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14. September 2009, 17:31 Uhr

Netzwelt-Ticker

Funknetze dürfen offiziell schneller funken

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Es ist so weit: Der Pseudo-Standard für schnelle Funknetze wurde endlich zum echten Standard erhoben - obwohl er längst im Einsatz ist. Der Chaos Computer Club fordert Nummernschilder für Polizisten, und die "New York Times" liefert Schad-Software aus. Das und mehr im Überblick.

Das hat gedauert: Sechs Jahre hat eine Arbeitsgruppe des Ingenieurverbands IEEEgebraucht, um den Funknetzstandard IEEE 802.11n zu ratifizieren. Zu lange für viele Hersteller, die schon seit Jahren Netzwerkgeräte, Notebooks und anderes Hightech-Spielzeug anbieten, das sich der schnellen Datenfunktechnik bedient.

Die Aussicht auf die schnelle drahtlose Datenübertragung nach dem sogenannten "n"-Standard war aber auch zu verlockend. Während es die W-Lan-Vorläuferversion 802.11g auf maximal 54 MBit/s brachte, ist 802.11n auf Bruttodatenraten von bis zu 600 Mbit/s ausgelegt. Damit nicht genug - die verbesserte Technik verspricht neben einer höheren Durchsatzrate auch mehr Reichweite.

Dass zwischen dem Erstkonzept des Standards und seiner jetzt verabschiedeten endgültigen Fassung sechs lange Jahre, viel Feintuning und Kleinarbeit lagen, dürfte auch daran gelegen haben, dass so viele Unternehmen an dessen Festlegung beteiligt waren. Insgesamt waren 277 Teilnehmer stimmberechtigt, deren Interessen unter einen Hut gebracht werden mussten. Kein Wunder also, dass zwölf Entwürfe des Standards vorgelegt wurden bevor man sich auf die endgültige, 560 Seiten starke Fassung einigen konnte.

Im Einsatz ist die schnelle Funktechnik trotzdem schon seit mehr als zwei Jahren. Bereits seit Anfang 2007 verkauft beispielsweise Apple Funknetz-Basisstationen und Notebooks, die einer als "Draft-n" bezeichneten Vorabspezifikation folgen. Etliche Firmen sind auf diesen Zug aufgesprungen, haben ebenfalls "Draft-n"-Geräte vermarktet, die in der Regel problemlos miteinander funktionierten. Ob und welche Hersteller solche Geräte nun per Software-Update an die endgültige Version des Standards anpassen, bleibt abzuwarten.

CCC fordert Nummernschilder für Polizisten

Immer wieder werden Polizisten ungerechtfertigte Übergriffe gegen friedliche Demonstranten vorgeworfen. So auch nach der "Freiheit statt Angst"-Demonstration in Berlin. Ein Videoclip, der einen solchen Zwischenfall dokumentiert, macht seit Samstagnacht im Internet die Runde. Die öffentliche Aufmerksamkeit hat bereits erstaunliche Ergebnisse gebracht. Die Berliner Polizei sah sich zu einer Pressemitteilung genötigt, in der sie den Vorgang aus ihrer Sicht schildert. Ermittlungen gegen die am Übergriff beteiligten Polizisten wurden angekündigt: "Die Vorgehensweise der an der Festnahme beteiligten Beamten einer Einsatzhundertschaft, die auch in einer im Internet verbreiteten Videosequenz erkennbar ist, hat die Polizei veranlasst, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt einzuleiten." Die beiden betreffenden Beamten wurden bereits in eine andere Einheit versetzt.

Um vergleichbare Szenen in Zukunft schneller aufklären zu können, fordert der Chaos Computer Club "Nummernschilder" für Polizeibeamte. "Wenn die Identifikation von gewalttätigen Polizisten durch die Beamten selbst so unterlaufen wird, bleibt als einzige nicht die polizeilichen Maßnahmen störende Option das Anbringen von gut sichtbaren auf der Veranstaltung eindeutigen Identifikationsnummern an den eingesetzten Kräften." Dabei soll es keinesfalls um die komplette Aufhebung der Anonymität der Beamten gehen. Das vorgeschlagene Nummernschild-System würde das Recht der Beamten auf Datenschutz gewährleisten, weil ja keine Klarnamen verwendet würden.

Linux-Zombie-Server verteilen Schad-Software an Windows-PCs

Heise.de macht auf ein neuartiges Botnet aufmerksam. Dabei handelt es sich - und das kennt man so bisher kaum - um eine zu einem Netzwerk zusammengeschaltete Gruppe von Linux-Servern, die sehr flexibel auf Gegenmaßnahmen reagieren. Jedes Mal, wenn die von dem Botnet genutzten Hostnamen aus den Web-Datenbanken entfernen werden, registrieren sich die Zombie-Rechner unter neuen Namen. Der Web-Entwickler Denis Sinegubko verfügt inzwischen über eine Liste mit 77 betroffenen IP-Adressen, die vor allem in den USA und Frankreich lokalisiert sind. Die Schwachstelle, die zu dem Befall der Server führte, dürfte ein laxer Umgang mit Passwörtern sein, die die Botnet-Verantwortlichen womöglich aus unverschlüsseltem FTP-Verkehr herausgefischt haben.

Trügerische Werbung bei der "New York Times"

Auch die "New York Times" schlägt sich derzeit mit einer Schad-Software herum, wenn auch auf ganz andere Art. Offenbar ist es Hackern gelungen, "unautorisierte" Werbung auf die Web-Seite der Zeitung zu schleusen. Die Pop-up-Reklame warnte vor einem möglichen Virenbefall und forderte die Leser zum Besuch einer vorgeblichen Anti-Viren-Seite auf.

Die allerdings ist in Wahrheit nur eine unter vielen betrügerischen Web-Seiten, die Fake-Programme unters Volk bringen und dabei tatsächlich dessen Rechner mit Schad-Software infizieren. Dabei verhält sich die Reklame äußerst aggressiv. Ein Betroffener berichtete "Cnet" gegenüber, wie die Pop-up-Anzeige seinen Browser geradezu in Geiselhaft genommen und es ihm unmöglich gemacht habe, die vermeintliche Anti-Viren-Seite wieder zu verlassen. Inzwischen warnt die "New York Times" vor dem vermeintlichen Anti-Virus-Pop-up, rät ihren Lesern, ihren Browser zu beenden und neu zu starten.

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