Netzwelt-Ticker Frau löscht Ehemann

Verrückte Internet-Welt: Eine Frau löscht ihren virtuellen Ehemann und muss nun vielleicht ins Gefängnis. Ein Jugendlicher ist für die Steve-Jobs-Herzinfarkt-Ente verantwortlich und Uni-Bewerber rüsten sich zum letzten Facebook-Gefecht. Das und mehr im Überblick.


Weil sie den Avatar eines Online-Spielpartners nach einer eiligen Scheidung im Internet-Spiel MapleStory einfach löschte, nahm die japanische Polizei eine 43-jährige Frau fest. Ihr drohen nun wegen des virtuellen Mordes bis zu fünf Jahre Gefängnis oder 4000 Euro Strafe.

Onlinespiel MapleStory: Tummelplatz für virtuelle Existenzen

Onlinespiel MapleStory: Tummelplatz für virtuelle Existenzen

In der 2D-Welt des Online-Spiels MapleStory gibt es viele Aufgaben zu lösen: Monster jagen, Hindernisparcours meistern, Angeln gehen. Vielleicht eine der schwierigsten: die Heirat zweier Spielcharaktere. Sie müssen nicht nur unterschiedlichen Geschlechts sein, sondern auch im eigenen Heiratsverließ gemeinsam auf Monsterjagd gehen.

Nicht dazu gehört, dass man sich im echten Leben verzweifelt auf die Jagd nach seinem "Ehemann" macht und dessen Avatar aus Zorn löscht. Genau das aber wird einer Japanerin vorgeworfen, die wegen "illegalem Zugriff auf einen Computer und Manipulation von elektronischen Daten" festgenommen wurde. Weil sich ihr MapleStory-"Ehemann" ohne Vorwarnung von ihr trennte, habe sie sich der Zugangsdaten des Spielers, einem 33-jährigen Büroangestellten, bemächtigt, um damit dessen Avatar zu löschen.

Ein Polizeibeamter zitiert aus den Vernehmungsakten: "Ich war plötzlich geschieden, ohne Vorwarnung. Das hat mich so wütend gemacht." Sollte die Frau verurteilt werden, könnte sie laut AP bis zu fünf Jahre Gefängnis oder 4000 Euro Strafe erwarten. Klingt verrückt, ist aber dadurch zu erklären, dass es um eine echte Schädigung geht. Während das Spiel selbst kostenlos ist, besteht die Möglichkeit, dort auch Geld für virtuelle Gegenstände auszugeben. Die Löschung eines Profils kann also durchaus mit einer finanziellen Schädigung einhergehen.

Das Strafmaß hängt allerdings auch davon ab, ob das Gericht ihr entlastend anrechnen wird, dass ihr Ex-Ehemann schon in der Anfangszeit seiner E-Romanze wohl freiwillig sein Passwort rausrückte. So soll das ja auch sein zwischen Eheleuten.

Jugendlicher für Steve-Jobs-Herzinfarkt-Ente verantwortlich

Die Falschmeldung um den angeblichen Herzinfarkt von Apple-Boss Steve Jobs, welche die Unternehmensaktie um 5,4 Prozent absacken ließ, lässt sich auf einen Jugendlichen zurückführen.

Damit scheint auch die Theorie verworfen, wonach die Falschmeldung in betrügerischer Absicht bei iReport.com, dem CNN-Portal für Bürgerreporter, veröffentlicht wurde, um die Börse zu beeinflussen. Insidern zufolge haben die Ermittler keine Anzeichen dafür gefunden, dass der Jugendliche am Kursverlust der Apple-Aktie profitieren wollte. Bloomberg.com berichtet von den Ermittlungen und Verwicklungen.

Facebook-Sabotage zum Bewerbungsgefecht

Berufsanfänger und Bewerber für seltene Uni-Plätze sollten sich noch mehr Gedanken um ihre freizügigen Bilder bei sozialen Netzwerken wie StudiVZ oder Facebook machen. Denn wo bisher nur der Personalchef und die Uni-ulassungsstelle im Internet nach Partyvergehen der Bewerber forschten, bekommen die jetzt Suchhilfe von den Konkurrenten der Bewerber.

Der "Chicago Tribune" berichtet von US-Studenten, die sich für einen der wenigen Plätze an einer Elite-Uni bewerben - und dafür über Schnapsleichen gehen. Sie verschicken anonyme Briefe, oftmals mit Hilfe ihrer Eltern, in denen sie auf unvorteilhafte Netz-Videos und -Bilder der Mitbewerber aufmerksam machen wollen, bezichtigen sie der Schummelei oder anderen Vergehen.

Bei einer Umfrage unter US-Uni-Mitarbeitern, die für Zulassungsangelegenheiten zuständig sind, stellt sich die Bewerber-Sabotage als großes Problem heraus. Kein Wunder, dieses Jahr streiten sich 3,3 Millionen High-School-Absolventen um die Uni-Plätze. Besonders hart umkämpft sind die Elite-Unis.

Das Tech.Blorge-Blog sieht in der Online-Sabotage schon einen Trend: "Mit so vielen Fotos, die täglich auf Facebook hochgeladen werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bevor sie in die falschen Hände geraten und einen in Verlegenheit bringen."

Malware-Autoren reagieren auf Finanzkrise

Felix Knoke

... arbeitet von Hamburg aus für Print, Online, Radio und Fernsehen über digitale Lebenskultur und Medien in Österreich und Deutschland.
Auch Halunken leiden unter der Finanzkrise: Um der drohenden Rezession zu begegnen, vermutet Ars Technica, haben Malware-Firmen die Zahl ihrer Angriffe pro Firma erhöht. Das läge zum einen natürlich daran, dass es immer weniger Firmen gibt, auf welche die Angriffe verteilt werden könnten. Zum anderen gebe es einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen dem Fall des Aktienmarkts und der Anzahl der Angriffe insgesamt pro Tag. Vielleicht massieren Malware-Entwickler ihre Angriffe in Krisenzeiten, weil sie annehmen, dass die Sicherheitsabteilungen der angegriffenen Firmen dann weniger achtsam sind. Persönliche Krise geht schließlich vor Firmenkrise.

Laut den Sicherheitsexperten PandaLabs ist dieser Zusammenhang - belegt zum Beispiel mit Grafen - nicht neu. Doch bisher habe man das Ausmaß unterschätzt. Besonders die Botnet-Meister, Online-Diebe und Cracker hätten Angst vor einer Rezession und Depression. Oder wie Ars Technica sagt: Wer seinen Hauskredit nicht mehr bedienen, seine Kreditkarten-Rechnungen, seine laufenden Kosten nicht mehr zahlen kann, der wird auch keine Penisvergrößerungspillen mehr online kaufen oder sich ein Massen-Abo für 25.000 Pornoseiten für nur 5,99 Dollar im ersten Monat und 99,99 Dollar für jeden folgenden leisten …

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