Netzwelt-Ticker Gesetz gegen "Killerspiele"

Der Bundestag verschärft den Jugendschutz: Jetzt können noch mehr Spiele und Filme auf dem Index landen. Ein RIAA-Manager verkündet die Rückkehr des Musikkopierschutzes, Apple bastelt an einer 3D-Fernbedienung, und Google-Gegner sabotieren Kamerakaravane. Das und mehr im Überblick.


Jugendschutz: Bundestag verabschiedet Gesetz gegen "Killerspiele"

Aktuelle USK-Kampagne: Spiele sollen zum Alter passen

Aktuelle USK-Kampagne: Spiele sollen zum Alter passen

Der Bundestag hat den umstrittenen Regierungsentwurf zur Änderung des Jugendschutzgesetzes gegen die Stimmen der Opposition abgesegnet. Damit werden die Kriterien erweitert, nach denen Gewaltvideos und gewalthaltige Videospiele als jugendgefährdend auf dem Index landen. Laut Heise.de müsste darüber hinaus auch die Auszeichnung der Altersbeschränkung größer ausfallen.

Mit den größeren USK– und FSK-Aufklebern "machen wir Jugendschutz sichtbar", so die CDU-Abgeordnete Antje Blumenthal zur dpa. Hinter der Gesetzesinitiative steckt aber vor allem Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Spiele mit "weitreichenden Abgabe-, Vertriebs– und Werbeverboten" belegen will, wenn diese "besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen beinhalten, die das mediale Geschehen selbstzweckhaft beherrschen". Bisher sind Computerspiele, die Gewalt oder Krieg verherrlichen, automatisch für Jugendliche verboten.

Welche Konsequenzen hat das Gesetz für Computerspieler? Die "Netzeitung" stellt fest: Wer ein solches gewaltverherrlichendes Spiel besitzt, kann es zuhause in Ruhe spielen, denn Besitz und Herstellung sind nicht verboten. Eltern machen sich aber strafbar, wenn sie ihren Kindern Medien, Bücher oder Spiele dieser Art überlassen. Es müsse aber eine "gröbliche Verletzung" der Erziehungspflicht nachweisbar sein.

Inwieweit Gewalt in der Kindheit eine Rolle spielt, darüber wurde auch bei einem Meeting der europäischen Spieleindustrie am Mittwoch in Brüssel geredet. Besonders ein Referat des britischen Pädagogen Andrew Burns sorgte dort für Gesprächsstoff. Laut ORF Futurezone sieht er Gewalt und den Umgang damit als essentiellen Teil des Erwachsenwerdens. Aber auch Burns spricht sich für eine bessere Kennzeichnung von Computerspielen aus: Manche Kinder werden durch den alltäglichen Gruppenzwang viel zu früh mit Spielen konfrontiert, die gar nicht für ihre Entwicklungsstufe geeignet sind. Die Frage ist natürlich: Wie soll eine Alterskennzeichnung ein Kind vom Spielen abhalten?

Kopierschutz: RIAA-Manager verkündet die Rückkehr von DRM

Da dachte man gerade noch: Jetzt hat es jeder eingesehen. DRM, also "digitales Rechtemanagement", war eine blöde Idee und sollte sofort in den Müll geworfen werden. Die vier großen Plattenlabels experimentieren mit ungeschützter Musik, iTunes bietet teilweise, der Amazon-MP3-Laden ein gänzlich DRM-freies Sortiment. Die großen Indie-Plattenläden, beispielsweise Finetunes.net, haben den Braten schon früher gerochen und zeigen schon länger recht erfolgreich, dass man dem Kunden nicht vorschreiben sollte, wie er mit Musik umzugehen hat.

Doch dann verkündet David Hughes, Cheftechniker des Musikindustrieverbandes RIAA, auf einer Konferenz in Hollywood: "DRM ist nicht tot." Vielmehr: Der Kopierschutz werde ein Revival erleben. Cnet protokollierte Hughes Gedankenspiele: Von 22 Ideen, wie man zukünftig Musik verkaufen könnte, benötigten 20 ein digitales Rechtemanagement. Der Schlüssel sei, ein DRM-System zu entwickeln, das die Leute nicht stört, sondern sie mit ihrer Musik tun lässt, was sie wollen.

Ars Technica hat mit dieser Begründung ein Problem: Gerade das, was die Leute mit ihrer Musik tun wollen, will DRM unterbinden. Nämlich die Musik uneingeschränkt zu nutzen.

Eines muss man Hughes Argumenten aber lassen: DRM ist tatsächlich nicht tot. iTunes verkauft vorwiegend geschützte Dateien, viele Musikläden bieten ausschließlich Musikdateien an, die nur mit Hilfe eines Windows-Computers abspielbar sind - ein trauriges Beispiel, wie und warum so etwas schiefgeht, liefert Microsoft mit dem Ende seines playsforsure-Kopierschutzes ab. Und selbst Musiknetzheld Last.fm bietet in Wirklichkeit als Audiostream abgeschottete Musikdateien.

Bastelt Apple an einem Wii-Klon?

Für Apple-Jünger ist die Online-Bibliothek des amerikanischen Patentamtes ein bodenloses Füllhorn der Glückseligkeit. Alles, was Apples Ingenieure und Ingenieurinnen austüfteln und vermutlich erst in Jahren auf den Markt kommt, kann dort schon heute eingesehen werden. Und so rast der Puls, wenn Appleinsider.com die Patentanmeldung für eine 3D-Fernsteuerung, wohl für Apples Fernsehbox "Apple TV", bekanntmacht.

Der Clou: Dank verschiedener Sensoren weiß die Apple-Box immer genau, wo die Fernbedienung gerade ist – und wo sie hinzeigt. Ganz im Stile der Nintendo Wiimote könnte man damit einen Zeiger auf dem Bildschirm steuern, Bilder mit einer Handbewegung drehen und zoomen - und natürlich: spielen. Denn das vermuten die Mac-Gerüchtemacher schon lange: Computerspiele und Mac, das muss so langsam zueinanderfinden. Im Quellcode von iTunes könne man das schon lesen. Aber Vorsicht: Angeblich streut Apple auch Pseudopatente und Gerüchte, um von den eigentlich interessanten Entwicklungen abzulenken und Hype-Wellen zu erzeugen.

MySpace öffnet sich und andere

Pforten öffnen, Gartenzaun niederreißen, für ein offeneres, sozialeres Internet ... MySpace macht einen gewaltigen Schritt und öffnet sich gegenüber anderen Web-Anwendungen für soziale Netzwerke. Wer ein MySpace-Profil hat, soll seine Daten ganz einfach auch in andere Web-Dienste einspeisen können: Yahoo, Ebay, Photobucket, Twitter.

Durch diese Öffnung sollen die Nutzerdaten "portabel" gemacht werden. Dafür arbeite man sogar mit dem Erzrivalen Facebook zusammen. Damit folgt MySpace ganz den Zeichen der Zeit. Nutzer von sozialen Netzwerken sind sprunghaft. Der Versuch, sie an eine Plattform zu fesseln, ist riskant. Damit nicht Heerscharen von einem Netzwerk in ein gerade attraktiveres abwandern, bietet so eine Datendurchlässigkeit Anreize, "sowohl als auch" zu entscheiden: Ich unterhalte weiterhin (ganz automatisch) mein MySpace-Profil, obwohl ich längst vorwiegend bei Facebook aktiv bin.

Plastiktüte gegen Google-Flotte

Übrigens: Klar, dass Googles Versuch, Amerikas Straßenleben für die Google-Maps-Funktion Streetview zu fotografieren, nicht nur auf Begeisterung stößt. Ein Flotte Google-Vans tuckerte durch große Städte Amerikas und fotografierte mit einer Rundumkamera die Straßenzüge; mitsamt allen unfreiwilligen Protagonisten: küssenden Pärchen, Einbrechern, Job-Schwänzern. Google Streetview ist das Paradies für Gaffer und Spanner.

Bis jetzt war aber nichts von Aktionen gegen Googles Bildersammlung bekanntgeworden. Das hat sich geändert. Irgendein empörter Passant, Aktivist, Spaßvogel stülpte einer Google-Kamera eine Plastiktüte über. Die fotografierte statt der College Road in Fairbanks, Alaska nun unbemerkt das Innere der Tüte. Das Google-Sightseeing-Blog hat's bemerkt – und schon andere Sabotageaktionen in Alaska ausfindig gemacht …

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