Netzwelt-Ticker Generation 45 plus erobert Facebook und Co.

Eine Studie zeigt: Mama, Papa, Oma und Opa sind immer öfter auch in sozialen Netzwerken aktiv. Außerdem im Überblick: Firefox setzt bei Anti-Tracking-Bemühungen auf Transparenz von Unternehmen, das Verbraucherministerium startet einen Phishing-Radar, und die Bank of America begehrt eine URL.

Von Carolin Neumann


Soziale Netzwerke sind längst nicht mehr den unter 30-Jährigen vorbehalten, das zeigen schon die rasant wachsenden Mitgliederzahlen von Facebook, die sich anders kaum erklären lassen. Jetzt belegt eine groß angelegte Studie des amerikanischen Pew-Instituts, dass sich die Generationenlücke allmählich schließt, zumindest in den USA. Dort sind Nutzer über 45 Jahre heute doppelt so häufig in sozialen Netzwerken aktiv wie noch vor knapp zwei Jahren. In der Generation 74 plus hat sich die Zahl sogar vervierfacht.

Die in der Studie als "Millennials" bezeichnete Generation der 18- bis 33-Jährigen ist nach wie vor die aktivste in der Web-Welt. Allerdings haben - nicht nur in den sozialen Netzwerken - die Älteren insgesamt aufgeholt. Sie nutzen mehrheitlich bestimmte Dienste häufiger als Jüngere, etwa Onlinebanking und Suchmaschinen, auch in den Bereichen Online-Videos und -Shopping haben sich ihre Anteile zum Teil mehr als verdoppelt.

Eine merkliche Veränderung hat es zudem im Bereich Blogging gegeben: In fast allen Altersgruppen verzeichnet das Institut moderate Steigerungen, nur die 18- bis 33-Jährigen bloggen weniger als noch vor zwei Jahren. Schuld sein dürften Dienste wie Twitter und natürlich wiederum soziale Netzwerke mit ihren diversen Mitteilungsmöglichkeiten. Dorthin verlagert sich auch ein anderer einstmals wichtiger Internetservice: E-Mail. Er gehört zu den Web-Anwendungen, die deutlich häufiger von der älteren Generation genutzt werden. Ähnliches hatte kürzlich bereits eine comScore-Erhebung ergeben, wonach immer mehr Menschen über 54 Jahre ihren Computer verwenden, um E-Mails zu verschicken, während der Trend bei den Jüngeren in die andere Richtung geht.

Wenn die Verschiebung allerdings so weiter geht wie in den von Pew untersuchten letzten zwei Jahren, dann werden die älteren Nutzer auch die Nachrichtenfunktion bei Facebook und Co. bald für sich entdecken. Und dann muss man es sich zweimal überlegen, ob man die Freundschaftsanfrage der eigenen Mutter wirklich ablehnen will.

Firefox kündigt Anti-Tracking-Maßnahmen an

Der Schutz der Privatsphäre beim Surfen durchs Web scheint derzeit weit oben auf der To-Do-Liste von Browser-Betreibern zu stehen. Nach Microsoft hat jetzt auch der Branchenzweite Mozilla Maßnahmen angekündigt; Firefox-Chefdesigner Aza Raskin stellte die sogenannten Privacy Icons vor, die zeigen sollen, was eine Seite mit den gespeicherten Daten unternimmt. Während es der Internet Explorer mit seiner Tracking-Protection dem Nutzer überlässt, für sicheres Surfen zu sorgen, verlässt sich Firefox auf Web-Seiten wie jene, "die vehement versprechen, niemals E-Mail-Adressen weiterzugeben, wenn man sich für einen Newsletter anmeldet".

Solche Seiten, darauf hofft Mozilla, werden sich schon freiwillig kennzeichnen nach dem Motto: "Schaut uns an, wir sind transparent!" Ein netter Gedanke. Doch was, wenn die Botschaft nicht lautet: "Wir behalten Ihre Daten garantiert für uns"? Mit "Für Geld geben wir Ihre Daten jedem, der sie haben will" wird wohl kaum eine Firma in die Offensive gehen.

Neues Verbraucherforum gegen betrügerische E-Mails

Bereits am 28. Dezember sollen das Bundesverbraucherministerium und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf verbraucherfinanzwissen.de einen Service starten, bei dem man Phishing melden kann. Das berichtet rp-online.de. Demnach sollen die Meldungen überwacht und Warnhinweise etwa an betroffene Banken übermittelt sowie potentiell Betroffenen über Kanäle wie Twitter mitgeteilt werden.

Wie viele Anti-Spam-Beamte für diesen Phishing-Radar abgestellt werden, ist nicht bekannt, es dürften aber mehr sein als in einem Fall, der in den USA gerade die Runde macht. Nach dem Prinzip David gegen Goliath kämpft ein Amerikaner gegen nervigen und mitunter gefährlichen Spam. Wie Daniel Balsam seinen Job schmiss, Jura studierte und jetzt davon lebt, Spammer in Grund und Boden zu klagen, erzählt diese Geschichte.

Bank of America hat ihren Chef lieb

Um zu verhindern, dass geschäftsschädigende Web-Seiten entstehen, kauft die Bank of America gerade massenhaft URLs. Es geht den Bankern vor allem um Kombinationen aus den Namen leitender Angestellter und Wörtern wie "suck". Vor allem der Schutz des eigenen CEOs ist dem Haus einige Dollar wert, unter anderem wurden Domains wie BrianTMoynihanBlows.com oder BrianMoynihanSucks.com reserviert.

Damit habe die Bank sich selbst viel mehr schlechtere Publicity beschert als mögliche Websites unter diesen Domains je hätten erreichen können, spöttelt "The Business Insider". An eine nicht ganz unwichtige URL, die den Domain-Kaufrausch ausgelöst zu haben scheint, kommt die Bank of America vorerst aber gar nicht ran: bankofamericasucks.com.

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Dieter CohnenAC 27.12.2010
1. Zwei fehlende Buchstaben und schon ein falscher Eindruck...der bleibt...
Liebe Frau Neumann, warum erwecken Sie den Eindruck, überall in der Welt - und da Spiegel Online ein deutsches Produkt ist, sicher in Deutschland - würden jetzt die 45plus Menschen auf soziale Netzwerke verstärkter zugreifen? Warum schreiben Sie nicht einen korrekten Titel über Ihrer Artikel, der da ganz einfach mit 2 Buchstaben die Information, die dann im Nebensatz Ihres Artikels auftaucht, auch enthält: US. Denn um eine US Studie über US Bürger geht es. Um nichts weniger und vor allem nichts mehr. Warum mir das so wichtig ist? Leicht erklärt: Die Generation 45plus ist (ich kann es guten Gewissens sagen, denn ich gehöre ihr an) um LÄNGEN kritischer gegenüber sozialen Online-Netzwerken, als hier der Eindruck erweckt wird. DAS ist die Generation, die noch die 1. große Volkszählung boykottiert hat, das ist die Generation, aus der die Mehrheit der jetzt als "kritische Gesellschaft" bezeichneten "Bürger" kommen. Und warum wird immer von "sozialen Netzwerken" geschrieben, wenn es sich faktisch nur um Online-basierte Netzwerke handelt? Es wäre doch mal eine Spiegel-Geschichte wert, das internet-blinde Auge auf die schon zum Teil seit Jahrhunderten bestehenden sozialen Netzwerke zu werfen: Pfadfinder, Schul-Bekanntschaften, Vereine...uvm. Mir geht es offen gesagt auf die Eier, wenn bei internet-affinen Journalisten vollkommen kritiklos jeder Unsinn, der plötzlich im Netz auftaucht (FB, Twitter und co sind für mich Unsinn...sicher weitverbreitet, aber nicht weniger Unsinn) als DIE Neuigkeit schlechthin verbreitet wird. Das ist doch unglaublich oft kalter Kaffee - aufgewärmt und in eine frische Verpackung gegossen. Bitte, liebe Netzwelt-Ticker Kollegen: Seit so journalistisch korrekt, wie es Eure Leser von Euch erwarten können. Und schreibt wenigstens ein US dahin, wo es hingehört...
martinita 27.12.2010
2. Reduziert
Aha, die "Generation 45+" sind also Mama, Papa, Oma und Opa und definiert sich auch nur über ihre jeweiligen Kinder und Enkel, die gnädig ihre Freundschaftsangebote annehmen? Irre ich mich oder ist da jemand ganz schön selbstgefällig?
floydpink 27.12.2010
3.
Also ich bin 48 und ich muss sagen, dass mir solche Seiten wie facebook.com ziemlich suspekt sind. Gerade wegen der losen Handhabung des Datenschutzes. Facebook.com ist bei mir sogar über einen Eintrag in die "hosts" Datei komplett geblockt.
bcpmoon1 27.12.2010
4. Also die zweite Generation...
Ich bin zwar nicht 45+, aber doch niedlich zu sehen, wie die Jungspunde denken, sie hätten das Netz erfunden (das war ja Al Gore...). Ich denke, meine Generation benutzt das Netz für das, was wir brauchen und das ist eben nicht "400 beste Freunde", sondern als Werkzeug, um das RL zu handlen. Ich denke, sobald die heutigen Kinder erwachsen werden, wird auch diese Nutzung sich ändern.
Q16 27.12.2010
5.
Meiner Meinung nach ist schon die Artikel-Überschrift total verzerrt: "Generation 45 plus erobert Facebook und Co." Was gibt es da zu erobern?? Wenn überhaupt, so werden doch die Daten der 45plus erobert. Artikel dieser Art sollen bloß suggerieren, man sei der letzte einsame Volltrottel, wenn man diese "sozialen" Netzwerke nicht nutzt. ("Nutzen"? Wofür überhaupt??) MfG
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