Netzwelt-Ticker Flugpassagiere sollen für Nacktscanner aufkommen
Körperscanner (am Flughafen in Paris): Wer zahlt für die teuren Geräte?
Foto: BENOIT TESSIER/ REUTERSWer kommt für die teuren auf, die bald auch schon an europäischen Flughäfen die Reisenden durchleuchten sollen? Geht es nach dem Willen der meisten EU-Staaten, so die "ORF Futurezone" , sollen die Flughäfen und Airlines, und damit letztlich die Fluggäste zur Kasse gebeten werden. Hinter dem Vorschlag steht auch die deutsche Bundesregierung, wie sich bei einem Treffen der EU-Verkehrsminister am Donnerstag herausstellte. "Es ist eine etwas eigenartige Philosophie, dass alles gleich den Staaten aufgebürdet wird", sagte der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). "Der allgemeine Steuerzahler kann für diese Kosten nicht aufkommen, das widerspricht der Kostenklarheit und Kostenwahrheit. Das sage ich jetzt als gelernter Kaufmann." Dass die Nacktscanner von den Regierungen gefordert wurden, sagt Ramsauer nicht. Im Gegensatz zu den Mitgliedsländern, so die "Futurezone" weiter, schlägt das Europaparlament vor, dass die Staaten selbst die Gebühren zahlen. Zumal noch lange nicht klar ist, ob es überhaupt zu einem europaweiten Einsatz der Scanner kommt.
Weil das EU-Parlament entsprechenden Plänen der EU-Kommission entgegentrat, muss bislang jedes EU-Land selbst über den Einsatz entscheiden. Im April will die Kommission aber einen zweiten Anlauf starten - einen effizienten Schutz mit bestmöglicher Technologie schulde man den Bürgern, so der spanische Verkehrsminister und derzeitige Ratsvorsitzende Jose Blanco. Die Nacktscanner sind jedoch deutlich teurer als andere Detektoren, sie kosten schnell mehr als 100.000 Euro pro Gerät. Bislang reichen die Airports Sicherheitsgebühren für staatliche Maßnahmen an die Fluglinien und damit an die Verbraucher weiter.
UK-Regierung: Aufträge nur an Netzsperren-Umsetzer
Die britische Regierung hat staatlichen Institutionen laut "Times Online" untersagt, mit Internetfirmen zusammenzuarbeiten, die sich gegen Web-Sperren sträuben. Gemeint ist damit eine Liste von Websites, die Bilder von Kindesmisshandlungen und andere illegale Inhalte zeigen sollen . Diese Sperrliste wird zweimal täglich von der Internet Watch Foundation (IWF) aktualisiert, einer Nichtregierungsorganisation, die als zentrale Meldestelle für möglicherweise illegale Web-Inhalte fungiert. 95 Prozent des Datenverkehrs im Vereinigten Königreich werden durch den IWF-Filter geschleust, der derzeit etwa 500 bis 800 Websites beinhaltet. Bislang war es den Providern vorbehalten, freiwillig über den Einsatz der Filter zu entscheiden - das ändert sich de facto mit der aktuellen Regierungsentscheidung. Sie betrifft alle Internetfirmen, Mobilfunkgesellschaften, Suchmaschinenbetreiber und Filterfirmen. In der entsprechenden Handlungsanweisung heißt es: "Die Regierung sollte mit gutem Beispiel vorangehen und von all ihren Internetdienstleistern verlangen, dass die Sperrliste in allen von der Regierung verwendeten Diensten eingesetzt wird."
Facebook UK will Sexualstraftäterliste
Die britische Niederlassung des sozialen Online-Netzwerks Facebook hat die britische Regierung aufgefordert, dem Unternehmen eine Liste aller im Land registrierten Sexualstraftäter zu überreichen. So will Facebook sicherstellen, dass keine Sexualstraftäter das Angebot nutzen. Die Aufforderung ist in Wirklichkeit ein Angebot: In den letzten Wochen lösten gleich zwei Morde, die mit Internetcommunitys zu tun haben, eine neue Diskussion in Großbritannien über die Gefahr von Online-Kontakten aus. Das britische Child Exploitation and Online Protection Center (CEOP), das sich mit Kindesmissbrauch und dessen Online-Prävention auseinandersetzt, forderte darüberhinaus einen Meldeknopf, mit dem Opfer einen Missbrauch melden könnten. Facebook sagte dem Fachdienst "New Media Age", dass das eigene Meldesystem ausreiche - dort können Profile aus allerlei Gründen gemeldet werden, nicht aber wegen sexueller Belästigung.
Wir sind alle Tamagotchis
Zehn Jahre nachdem ein elektronisches Plastik-Ei die Pflegekünste von Kindern und Erwachsenen auf die Probe stellte, gibt es ein neues Tamagotchi, meint "Wired"-Autor und Gesundheitsexperte Thomas Goetz - und das seien wir ! Mit Hilfe zahlreiche Gesundheits-Gadgets könnten wir unseren Gesundheitsstatus, sportliche Leistungen und Schlafrhythmen überwachen und dadurch ein gesünderer Mensch werden. Alles mit der Einfachheit und Effizienz eines Tamagotchis. Goetz Essay führt ein paar solcher Geräte vor, erklärt ihren Reiz - und kehrt dabei ganz unter den Teppich: Die Möglichkeit zu irren, sich falsch zu entscheiden und zu scheitern, gehört zum menschlichen Dasein. Eine schlechte Entscheidung gegen den Körper mag zwar gesundheitliche Folgen nach sich ziehen - aber Gesundheit ist eben nicht das einzige Gut, das es zu optimieren gilt.
Enthauptete Zeus-Botnets sind zurück
Zu früh gefreut: Der gestern noch geglückte Versuch, einigen Zeus-Botnets eins auszuwischen, hat sich als teilweise gescheitert herausgestellt: Ein Drittel der - durch das Ausschalten der Steuerserver - enthaupteten Netze ist wieder zurück, gesteuert von einem neuen Zentralrechner . Möglich war das vor allem, weil der Virenschleuder-Provider Troyak, in der Anti-Zeus-Aktion abgeschaltet, einen neuen Internetzugang beim Moskauer Zugangsprovider RTCOMM-AS fand. Auf die Aktion angesprochen, versuchte sich ein Troyak-Verantwortlicher im Gespräch mit "The Register" reichlich ungelenk aus den -Vorwürfen herauszuwinden: Zahlungsprobleme seien der wirkliche Grund für die Abschaltaktion gewesen. Wegen angeblichen Bot-Netzen habe man nie etwas von den Behörden gehört.
Computerworld berichtet derweil von Entwicklungen an Zeus - das ja eigentlich ein Botnet-Bausatz ist, den man für ein paar tausend Euro kaufen und für die eigenen Wünsche zurechtklicken kann. Ganz neu sei eine Funktion, mit der man die volle Kontrolle über einen befallenen PC erhalten kann. Sie koste allerdings 10.000 Dollar als Zusatzoption .
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