Netzwelt-Ticker FTC soll Facebooks Open Graph prüfen

Facebooks Timeline-Vorstoß könnte die amerikanische Internetaufsicht beschäftigen: Mehrere Lobbygruppen haben einen Brief an die FTC geschickt. Außerdem im Überblick: Britische Herzen brechen teuer, Spotify hängt Musikpiraten ab, und Google Analytics kann jetzt auch Echtzeit.
Von Carolin Neumann
Alles neu bei Facebook - und Datenschützer gehen auf die Barrikaden

Alles neu bei Facebook - und Datenschützer gehen auf die Barrikaden

Foto: ROBERT GALBRAITH/ REUTERS

Das neue Facebookwill vor allem eins: Aktivitäten und Interessen sollen automatisch ins Profil einfließen und damit die Datenbanken des Konzerns weiter füttern. Datenschützer stoßen sich erwartungsgemäß am Open Graph, dem Mechanismus, der das Teilen ohne Zutun des Nutzers möglich macht - und haben sich in den Vereinigten Staaten jetzt an die auch für Verbraucherschutz zuständige Handelsaufsicht FTC gewandt.

Auf Initiative des Zentrums für elektronischen Datenschutz Epic (Electronic Privacy Information Center) kritisieren mehrere Lobbygruppen in einem Brief  (PDF), dass aus dem früheren Modell des aktiven Teilens nun ein passives Modell wird. Die Frage sei, ob die Neuerungen überhaupt noch mit jenen Facebook-Richtlinien vereinbar sind, denen die Nutzer einst zustimmten, als sie sich entschlossen, ihre Daten mit dem Unternehmen zu teilen. Das soll die FTC nach dem Wunsch von Epic und Co. nun untersuchen.

Das als frictionless sharing, also nahtloses Teilen bezeichnete neue Modell hat auch schon Nutzer auf die Barrikaden gebracht, etwa des Musik-Streaming-Portals Spotify. Wenn man seine Spotify- und Facebook-Konten verknüpfte, sollte jeder Song während des Hörens direkt im neuen Facebook-Profil sichtbar sein. Das Unternehmen hat rasch auf die Kritik reagiert und einen Aus-Knopf  fürs nahtlose Teilen eingebaut - das könnte Signalwirkung haben für andere Unternehmen, die sich dem neuen Facebook-Modell allzu schnell unterwerfen und dabei Sorgen von Nutzern und Datenschützern missachten.

Ein Vermögen für Dating-Betrüger

Sie spielen mit Menschen, die im Netz eine Antwort auf ihre Einsamkeit suchen: Betrüger suchen sich in Großbritannien häufiger als bisher angenommen ihre Opfer in Dating-Portalen und prellen sie zum Teil um ein kleines Vermögen. Forscher der Universitäten von Leicester und Westminster haben dieses Thema dem "Guardian"  zufolge gemeinsam mit der Strafverfolgungsbehörde Serious Organised Crime Agency (Soca) erforscht und dabei herausgefunden, dass zwei Prozent der mehr als 2000 Befragten jemanden kennen, der schon einmal auf ein solches Verbrechen hereingefallen ist. Hochgerechnet auf die britische Bevölkerung deute dies auf mehr als 200.000 Fälle hin.

Betroffen seien Männer und Frauen aller Altersgruppen. Erbeutet wurden dabei jeweils Beträge zwischen 50 und 240.000 Pfund. Wenige Fälle, in denen vorgetäuschte Online-Romanzen in dieser Form enden, werden offenbar angezeigt. So seien in den vergangenen 15 Monaten lediglich 730 Verbrechen mit einer abgezockten Gesamtsumme von acht Millionen Pfund festgestellt worden, schreibt der "Guardian" unter Berufung auf die zuständige Behörde. Die Dunkelziffer scheint hoch und dürfte laut den Forschern noch höher sein als in der Studie festgestellt.

Auch das noch:

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.