Netzwelt-Ticker Fünfhundertmal WikiLeaks

Der Kampf um WikiLeaks geht weiter: Hackerattacken gegen schwedische Server hier, massenhafte Unterstützung aus dem Netz dort. Außerdem im Überblick: Viacom legt Berufung gegen YouTube-Urteil ein, Nokia lässt Behörden in Indien den E-Mail-Verkehr mitlesen, EMI legt sich mit Filesharern an.
WikiLeaks: Über 500 Kopien im Netz verteilt

WikiLeaks: Über 500 Kopien im Netz verteilt

Foto: NICHOLAS KAMM/ AFP

Die schwedischen Server der Internetplattform WikiLeaks sind am Montag offenbar von Hackern angegriffen worden. Doch ihre Unterstützer haben die Enthüllungsplattform mittlerweile so häufig gespiegelt - sprich: Kopien davon verfügbar gemacht - dass es kaum noch möglich sein sollte, sie wirklich zum Verschwinden zu bringen. Die Seiten auf den schwedischen Servern konnten nach Angaben des Unternehmens, das den Speicherplatz zur Verfügung stellt, zeitweise nicht aufgerufen werden. Er gehe davon aus, dass WikiLeaks durch eine sogenannte Distribuierte Denial-of-Service-Attacke (DDoS) lahmgelegt wurde, sagte ein Sprecher des Unternehmens PRQ. Dabei werden so viele Anfragen an die Internetseite gerichtet, bis der Server den Dienst einstellt oder nur noch schwer zu erreichen ist.

WikiLeaks nutzte die schwedischen Server seit vergangenem Freitag. Nachdem die Enthüllungsplattform begonnen hatte, zahlreiche US-Diplomatendepeschen zu veröffentlichen, war die Internetseite immer wieder derartigen Angriffen ausgesetzt. Vergangene Woche entzog das US-Unternehmen Amazon WikiLeaks seine Unterstützung und warf das Angebot von den eigenen Servern, unter Verweis auf die eigenen Geschäftsbedingungen , die das Vorhalten von Material untersagten, an denen der Kunde nicht die Rechte halte. Kurz darauf war die Adresse Wikileaks.org nicht mehr zu erreichen, weil der DNS-Dienst EveryDNS sie abgeschaltet hatte. Begründung: Durch die ständigen DDoS-Attacken sei der Dienst insgesamt gefährdet. US-Politiker und auch die französische Regierung bemühen sich offenbar, durch Druck auf diverse Internetunternehmen WikiLeaks die technische Basis zu entziehen - bislang weitgehend erfolglos.

Am vergangenen Freitag wurde dann eine gewaltige Unterstützungskampagne für WikiLeaks gestartet: Am Montagnachmittag listete die derzeit erreichbare offizielle Seite WikiLeaks.ch/mirrors weit über 500 Spiegel-Server auf, unter denen das Angebot ebenfalls abzurufen sein soll. Viele Unternehmen, Organisationen und Privatleute bieten der Plattform offenbar Asyl.

cis/dpa

Viacom will weiter Geld von YouTube - eine Milliarde Dollar

Seit inzwischen vier Jahren beharken sich der amerikanische Unterhaltungskonzern Viacom und die Videoplattform YouTube in einer Kette von Gerichtsverfahren. Nun ist ein weiteres Puzzleteil dazugekommen. Wie die "LA Times" meldet, fordert Viacom wegen Urheberrechtsverletzungen erneut eine Entschädigungszahlung von einer Milliarde Dollar.

YouTube habe in seinen ersten Jahren weggesehen, wenn User gesetzlich geschütztes Material hochgeladen hätten. Im Sommer hatte daraufhin ein Gericht geurteilt, es genüge, wenn die strittigen Inhalte gelöscht werden, nachdem die YouTube-Betreiber auf diese aufmerksam gemacht worden seien.

Mit diesem Spruch ist Viacom offensichtlich unzufrieden und geht nun in Berufung. Auch nach entsprechenden Hinweisen auf zahlreiches Material aus Viacom-eigenen TV-Produktionen sei dieses nicht oder nur schleppend entfernt worden. Würde das Urteil Bestand haben, dann "würde es den Wert von vielen urheberrechtsgeschützten Werken beschädigen , wenn nicht sogar völlig zerstören", so der Medienkonzern.

Nokia lässt indische Behörden mitlesen

Einige Staaten bestehen darauf, den Nachrichtenverkehr von Smartphone-Besitzern mitlesen zu können. Indiens Regierung macht da keine Ausnahme. Nokia hat diesem Wunsch jetzt nachgegeben. Damit indische Sicherheitsbehörden die Daten des Nokia Messaging Service, über den die E-Mail-Konten von Nokia-Nutzern verwaltet werden, überwachen können, haben die finnischen Mobilfunker dafür einen speziellen Server auf dem Subkontinent installiert.

Nokias Indien-Chef wurde von der "India Times" mit der eilfertigen Mitteilung zitiert, sein Unternehmen habe allen Anforderungen der indischen Strafverfolgungsbehörden entsprochen . Dennoch bleibe die Privatsphäre der Kunden unangetastet. Inwieweit das tatsächlich gewährleistet werden kann, erscheint jedoch fraglich. Denn die Kooperation mit den indischen Behörden erlaubt diesen die Echtzeitüberwachung der Nachrichteninhalte inklusive verwendeter Passwörter. Auch der Aufenthaltsort des Handynutzers kann jederzeit ermittelt werden.

Nokia ist damit nach dem Blackberry-Hersteller Research in Motion der zweite Mobilfunkkonzern, der von Indien dazu genötigt werden soll, solche Einblicke zu gewähren. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten werden Handy-Hersteller unter Druck gesetzt, damit sie den Sicherheitsbehörden Einblick in E-Mail- und Messaging-Kommunikation geben.

Auch das noch:

EMI

Filesharer

Da hat sich der Musikriese möglicherweise selbst ein Bein gestellt: Seit Jahren streitet der Konzern, wie auch andere Musiklabel, gegen Urheberrechtsverletzungen und Online-Piraterie. Regelmäßig geraten , die Protokolle wie Bittorrent oder Webhoster wie Rapidshare nutzen, ins Visier der Rechtsabteilungen. In einem seit vier Jahren andauernden Prozess von EMI gegen den Musikdienst MP3Tunes argumentiert dessen Gründer nun, EMI habe längst so viel kostenlose Titel im Web verteilt, dass das Unternehmen selbst nicht mehr sagen kann, was davon legal und was illegal online ist.

EMIs Vorwurf gegen MP3tunes lautet, das Angebot verstoße mitsamt der dazugehörigen Musiksuchmaschine Sideload.com gegen das Urheberrecht. Ein Vorwurf, den Robertson nicht auf sich sitzen lassen will. In einem 41-seitigen Schreiben legt er dar, warum seiner Ansicht nach die Klage abgewiesen werden sollte . Entgegen den EMI-Vorwürfen betreibe sein Unternehmen sehr wohl Urheberrechtsschutz und habe sich nach Beschwerden bereits von mehreren Dutzend Kunden getrennt und als illegal gemeldete Musikdateien gelöscht. Zudem gehöre es zu den wichtigsten Maßnahmen der EMI-Marketingabteilung, kostenlose Musik-Downloads im Netz zu platzieren.

Dies habe zur Folge, dass "EMI selbst nicht zwischen genehmigten und ungenehmigten Links unterscheiden kann." EMI-Manager hätten eingestanden, die frei verteilten Dateien seien nicht zentral registriert worden. Womit nicht mehr erkennbar sei, ob ein Musiktitel von einem bösen Piraten angeboten wird oder ursprünglich aus EMI-Quellen stammt. EMI moniert eine Reihe von Sideload-Links, die zu Rapidshare führen, einem bekannten "Piraten-Hafen". Robertson hält laut "Heise" dagegen: " EMI selbst verteilt Musik  über Rapidshare und erklärt den Leuten, wie man sie dort herunterladen kann."

Nächste Runde im Rechtsstreit zwischen Viacom und YouTube

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