Netzwelt-Ticker Gericht erzwingt deutsche Zweibuchstaben-Domains

Die deutsche Domainverwaltung Denic weigert sich wegen technischer Bedenken, Domains wie vw.de zu registrieren. Richter haben Denic nun dazu verdonnert, vw.de für Volkswagen freizuschalten. Außerdem im Überblick: TDSL-Untreue wird teurer und Sevenload ein wenig rosa.

Das Oberlandesgericht Frankfurt zwingt die zentrale deutsche Registrierungsstelle für .de-Domains Denic, dem Volkswagenkonzern die eigentlich nicht standardkonforme DE-Domain vw.de zuzuweisen. Die Denic hatte dies mit zuvor abgelehnt und das mit den eigenen Vergaberichtlinien und möglichen Probleme bei der Zuordnung von zweistelligen Domainnamen begründet.

In einem Sachverständigengutachten, aus dem "heise online"  zitiert, führen Experten aus, dass die ältere Software, die entsprechende Probeme verursache, nur noch auf 3,5 Prozent der untersuchten Nameserver genutzt werde. Die Frankfurter Richter erkennen daher das Argument der möglichen technischen Probleme nicht als stichhaltig an und nennen die Weigerung der Denic vw.de zuzulassen "unverhältnismäßig."

Die Richter leiten aus dem Kartellrecht einen Anspruch von Volkswagen auf die vw.de-Domain ab - die Verweigerng werte sie als "nicht sachlich gerechtfertigte Ungleichbehandlung gegenüber anderen Mitbewerbern wie z.B. den Bayerischen Motorenwerken (BMW), die im Internet unter der Domain "bmw.de" auftreten", wie der Onlinedienst " Webhosting und Recht " aus der Urteilsbegründung (Az.: 11 U 32/04) zitiert. Das Oberlandesgericht hat eine Revision nicht zugelassen, dagegen legte die Denic Beschwerde ein.

Wenn das Urteil Bestand hat, könnte eine Reihe von Unternehmen ähnliche Domains von der Denic fordern - hm.de, hp.de oder bp.de sind bislang nicht vergeben, anders als hm.com , hp.com , bp.com  und vw.com , die allesamt offensichtlich keine großen technischen Probleme bereiten.

Die einzigen bekannten zweistelligen de-Domains aus der Zeit vor dem Denic-Bann sind:

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Sevenload wird ein bisschen rosa

T-Onlines Venture Fund legt zusammen mit Burda Cross Media 25 Millionen Euro auf den Tisch des Videoportals Sevenload. Sinn und Zweck der Veranstaltung: die geplante internationale Expansion der Filmchenseite, außerdem wollten deren Betreiber um Chef Ibrahim Evsan die neuen Teilhaber als "wichtige Content-Partner" gewinnen . Neu ist auch ein Beteiligungsprogramm für die Mitarbeiter von Sevenload, das sich nicht ausschließlich ans höhere Management richtet. Nun gibt es zweierlei Aussichten: Vielleicht lässt sich in Deutschland mit einem Videoportal doch richtig Geld verdienen - und sei es durch einen Börsengang. Und der könnte, falls er gelingt, besonders den Telekom-Mobilfunkern ein neues Erfolgsgefühl verschaffen.

Wer T-DSL kündigt, soll 80 Euro zahlen

Nicht so schön klingt, was unterdessen die Konzernmutter Telekom vermeldet: wenn ein bisheriger DSL-Kunde das rosa Trikot ausziehen und zu einem anderen Anbieter wechseln will, soll das entsprechende Entgelt auf die sogenannte Teilnehmeranschlussleitung ab 1. Juli von 50 auf 80 Euro erhöht werden . Der Breitbandverband Breko reagierte sauer, die Bundesnetzagentur habe erst im letzten Jahr die neuen Tarife festgelegt. Diese müssten nicht etwa erhöht, sondern gesenkt werden, um den hohen Investitionen anderer Telkos in die Infrastruktur Rechnung zu tragen.

Flickr-Gründer verlassen Yahoo

Das Dauertheater um freundliche oder unfreundliche Übernahmen rüttelt Suchmaschinenbetreiber Yahoo schon seit einiger Zeit durch, auch die höheren Managementetagen bleiben davon nicht unberührt. Das Unternehmen verzeichnete jetzt zwei Personalabgänge, die ein bezeichnendes Licht auf die interne Stimmung werfen: Die Gründer des Bilderdienstes flickr, die ihre Firma vor drei Jahren an Yahoo verkauften und dort als leitende Angestellte weitermachten, haben keine Lust mehr. Stewart Butterfield verabschiedete sich bereits am vergangenen Freitag, Ehefrau Caterina Fake wird am 12. Juli folgen. Der Massenexodus von leitenden Angestellten bei Yahoo nimmt kein Ende, kommentiert Michael Arrington bei "TechCrunch" .

Großbritannien: Diebe klauen mühelos Minister-Laptop

Großbritannien liegt im Wettbewerb um die Europameisterschaft im Datenverschlampen uneinholbar an der Spitze und konnte seinen Anspruch auf die Führungsposition erneut eindrucksvoll bestätigen. Aus dem Salforder Büro der Labour-Ministerin Hazel Blears wurde am Wochenende ein Laptop gestohlen. Auf dem Gerät sollen unter anderem sensible Daten über Regierungspläne zur Extremismusbekämpfung gespeichert gewesen sein . Der Dieb kam durchs Fenster ins Ministerbüro und griff sich gezielt nur den Klapprechner. Während von Regierungsseite verkündet wurde, es seien keine Informationen betroffen, die die nationale Sicherheit beträfen, freute sich die konservative Opposition über die erneute Steilvorlage. Nach bereits zwei Zufallsfunden von behördlichem Geheimmaterial in britischen Vorortzügen in der letzten Woche sei die Nachricht außerordentlich alarmierend, dass eine Ministerin direkt für den Verlust von Informationsmaterial zur Terrorbekämpfung verantwortlich sei, so der Schatten-Innenminister Dominic Grieve.

Opposition bemängelt Studie zu Handystrahlung

Gestern noch stellte Umweltminister Gabriel eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz zur Gefährlichkeit von Handytelefonaten vor und gab zumindest Entwarnung, was erwachsene Telefonierer betrifft. Nun mäkelt die Opposition schon wieder an dem Papier herum. Vor allem aus den Reihen der Linken wurde Kritik an der Tatsache laut, dass auch private Mobilfunkbetreiber an der Erhebung beteiligt gewesen seien. Da konnte diesmal auch der FDP-Strahlenschutzexperte Horst Meierhofer mit einstimmen , der sich gegen die "Dauersubventionierung für Forschungsinstitute durch die Mobilfunkbranche" wandte.

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