Netzwelt-Ticker Forscher erkunden die kleine Facebook-Welt

Auf Facebook sind die Menschen über durchschnittlich 4,7 Ecken miteinander bekannt. Außerdem im Überblick: Die 25 schlechtesten Passwörter 2011, "Sims"-Erfinder Wright heckt ein neues Spiel aus, und Vogel-Strauß-Roboter überholt weltschnellsten Sprinter.
Facebook-Sreenshot: Enges Netz

Facebook-Sreenshot: Enges Netz

Foto: NICHOLAS KAMM/ AFP

Jeder Mensch der Welt kennt jeden anderen über sechs Ecken - oder? Der ungarische Autor Frigyes Karinth hat diese Hypothese der weltweiten Vernetzung schon vor über 80 Jahren aufgestellt. Sie ist seit den sechziger Jahren zuerst vom Psychologen Stanley Milgram, dann in immer neuen ausgeklügelten Experiment-Designs überprüft worden. Meist war das Fazit allerdings: Humbug.

Jetzt haben Forscher des Labors für Web-Algorithmik der Università degli Studi di Milano  einen neuen Versuch gewagt, im sozialen Netzwerk von Facebook. Die Forscher konnten die 721 Millionen aktiven Nutzer samt ihrer 69 Milliarden Verknüpfungen ("Freundschaften") untersuchen, was für eine Chance !

Die Ergebnisse, veröffentlicht im Facebook-Blog :

  • 99,6 Prozent aller Facebook-Mitglieder sind über 5 Ecken oder weniger miteinander verbunden,
  • 92 Prozent über vier Ecken oder weniger;
  • der Trend geht in Richtung weniger Distanz: 2008 war der typische Abstand zweier beliebiger Facebook-Mitglieder 5,28 Ecken, 2011 nur mehr 4,74.

Diese Zahlen bedeuten freilich nicht, dass die ohnehin schon in einer Krise befindliche These der "Six Degrees of Separation" widerlegt ist, sondern viel mehr, dass viele Facebook-Nutzer recht eng miteinander verbunden sind - vielleicht durchschnittlich einen Distanz-Grad weniger als in der echten Welt (und dass deswegen die Veröffentlichungseinstellung für Beiträge "Nur für Freunde von Freunden" wenig bedeutet).

Vor allem ist fraglich, ob die neuen Daten sich überhaupt zu einem realweltlichen Vergleich heranziehen lassen. Immerhin ist der Begriff soziale Beziehung bei Facebook in Stein gemeißelt: "Freund" bezeichnet eine gegenseitige Beziehung, "Abonnent" und "Like-Fan" eine einseitige. Die sozialen Netze der echten Welt sind hingegen mehrdeutig und veränderlich, zumal in einem durchmedialisierten Alltag. Die Hypothese der "Six Degrees of Separation" scheint deswegen viel mehr für so ein Netzwerk der Primitivo-Beziehungen gedacht worden zu sein, als für ein Test unter Menschen und ihren Alltagsbeziehungen.

Aus soziologischer Sicht weitaus interessanter sind in den nun vorgestellten wissenschaftlichen Arbeiten zu Facebook deswegen auch die anderen Analysen zu den Netzwerken in Facebook: Wo sich Anhäufungen von engen Beziehungen ergeben, transnationale Netzwerke, lokale Anomalien - diese großartige Chance, das größte soziale Netzwerk der Welt zu vermessen, nutzten neben dem italienischen auch ein amerikanisches Team: "The Anatomy of the Facebook Social Graph" . Darin wird auch eine ganz andere Netzwerk-theoretische Gemeinheit  aus der Prä-Internet-Zeit mit Daten aus Facebook untermauert: "Warum Deine Freunde mehr Freunde haben als Du."

Die 25 schlimmsten Passwörter 2011

Ein schöner Nebeneffekt von Datenlecks, bei denen Firmen Millionen Zugangsdaten abhanden kommen, ist die ethisch völlig vertretbare Auswertung von zuvor geheimen Passwörtern. Für Sicherheitsexperten sicherlich eine gruselige Arbeit - denn anhand solcher Sammlungen von Millionen "geleakter" Passwörter offenbart sich das ganze Sicherheitsgrauen. Wenn man Menschen Passwörter frei wählen lässt, wählen sie mit sicherer Hand die schlechtesten, also unsichersten.

Und so ist in der Flop-Liste der 25 schlechtesten Passwörter des Jahres 2011, herausgegeben vom Passwort-Dienstleister SplashData  auch an Top 1 der selbstgewählten Passwörter, erhoben aus Zugangsdaten von Datenlecks, das Passwort: "password". Platz 2: "123456", Platz 3: "123456789", Platz 4: "qwerty", Platz 5: "abc123" und Platz 6-25 eine furchtbare Mischung aus Alltagsnamen, Buchstaben- und Zahlenmustern.

Dabei ist es doch so einfach, ein gutes, sicheres, leicht zu merkendes Passwort zu wählen: Entweder als Pass-Phrase ("Mein Passwort ist supersicher") oder als Buchstaben/Zahlen/Sonderzeichen-Kombination mit Eselsbrücke: "wwa3o1968g?h." Für "Wer wurde am 3. Oktober 1968 geboren? Hildegard."

Was am Dienstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

  • Ein Siri-Hack ermöglicht die Temperatursteuerung über Zuruf  - aber nicht nur deswegen dürfte Apple mit Siri das große Fass "Revolution durch Sprachsteuerung" aufgemacht haben, glaubt der "Sydney Morning Herald" .
  • In diesem USB-Stick steckt ein kompletter Computer , der nur noch an einen Bildschirm angeschlossen werden muss, zum Beispiel einem Fernseher mit USB-Anschluss.
  • Das sind Überschriften aus dem Himmel bei "The Register" : "Vogel-Strauß-Roboter überholt weltschnellsten Sprinter"
  • Will Wright, Erfinder der "Sims" und aller "Sim Citys" (und ähnlicher Welt-Simulatoren), versucht sich jetzt mit Projekt HiveMind  an einem Spiel, das Informationen der Echtwelt und der Spieler mit Spielvorgängen vermischt. Ist das "eine neue Evolution im Gaming", wie Wright GamesBeat sagt, oder eine Flucht in die frühen 2000er, als Spiele schon mal Alltag und Spiel vermischten?
  • Die Meldungen über HTCs Carrier-IQ-Programm schreckte viele Smartphone-Besitzer auf - schnüffelt mich mein Netzanbieter mithilfe meines Handyherstellers aus? Jetzt wehrt sich HTC mit Händen und Füßen gegen solche Vorwürfe, löscht Marketingunterlagen und verschickt eine Unterlassungsaufforderung an Sicherheitsforscher Trevor Eckhart, der die Probleme zuerst publik machte : Er verstoße gegen Urheberrechte und stelle "falsche Behauptungen" auf.
  • Wie arbeiten Daten-Forensiker und die Sicherheitsexperten der (amerikanischen) Behörden? Anonymous will's wissen  und hat nach eigenen Angaben "über 38.000 private E-Mails" eines US-Spezialisten geknackt und veröffentlicht, darunter Nachrichten einer geschlossenen Mailingliste von Anti-Cybercrime-Beamten.
  • Mit seinen tiefsinnig-nerdigen xkcd- Comics macht Zeichner Randall Munroe Geeks glücklich - und erleuchtet sie hin und wieder mit einer aufwendigen Datenvisualisierung über Maßstäbe und Verhältnisse realweltlicher Probleme: Wie viel Bananen sind ein Fukushima  - oder jetzt: um wie viel, viel, viel Geld  geht es eigentlich in Amerika?

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