Netzwelt-Ticker GEZ verlangt Geld von toten Kindern

Die GEZ verschickt ihre Bescheide bis ins Grab, Starcraft 2 sorgt für durchgebrannte Grafikkarten und britische Wissenschaftler entwickeln Software gegen Online-Triebtäter. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Facebook erlaubt Mitglieder das Löschen abgegriffener Telefonbuchdaten.
GEZ-Hauptquartier: In Köln residieren die Gebühreneintreiber

GEZ-Hauptquartier: In Köln residieren die Gebühreneintreiber

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Ein Elternpaar aus dem baden-württembergischen Alb-Donau-Kreis bekam unangenehme Post von der GEZ: Die Gebühreneintreiber forderten die lang verstorbenen Kinder der Familie zur Zahlung auf. Tatsächlich waren die beiden Kinder schon vor knapp 20 Jahren verstorben, was aber in der GEZ-Datenbank nicht erfasst war. Die spuckte vielmehr termingerecht je einen Bescheid aus, weil die Kinder ja nun vermeintlich in einem Alter wären, in dem sie eigenes Geld verdienen würden.

"Seien Sie fair. Melden Sie sich an" musste die schockierte Mutter lesen, der die Ereignisse um ihre tragisch im Alter von neun Monaten und zwei Jahren verstorbenen Kinder wieder hochkamen, berichtet die "Südwest-Presse" .

Die peinliche Zahlungsaufforderung hat ihre Ursache in der GEZ-Usance, die entsprechenden Daten von Adresshändlern zu beziehen. Das bestätigte die GEZ der "Südwest-Presse". Die GEZ-Sprecherin kündigte an, der Geschäftsführer werde sich schriftlich bei der Familie entschuldigen. In diesem Brief werde auch der fragliche Adressanbieter genannt. Bei diesem Unternehmen könne die Familie ja dann die Adresse sperren lassen und nach deren Herkunft fragen.

"Starcraft 2" lässt Grafikkarten brutzeln

Großer Jubel herrscht in der Zockergemeinde über "Starcraft 2", das seit einer Woche auf dem Weg ist, nach Asien auch den europäischen Markt zu erobern. Doch leider sorgt der Spielbetrieb bei den Fans für einigen Ärger. Denn beim Spielen neigen manche Grafikkarten zum Überhitzen. Der Fehler tritt nicht etwa in actiongeladenen Szenen auf, sondern merkwürdigerweise, wenn zwischen zwei Missionen ein Zwischenbild angezeigt wird.

Genau dann läuft die Grafikkarte unter Volllast, weil das an sich bewegungslose Motiv wieder und wieder gerendert wird. Hersteller Blizzard arbeite bereits mit Hochdruck an einem Patch , so "PC Authority". Bis der herauskommt, könnte ein kleiner Fix  helfen, den Blizzard jetzt veröffentlicht hat. In der Datei "Documents\StarCraft II\variables.txt" müssten manuell Änderungen vorgenommen werden, die Gamer sollten dort zwei Zeilen hinzufügen, "frameratecapglue=30" und "frameratecap=60".

Facebook lässt Nutzer kopierte Telefon-Datensätze löschen

Das hat gedauert: Im Februar fiel Facebook-Nutzern auf, dass private Kontaktinformationen aus ihren iPhone-Telefonbüchern auf den Facebook-Seiten auftauchen und nicht gelöscht werden können.

Nun können alle Mitglieder ihre Telefonbuchdaten löschen, die Facebook von den iPhones abgegriffen hat. Dieser Link führt zum entsprechenden Formular bei Facebook.

Dieses Löschangebot hilft allerdings Menschen wenig, deren Kontaktdaten von Dritten bei Facebook hochgeladen wurden. Sie können der Nutzung nicht widersprechen. Fragen zu der Angelegenheit von SPIEGEL ONLINE beantwortete Facebook bis heute nicht.

lis

Jubel und Ausfall bei Twitter

Bis die Twitter-User es auf zehn Milliarden Tweets gebracht hatten, brauchten sie bis zum März 2010 vier Jahre. Die 20-Milliarden-Grenze wurde sehr viel schneller geknackt. Nur fünf Monate später erreichte ein japanischer User namens "GGGGGGo_Lets_Go" am frühen Sonntagmorgen lokaler Ortszeit diese Grenze.

Große Freude also in der japanischen Zwitschergemeinde, die nach der amerikanischen die zweitgrößte in der Welt ist. Doch schon bald verstummte der Jubel komplett. Am Sonntag morgen fiel der Mikroblogging-Dienst für mehrere Stunden aus. Der Grund waren Wartungsarbeiten, die dafür sorgten, dass Millionen Kurznachrichten nicht ausgeliefert  werden konnten, berichtet das "Handelsblatt". Da die Zwitscherer mit Sicherheit auch darüber tweeten werden, dürfte das den weiteren raketenhaften Anstieg der Zahl digitaler Kürzest-Nachrichten aber kaum hemmen.

Software soll getarnte Pädophile in Kinder-Chats entlarven

Zu den übelsten Erscheinungen im Web gehören Pädo-Kriminelle, die sich in von Kindern und Jugendlichen frequentierten Chatrooms an ihre Opfer heranmachen. Dabei geben sie sich häufig selbst als Kinder aus, um das Vertrauen ihrer Chatpartner zu erschleichen. Eine spezielle Software könnte diesen Triebtätern nun das Handwerk legen. Die Entwickler, Forscher der University of Lancaster, setzten dabei auf Algorithmen der Künstlichen Intelligenz zur stilistischen Auswertung. Das darauf basierende Programm analysiert die Mitteilungen des Gesprächspartners, um herauszufinden, ob da tatsächlich ein Kind Text eingibt oder doch ein Erwachsener.

Bei Versuchen an einer Schule im Nordwesten Englands habe die Software sehr vielversprechend gearbeitet. Das "Projekt Isis" genannte Programm habe bereits eine Trefferquote von 90 Prozent  erreicht, wie "Heise" berichtet. Bis zur endgültigen Anwendungsreife wird es wohl noch ein Weilchen dauern, doch schon im kommenden Jahr soll das Programm so weit sein, dass es den Polizeibehörden zur Verfügung gestellt werden kann. Die würden mit Isis dann online auf Triebtäter-Hatz gehen können.

Online-Pranger für US-Steuerhinterzieher

Der Online-Pranger ist inzwischen in vielen Ländern ein beliebtes Mittel, um weitere, potentielle Missetäter von ihrem ungesetzlichen Tun abzuschrecken. Schon jetzt wird in den USA auf diese Weise vor verurteilten Sexualstraftätern gewarnt, nun kommt eine weitere Sündergruppe dazu: Steuerbetrüger.

Die amerikanische Steuerbehörde IRS hat jetzt eine Liste veröffentlicht, auf der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Kunden  der schweizerischen Großbank UBS aufgeführt werden. Nicht nur ihre Namen werden da aufgelistet, sondern auch die genaue Beschreibung ihrer Vergehen und die Strafe, die sie kassiert haben. Jeder der belangten UBS-Konteninhaber hatte dabei mindestens eine Million Dollar vor dem US-Fiskus zu verstecken versucht. Die Strafen reichen von saftigen Geldbußen von bis zu 16 Millionen Euro über Hausarrest bis hin zu mehrjährigen Gefängnisstrafen.

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