Netzwelt-Ticker Forscher machen Webcams zu Spycams

Fraunhofer-Forscher warnen vor Schnüffelgefahr durch Flash, die Berliner Polizei will nicht mehr ohne Grund Demonstranten filmen und US-Bürgerrechtler klagen gegen neugierige Grenzbeamte. Das und mehr im Überblick.
Lieber per Updates auf den neuesten Sicherheitstand bringen: Adobes Flash Player

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Flash ist prima und nützlich, um im Browser alle möglichen Bewegtbilder darzustellen. Videoclips, Online-Spiele und Reklame bedienen sich der Multimedia-Software. Allerdings ist das von Adobe entwickelte Flash nicht fehlerfrei. Erst unlängst musste der Hersteller 32 Sicherheitslöcher flicken. Das Problem für Anwender: Flash läuft im Hintergrund und damit erscheint vielen die Aktualisierung nicht so nötig wie zum Beispiel beim Browser oder dem Betriebssystem.

Veraltetes Flash auf dem Rechner eröffnet Übeltätern jedoch Tür und Tor zum Missbrauch. Wie groß dieses Tor sein kann, haben jetzt Forscher des Fraunhofer-Instituts für sichere Informationstechnologie in Darmstadt vorgeführt. Dabei gelang es ihnen, die Kontrolle über Mikrofon und Webcam eines PC zu übernehmen und sie aus der Ferne nach Belieben ein- und auszuschalten. Eine unangenehme Demonstration, denn diese Aufnahmegeräte werden inzwischen beinah serienmäßig in Laptops eingebaut.

Ihre Vorgehensweise bezeichnen die Forscher als "Man in the middle"-Attacke , wie die "taz" berichtet. Ihre Strategie basiert dabei darauf, sich per Schadsoftware zwischen dem Surfer und dem Steuerprogramm für Flash einzunisten, um ihre Manipulationen vornehmen zu können.

Keine Komplettüberwachung bei "Freiheit statt Angst"-Demo

Am kommenden Samstag findet in Berlin wieder eine Demonstration zum Thema "Freiheit statt Angst" statt, die sich für die Bewahrung eines umfangreichen Datenschutzes stark macht. In der Vergangenheit hatten dabei die Video-Überwachungsaktivitäten der Polizei für Ärger gesorgt. Vor allem 2008 hatten die Kameraleute in Uniform das Geschehen und die Teilnehmer ausgiebig abgefilmt, obwohl die Veranstaltung friedlich verlaufen war.

Die Polizei begründete das seinerzeit mit zuvor im Internet aufgetauchten Aufrufen zu rechtswidrigem Verhalten. Die allerdings blieben folgenlos und so scheint bei den Ordnungshütern ein Umdenken eingesetzt zu haben. Wie "Gulli" meldet, hat die Polizei mitgeteilt, es sei "nicht beabsichtigt, ... bei der am 11. September 2010 geplanten Versammlung Übersichtsaufnahmen anzufertigen" . Insofern sollten, einen friedlichen Ablauf der Demonstration vorausgesetzt, die Behörden-Kameras diesmal in der Tasche bleiben.

Royal Mail stellt intelligente Briefmarke vor

Die britische Post wartet derzeit mit einem neuen Feature auf, das die Möglichkeiten von Augmented Reality zeigt. Dabei werden die jeweilige Umgebung und eine Webanwendung miteinander verschmolzen. Für das Angebot der Königlichen Post braucht der Anwender zwei Dinge: eine kostenlose iPhone- oder Android-App namens Junaio und einen Brief, der mit einer der speziellen Briefmarken frankiert wurde.

Wenn auf dem Schreiben ein Postwertzeichen aus der Reihe "Große britische Eisenbahnen" klebt, muss der Empfänger nur mit der Handykamera draufhalten und schon wird ein vierminütiger Videoclip abgespielt, in dem ein Schauspieler W.H. Audens Gedicht "The Night Mail" deklamiert. Wie es sich gehört, sitzt der gute Mann dabei natürlich in einem Zugabteil .

US-Bürgerrechtler klagen gegen Grenzkontrollen bei Laptops und Smartphones

Bei der Einreise in die USA schauen die Grenzkontrolleure bei mitgeführten Notebooks und Smartphones gern genauer hin. Unter der Obama-Präsidentschaft dürfen die Kontrolleure die Geräte sogar beschlagnahmen und nach verdächtigen Daten durchforsten. Dagegen haben gestern die US-Bürgerrechtsvereinigung ACLU und der Verband der Strafverteidiger Klage beim New Yorker Bundesgericht eingereicht.

Die Klageführer ärgert nicht nur der Umstand, dass einkassierte Geräte tage- oder gar wochenlang nicht wieder herausgegeben werden, auch die Willkür der Aktionen führte zur Klage. "Alles, was wir wollen, ist, dass die Regierung wenigstens die Spur eines Beweises dafür hat, der auf etwaige Rechtsverstöße hindeutet", so eine ACLU-Anwältin zu "Wired" .

Eigentlich schützt der Vierte Verfassungszusatz der USA Bürger vor willkürlicher Durchsuchung. Allerdings erlaubt die sogenannte Grenzausnahme Durchsuchungen bei begründetem Verdacht. Wenn es sich jedoch um elektronische Geräte handele, würden die Richtlinien der Regierung "die Durchsuchung von Laptops, Handys und anderer elektronischer Geräte auch ohne jeden Verdacht erlauben".

Apple überarbeitet das Ping-Ding

Apples Einstieg in die Welt der Social Networks darf getrost als Schnellschuss, wenn nicht als Fehlstart interpretiert werden. So gab es zunächst nur wenig Schutz gegen Spam, der das System in Form von nervigen Kommentaren überschwemmte. Jetzt schafft Apple Abhilfe, löscht die meisten davon und entsorgt dabei auch gleich eine Reihe von falschen Steve-Jobs-Accounts.

In der neuen Version wurde auch die Navigation auf der Netzwerkseite verbessert, es gibt nun immerhin "vor"- und "zurück"-Buttons. Ob allerdings aus der von vielen Nutzern angemahnten Kooperation mit Facebook noch etwas wird, ist unsicher. Denn, so Apple-Chef Steve Jobs, der Netzwerk-Platzhirsch habe leider auf "lästigen Konditionen" bestanden .

Kölner Dom mit Online-Temperaturanzeige

Reicht die Jacke oder muss doch schon der Mantel aus dem Schrank geholt werden? Für fromme Besucher des Kölner Doms, die beim Gottesdienst nicht zittern wollen (in kalten Wintern friert in der unbeheizbaren Kathedrale schon mal das Weihwasser ein), gibt es jetzt eine Online-Temperaturanzeige. Die informiert in Echtzeit, wie warm oder kalt es in dem gotischen Gemäuer ist.

Vor allem im Frühjahr und im Herbst kommt es zu deutlichen Unterschieden zwischen Außen- und Innentemperatur. So war es am Dienstag mit 13 Grad Celsius draußen schon ziemlich frühherbstlich, wogegen im Innern des Doms mit knapp 20 Grad Celsius noch Spätsommer herrscht. Ein Wunder ist das nicht - eher eine Art baulich bedingte Trägheit gegenüber sich verändernden Verhältnissen.

Möglich macht's ein an einem Pfeiler in drei Meter Höhe angebrachter Messfühler, dessen Werte dann auf der Dom-eigenen Webseite abgerufen werden können .

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