Netzwelt-Ticker Google bessert beim Datenschutz nach

Google verschärft den eigenen Datenschutz, um Kritiker zu beruhigen. Kurz vor der für heute erwarteten Vorstellung neuer iPods lüftet Microsoft den Vorhang für seinen neuen Zune-Player. Außerdem im Überblick: Spam vom Piratenjäger, Tipps für Spinnenhasser und vieles mehr.

Angesichts all der Datenschutz-Skandale zieht Datenkrake Google ein klein wenig die Tentakel ein : Statt 18 Monate werde das Internetunternehmen zukünftig nur noch 9 Monate lang alle Suchanfragen inklusive IP-Adressen seiner Nutzer speichern. Peter Fleischer, Googles oberster Global-Datenschützer versicherte Journalisten in Brüssel außerdem, man werde die "Suggest"-Funktion des neuen Browsers Chrome überarbeiten . Zwar würden weiterhin, wie SPIEGEL ONLINE bereits vergangene Woche berichtete, zwei Prozent der Daten aus der "Omnibox" getauften Adress- und Suchleiste gespeichert. Nun aber sollen diese Daten nach 24 Stunden gelöscht werden.

Die Omnibox sendet, so lange die "Suggest"-Funktion des Browsers aktiviert ist, alle darin eingetippten Daten an die Google-Server zurück - bevor auch nur die Enter-Taste gedrückt wurde. Nur so kann sie ihre Funktion erfüllen - nämlich dem Nutzer Vorschläge zu machen, was er da wohl gerade schreiben will. Die Vorschläge setzen sich aus Einträgen in der Browser-History, den Bookmarks des Nutzers und Google-Suchergebnissen zusammen. Nicht zuletzt diese Eigenschaft von Chrome hatte für herbe Kritik gesorgt - sogar das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte vor Chrome gewarnt.

Auch Datenschützer der Europäischen Union hatten ernste Zweifel darüber angemeldet, ob Internet-Suchmaschinen wirklich Daten über das Nutzungsverhalten ihrer Kundschaft sammeln müssen. Die Debatte um Googles Datenhunger dürfte damit jedoch noch lange nicht beendet sein.

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Microsoft will Apple die Show stehlen

Da will Apple in San Francisco mal wieder eine große Show abfeiern - Apple dreht die iPods um - schon versucht Microsoft die Party zu vermasseln: Gerade noch rechtzeitig enthüllte man in Redmond das neue Zune-Lineup  und damit auch neue, nette Fähigkeiten des iPod-Rivalen.

Kaufargument Nummer 1: Der Preis. Die 120-Gigabyte-Version des Zune kostet - in den USA - umgerechnet 176 Euro, das 16-Gigabyte-Modell ist für 141 Euro, die 8-Gigabyte-Variante für 106 Euro zu haben.

Kaufargument Nummer 2: Die neuen Features. Im Zune ist ein UKW-Radio eingebaut. Wer darüber ein Musikstück hört, kann’s auch gleich kaufen.

Auch sonst versucht Microsoft neue Musik an den Zune-Nutzer zu bringen: Zwei Musik-Empfehldienste schlagen Songs passend zu den Hörgewohnheiten des Nutzers vor. Das erinnert stark an den Musik-Dienst Last.fm. Deswegen ist die Zune-Neuerung zwar nicht weniger praktisch - den großen Innovationspreis wird Microsoft damit aber nicht einfahren können. Aber um Innovation geht es schließlich auch nicht am Musikmarkt. Es geht um zuverlässige, hübsche, handhabbare und vor allem auch günstige Geräte: Und zumindest da liegt Microsoft tatsächlich mal vor Apple. Zu kaufen gibt es den Zune hierzulande trotzdem nicht, er bleibt den USA vorbehalten.

Neue Spam-Masche: Virenmail vom Piratenjäger

Laut Wired-Blog  macht gerade ein "genialer Viren-Spam" die Runde. Die Spam-Mails geben sich den Anschein, vom Anti-Piraterie-Unternehmen MediaDefender verschickt worden zu sein. Enthalten sind Drohbotschaften: Wir haben Sie beim illegalen Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Filmen, von Musik oder Software beobachtet. Eine detaillierte Analyse der illegalen Downloads finden sie im Anhang. Wir empfehlen Ihnen dringend, den Download illegaler Inhalte zu beenden.

Anstatt einer Analyse des Downloadverhaltens steckt im Anhang natürlich ein Virus; der sogenannte mytob-Wurm (W32.Mytob@mm), der einen Trojaner installiert, über den Angreifer den befallenen Computer fernsteuern können.

Die Filesharer von Torrentfreak.com  haben sich die Spam-Mail genauer angeschaut und Ähnlichkeiten zu einer anderen Drohmail gefunden. In einem weiteren Fall warnten die Spammer die Adressaten, dass ihre Internetverbindung gekappt würde, wenn sie weiterhin die im Anhang aufgeführten Dateien herunterluden.

Isohunt geht in die Offensive

A propos Filesharing: Der Betreiber der kanadischen BitTorrent-Suchmaschine Isohunt, Gary Fung, reichte vor Gericht eine Feststellungsklage ein, um Forderungen durch die Medienbranche zu begegnen. Winfuture kennt die Details:  Fung sollte dem kanadischen Musik-Branchenverband CRIA eine Unterlassungserklärung unterzeichnen, seine Website schließen und zukünftig keine Links mehr veröffentlichen, die den Download urheberrechtlich geschützten Materials ermöglichen. Die CRIA kündigte eine Zivilrechtsklage gegen den Isohunt-Betreiber an. Pro Link auf Torrent-Dateien von geschützten Werken wollte die CRIA 20.000 Dollar von Fung.

Der beklagte, dass die CRIA nicht die Möglichkeit genutzt habe, entsprechende Links zu melden - schließlich hätte er sie sofort von der Seite entfernt. Von der Feststellungsklage erhofft sich Fung nun Gewissheit, mit Isohunt nicht gegen das Urheberrecht verstoßen zu haben. Als Betreiber einer Suchmaschine habe er keine Kontrolle darüber, welche Dateien im Einzelnen in den Index aufgenommen werden.

Netzmedizin gegen Spinnenphobie

Haben Sie Angst vor Spinnen? Dann öffnen Sie lieber nicht diesen Link . Der ist bestimmt nichts für Arachnophobe. Aber nun, da Sie gewarnt sind: Hat ihr Kollege vielleicht Angst vor Spinnen? Dann schicken Sie ihm doch diesen Link. Vielleicht als Tinyurl ( http://tinyurl.com/5sq8zc ) zur besseren Tarnung ... Aber Achtung: Über (Schrei-)Lärm am Arbeitsplatz informiert Sie ein Merkblatt der Uni Konstanz  (PDF-Format). Und wenn auch Sie mal ordentlich Luft aus der Lunge pumpen wollen, dann schreien sie doch der ganzen Welt ihren Groll entgegen. Oder zumindest einer kleinen Ortschaft in Norwegen. Dort haben Künstler ein Megaphon, das Sie anrufen können , auf einen Berg gestellt. Nun schallen Ihre Hasstiraden über einen Fjord, ein Tal und wie ein fernes Seufzen auch über die Ortschaft Dale.

Weitere Meldungen

Der "Sydney Morning Herald" widmet einen Artikel  dem gefährlichen Ablenkungspotential von E-Mails, und die EU plant, die Schutzdauer des Urheberrechts auf 95 Jahre zu verlängern , auch um alternden Künstlern zu helfen. Doch laut einer Studie der britischen Bürgerrechtler Open Rights Group  ist der Nutzen der drastischen Verlängerung minimal: 80 Prozent aller Musikschaffenden bekämen durch die Verlängerung in den ersten zehn Jahren gerade einmal zwischen 50 Cent und 26,76 Euro zusätzliche Einnahmen.

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