sprachliche Charme-Offensive indes nicht nur gut an: Laut dem Nachrichtendienst Heise zeigt Flickr nach der Internationalisierung die als "moderate" ("mittel") oder "restricted" ("eingeschränkt") markierten Bilder nicht mehr über die Suchfunktion an.

Illegale Überwachung: Neue Runde in der Klage gegen AT&T

Seit vergangenem Jahr läuft vor einem US-Berufungsgericht eine Klage der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) gegen den Kommunikationsriesen AT&T. Das Unternehmen soll dem Militärgeheimdienst NSA bei der illegalen Überwachung von US-Bürgern tatkräftig zur Hand gegangen sein: Offenbar konnten NSA-Techniker jahrelang die Glasfaserleitungen von AT&T anzapfen und die Telefon- und Internetaktivitäten von Millionen Amerikanern überwachen.

Das Ganze geschah lediglich auf ministerielle Weisung, eine richterliche Verfügung lag nie vor. Laut Verantwortlichen der Bush-Regierung hätte die zu erwartende gerichtliche Untersuchung eine Gefahr für die nationale Sicherheit bedeuten können. Inzwischen forderte die US-Regierung das Gericht auf, das Verfahren einzustellen. Das Neunte Berufungsgericht lehnte die Forderung jedoch ab und setzte stattdessen den Beginn der mündlichen Anhörungen für den 13. August an. Die EFF will dem Gericht unterdessen neue Dokumente vorlegen, aus denen die Verwicklung von AT&T in die ungesetzlichen Aktivitäten der Schlapphüte deutlich hervorgehen soll.

Purzelnde Prozessor-Preise

Es war abzusehen: Nach dem künstlichen Hoch durch den Start von Windows Vista befinden sich die Preise für Prozessorchips wieder im Sinkflug. Doch was Intel heute Nacht ankündigte, sieht eher aus wie ein senkrechter Sturzflug: Gleich um 50 Prozent will der weltgrößte Chiphersteller die Preise für seine Siliziumscheibchen senken, meldet Bloomberg.

Den Anfang macht der "Core 2 Quad"-Prozessor - ein erst im November eingeführter, hauptsächlich für den Einsatz in Servern entwickelter Baustein. Ab dem 22. Juli soll er für umgerechnet knapp 400 Euro verscheuert werden. Auch die neuen "Core 2 Duo"-Prozessoren werden ab September bis zu ein Drittel günstiger. Ein Intel-Sprecher wollte die geplanten Preissenkungen weder bestätigen noch dementieren. Die Firmenpolitik verbiete es, Preise vor ihrer offiziellen Verkündung zu erörtern. Der strategische Reiz der Aktion dürfte für Intel darin liegen, die Konkurrenz von AMD kräftig zu ärgern und ihr Anteile auf dem eigenen Hauptmarkt wegzunehmen. Intel erwirtschaftet etwa zwei Drittel seiner Umsätze mit Chips.

Pentagon bastelt an "LanDroids"

Die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) gilt gemeinhin als Heimstatt des Pentagons für leicht durchgedrehte Technikfreaks, die mit viel Geld abstruse Ideen umsetzen dürfen. Liest man einen Bericht der Online-Publikation The Register, scheint die DARPA diesem Ruf mal wieder alle Ehre zu machen: Kleine Netzwerk-Droiden sollen Einsätze in unwegsamem Gelände erleichtern. Damit die Infanterie erfolgreich operieren kann, ist die reibungslose Kommunikation aller Einheiten untereinander und mit vorgesetzten Stellen unerlässlich. Genau daran aber hapert es oft in bergigen Gegenden oder engen Altstadtbebauungen. Meist bleibt keine Zeit, Funkmasten aufzustellen, die dieses Problem beseitigen könnten.

Kommunikations-Verbesserer sollen nun sogenannte "LanDroids" werden - Roboter, die gerade mal doppelte Streichholzschachtelgröße erreichen. Ein Soldat kann Dutzende von ihnen mit sich führen und am Einsatzort einfach auf den Boden ausschütten. Die beweglichen Maschinchen verteilen sich dann selbstständig in seinem Umfeld und etablieren ein stabiles Funk- und WiFi-Netz, das den Soldaten Gespräche und sonstigen Datenaustausch erlaubt. Das LanDroid-basierte Netz ist selbstorganisierend: Fällt eines der Geräte aus, übernehmen die nächstgelegenen seine Funktion. Im Gegensatz zu vielen anderen monströsen Militärinvestitionen sind die Miniroboter ziemlich billig: Tausend Stück sollen in der Herstellung nicht mehr als 100 US-Dollar kosten. Die LanDroids sind damit zumindest günstiger als die Teddybären-Rettungsroboter der Kollegen Vecna.

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