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MP3s können auch Surround-Klang, die nächste Playstation kommt doch nicht zu spät, bei Flickr wird gegen den Flickr-Besitzer protestiert und SMS-Schreiben macht tatsächlich die Finger kaputt - laut einer Studie aus der Mobilfunkbranche. Das und mehr im Überblick.


Rettet Surround-Sound das MP3-Format?

"Eigentlich sieht es so aus, als ob der ehrwürdige MP3-Standard für immer tonangebend bleibe", schreibt Eliot van Buskirk in einem Kommentar auf Wired.com, "aber er gerät von allen möglichen Seiten unter Beschuss". Drei Gründe stellt der Autor allen voran. Andere Formate klingen besser, dank großer Festplatten kann man sich sogar verlustfreie Kompression leisten und vor allem: Viele User rippen - dank Windows Media Player oder iTunes - nicht ins MP3-Format MP3, sondern in AAC oder WMA, ganz abgesehen vom Open-Source-Konkurrenten OGG Vorbis.

Doch eine Weiterentwicklung um Surround-Sound könnte das angegraute MP3-Format retten - eine Weiterentwicklung wie MP3 Surround, die letztes Jahr vom MP3-Lizenzgeber Thomson vorgestellt wurde. Doch für einen Erfolg des Formats ist mehr als nur ein neuer Standard und Abspielsoftware für den PC vonnöten. Mobile und stationäre MP3-Player müssten das Format beherrschen, Musik-Produzenten in MP3 Surround produzieren (was sehr unwahrscheinlich ist). Und dann gibt's ja noch die Konkurrenz, die ähnliche Formate oder Filter für echten oder Pseudo-Surround-Sound anbieten und bereits in diversen Geräten platzieren konnten.

SMS-Boom macht Finger futsch

SMS-Tipperin: 38 Prozent mehr kaputte Hände?

SMS-Tipperin: 38 Prozent mehr kaputte Hände?

Eine aktuelle Studie von Virgin Mobile, so berichtet Reuters kommt zum Schluss, dass Millionen von britischen Handy-Besitzern ihre Daumen und Finger durch Viel-SMSerei verletzen. Über 93,5 Millionen Textnachrichten werden im Königreich täglich verschickt. Die hohe Beanspruchung der Finger führte dazu, dass die Zahl der Leute, die über Beschwerden berichten, regelrecht explodiere. Ursache sei die ständige und gleichförmige Belastung (repetitive strain injury) beim Tippen. Die Zahl der Leute, die über schmerzende Handgelenke und Daumen klagen, ist in den letzen fünf Jahren um 38 Prozent gestiegen, jedes Jahr melden 3,8 Millionen Menschen Probleme, die durch Überanstrengung der Finger und Handgelenke zustande kommen. Die Studie legt zudem nahe, dass kein Ende in Sicht ist: Mehr als 12 Prozent der Befragten haben zugegeben, über 20 SMS pro Tag zu verschicken - 10 Prozent senden sogar bis zu 100.

Flickr-Bildprotest gegen Yahoo

Mauern, Gräber, kleine Gefängnisse - mit einer Bildersammlung protestieren Mitglieder der Bilder-Community Flickr gegen die Politik des Flickr- und Suchmaschinenbetreibers Yahoo. Dieser hat mit der Herausgabe persönlicher Daten der chinesischen Regierung geholfen, den Journalisten Shi Tao festzunehmen. Shi Tao hat ausländischen Journalisten eine Nachricht der chinesischen kommunistischen Partei weitergeleitet, in der vor Unruhen im Zusammenhang mit der Rückkehr bestimmter Dissidenten am 15. Jahrestag des Massakers vom Tienanmen-Platz (Platz des Himmlischen Friedens) gewarnt wird. Ihn erwarten zehn Jahre wegen "Verrat eines Staatsgeheimnisses". Yahoo ist für die Herausgabe der Daten scharf kritisiert worden, kommt aber schon lange bei der Websuche den Zensur-Wünschen der chinesischen Regierung nach.

iTunes kommerzialisiert Podcasting

Podcasts sind erfolgreich, günstig und flexibel zu produzieren - aber wie um alles in der Welt kann man mit ihnen Geld machen? Mit der Ricky Gervais Show bringt iTunes nun laut bit-tech.net den ersten kostenpflichtigen Podcast heraus. Dieser erfolgreichste aller Podcasts um den britischen Comedy-Star Ricky "The Office" Gervais wurde pro Folge über 260.000 Mal heruntergeladen, die ersten zwölf Episoden gab es von der Zeitung Guardian gesponsert kostenlos auf iTunes zum Download. Damit ist jetzt Schluss - fürderhin kostet ein Monat Ricky Gervais 7 Dollar, respektive 4,5 Pfund - dafür bekommt man dann vier Mal eine halbe Stunde brillanter Unterhaltung am Rande der Schmerzgrenze.

Da iTunes keine Möglichkeiten bietet, Podcasts kostenpflichtig herunterzuladen, werden die Folgen bei Audible.com angeboten. Sollte das Experiment gelingen, dürften wohl schon bald viele Podcast-Anbieter über ähnliche Verkaufsmodelle nachdenken.

PlayStation 3 doch keine DelayStation?

Nach Gerüchten über mögliche Verzögerungen und deutliche höhere Preise der PlayStation 3 hat Sony-Sprecher Kei Sakaguchi offiziell eine mögliche Verschiebung des PS3-Releases dementiert: Die nächste Playstation komme wie geplant diesen Frühling. Damit widersprach Sakaguchi Berichten der Finanz-Analysten von Merrill Lynch, die letzte Woche prognostizierten, dass die PS3 in Japan wohl erst im Herbst und in den USA und Europa wohl erst nächstes Jahr erscheine.

Seltsam nur: Gestern wurde auf der Website der BBC ein namenloser Sony-Sprecher zitiert, der im Gegensatz zu Sakaguchi sehr wohl einen pünktlichen Release in Zweifel zieht. Der Grund: Sony warte auf die endgültigen Hardware-Spezifikationen, die erst noch von Industrie-Konsortien bereitgestellt werden müssen. Im Klartext: Das Gezerre um die BluRay Disc könnte für eine PS3-Verzögerung verantwortlich sein.

Totale Überwachung: 1000 Dollar Kopfgeld für den Polizeichef

Für Polizeichef Hurtt aus Houston sind Überwachungskameras ein tolles Tool zur Verbrechensbekämpfung. Für viele Bürgerrechtler sind die ständigen Beobachter das beste Symbol für einen totalitären Überwachungsstaat. Ein wichtiger Kritikpunkt: Überwacht werden nicht nur Schuldige, sondern vor allem - und das die ganze Zeit - Unschuldige. Polizeichef Hurtt macht das wenig aus: "Warum sollte das einen kümmern, wenn man nichts Falsches getan hat", verlautbarte er in einem Artikel im "Seattle Post Intelligencer".

Den Mann sollte man beim Wort nehmen, dachte sich Matt Asher, drehte den Spieß um und lobte den Hurtt-Preis aus. 1000 Dollar verspricht er demjenigen, der den Polizeichef auf frischer Tat bei irgendeiner Straftat ertappt - und dabei filmt. Das Videomaterial würde dann sogleich auf seiner Website veröffentlicht und an eine Polizeistation weitergeleitet. Ein frecher Leser von Boingboing.net merkte daraufhin an, dass es in Houston ein Gesetz gäbe, das Autofahrer dazu zwinge, vor jedem Start einen Rundum-Check durchzuführen, damit auch ja keine Kinder unter dem Auto sind. Eine ständige Überwachung Hurtts würde ihn sicherlich über kurz oder lang eines Verstoßes gegen diese Regel überführen.

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