Netzwelt-Ticker Gesichtserkennung für Facebook-Fotos

Ein Programm für Facebook soll Ordnung in die Bildersammlung bringen, China sperrt mal wieder YouTube aus und Last.fm kostet im Ausland bald Geld. Das und mehr im Überblick.

So mancher Facebook-Nutzer sammelt mit der Zeit eine große Zahl von Freunden und verliert da schon einmal den Überblick. Und das nicht zuletzt deshalb, weil das Social Network mittlerweile zu einer großen Foto-Community mutiert ist. Jeden Monat laden Facebook-Mitglieder über eine Milliarde Bilder auf ihre Profile hoch.

Doch selbst von den Bildern der eigenen Freunde bekommt man nur dann etwas mit, wenn man sie mit einem entsprechenden "Tag" (engl.: "Etikett") versehen, also die Namen der abgebildeten Personen hineingeschrieben hat. Mit dieser Unübersichtlichkeit soll jetzt Schluss sein.

Die israelische Softwareschmiede Face.com hat das Programm "Photo Finder"  zur Gesichtserkennung in Facebook entwickelt. Nachdem man es als Facebook-App installiert hat, scannt die Software die eigenen Fotos und die der Freunde (wenn sie diese Möglichkeit zugelassen haben) nach Gesichtern. Die so erfassten Porträts fungieren dann als Referenzobjekte, mit denen jedes neu hochgeladene Motiv sofort passend einsortiert, also entsprechend getagged wird.

Die Nachrichtenseite Techcrunch  machte einen Probelauf und war von der Funktionalität des "Photo Finder" begeistert. Allerdings dürfte die Software einiges zu tun bekommen, sobald die derzeit noch geladenen Besuchern vorbehaltene Testphase abgeschlossen ist. Die ersten 150 Teilnehmer des Feldversuchs brachten es auf mehr als 20 Millionen Fotos, auf denen die Software 30.000 Gesichter identifizierte.

Pirate Bay bastelt an kostenpflichtigen Anonymisierungsdienst

Während in Schweden die Prozessbeteiligten der Verhandlung über eine Klage gegen die Verantwortlichen des Bittorrent-Trackers Pirate Bay noch auf das Urteil warten, legt sich die technische Abteilung nicht auf die faule Haut. Wie die Seite Torrentfreak berichtet, basteln die Skandinavier gerade an einem Anonymisierungsdienst , der die Nutzer des Trackers besser vor Identifizierung und Strafverfolgung schützen soll.

Dazu werden die Suchanfragen der einzelnen User über einen weiteren Server umgeleitet. Damit werden die IP-Adressen der Filesharer nicht mehr angezeigt, sondern nur noch die des Servers selbst, der zudem im Ausland stehen soll. Derzeit läuft die Beta-Testphase mit 500 Teilnehmern. Der spätere Normalbetrieb soll dann für alle Nutzer zugänglich sein, wird allerdings nicht mehr zum Nulltarif zu haben sein. Um die anfallenden Kosten wieder hereinzuholen, werden monatliche fünf Euro Gebühren fällig.

Schon wieder: China sperrt YouTube

Wer hätte das gedacht: Nicht nur, dass in China weiter eifrig Menschen hingerichtet werden, auch im virtuellen Raum werden die Zügel weiterhin fest angezogen. Wieder einmal traf es auch Googles Videoportal YouTube, das im Reich der Mitte erneut abgeschaltet wurde. Grund diesmal: Auf der Filmchenseite waren Clips aufgetaucht, die chinesische Polizisten beim Niederknüppeln  von tibetischen Mönchen zeigen.

Allerdings war nicht klar, ob die Aufnahmen aktuell oder schon älteren Datums sind. Darüber hinaus behaupten chinesische Regierungsstellen sogar, das Material sei "lügenhaft". Bildsequenzen und Tonspuren unterschiedlicher Herkunft seien miteinander kombiniert worden. Währenddessen hielt die tibetische Exilregierung in Indien, die das Material vergangene Woche veröffentlicht hatte, an der Echtheit der gezeigten Szenen fest.

Last.fm wird kostenpflichtig - fast überall

Werbegelder sprudeln nicht mehr wie noch vor kurzer Zeit, sie tröpfeln nur noch. Auch beim Online-Musikservice Last.fm ist jetzt Schmalhans Küchenmeister und der verlangt ab Ende März Abogebühren in Höhe von drei Euro pro Monat - aber nicht von jedermann. Nutzer in den USA, Großbritannien und Deutschland werden nicht zu Kasse gebeten.

Unternehmensgründer Richard Jones  vermied bei der entsprechenden Ankündigung im hauseigenen Blog allerdings jegliche Begründung. Immerhin beruhigte er die Last.fm-Gemeinde mit dem Hinweis, dass andere Dienste wie Scrobbling, Musikempfehlungen, Charts und Videos auch weiterhin gratis angeboten werden sollen.

Hausdurchsuchung beim Domain-Inhaber von wikileaks.de

Zeitgleich zur Debatte um die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten nahm die Polizei gestern Abend Hausdurchsuchungen in den Privaträumen des Domaininhabers von Wikileaks.de  vor. Zur Begründung der Aktionen in Dresden und Jena gaben die Beamten laut Wikileaks die "Verbreitung pornografischer Schriften" an. Das bezieht sich wohl auf die von dem Anti-Zensur-Projekt veröffentlichten Sperrlisten aus Australien, Dänemark, Thailand und anderen Ländern. Die enthalten tatsächlich auch Links zu einschlägigen Schmuddelseiten.

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