Netzwelt-Ticker Google erneuert den Blitz-Browser Chrome

Google hat Version Zwei des blitzschnellen Internet-Browsers Chrome ins Netz gestellt, die sich besonders für Googles Online-Bürosoftware eignen soll. Außerdem: Pirate-Bay-Prozess wird immer bunter, Hacker knacken Konten mit Nokia-Handy und Facebook-Profile. Das und mehr im Überblick.


Noch mehr Trubel im Pirate-Bay-Prozess

Den Klägern im Pirate-Bay-Prozess ist das Urteil gegen die Piraten nicht heftig genug: Nach den Piraten gingen nun auch die Anwälte der US-Musik- und Filmindustrie in Berufung, fordern höhere Schadenersatzzahlungen und eine Verurteilung der Angeklagten wegen aktiver Urheberrechtsverletzung, schreibt Golem.de. Im erstinstanzlichen Urteil wurden die vier Angeklagten zu jeweils einem Jahr Haft und insgesamt 30 Millionen Kronen (2,9 Millionen Euro) Schadensersatz wegen Beihilfe zu Urheberrechtsverletzungen verurteilt. In ihrem Berufungsantrag fordern die Kläger nun den dreifachen Schadenersatz und eine Wideraufnahme des Vorwurfs der aktiven Urheberrechtsverletzung in die Anklage, schreibt "The Local".

Doch die Posse um Piraten und Piratenopfer geht weiter. Jetzt hat das Berufungsgericht auch noch den - nach Befangenheitsvorwürfen gegen den erstinstanzlichen Richter- mit der Prüfung auf Befangenheit beauftragten Richter Anders Eka vom Prozess ausgesperrt - wegen Befangenheit. An seine Stelle sollen drei Richter einer anderen Abteilung treten, schreibt die schwedische Tageszeitung "Svenska Dagbladet".

Diesem Entschluss ging am Mittwoch ein belustigter Blogeintrag eines der Verurteilten voraus, der kurz nach der Ernennung Ekas per Websuche herausfand, dass dieser beruflich mit den Anwälten der Kläger verbandelt ist. Sollte das neue Richter-Trio den Verurteilten Recht geben, wird der Pirate-Bay-Prozess neu aufgerollt - und wohl für noch mehr spannendes Piraten-Hinundher sorgen.

Google Chrome 2 zum Download

Icon des Chrome-Browsers: Noch immer ein Nischenprodukt, obwohl es den mächtigsten Internet-Konzern im Rücken hat
DPA

Icon des Chrome-Browsers: Noch immer ein Nischenprodukt, obwohl es den mächtigsten Internet-Konzern im Rücken hat

Googles blitzschneller Chrome-Browser steht in Version 2 zum Download bereit. Laut Google ist er bei der Verarbeitung von Java-Script bis zu 30 Prozent schneller und daher umso geeigneter bei der Anwendung mit Googles Online-Bürosoftware. Neu sind außerdem eine Funktion zum automatischen Ausfüllen von Web-Formularen und ein Vollbild-Modus, schreibt die ORF Futurezone. Wer schon eine frühere Version von Chrome einsetzt, kann sie über "Einstellungen" -> "Info zu Google Chrome" aktualisieren.

Wer Chromes Geschwindigkeit liebt, aber Googles Datensucht misstraut, sollte stattdessen "Iron" installieren - eine schnüffelfreie Adaption von Chrome.

Hacker würden Nokia 1100 kaufen - für 25.000 Dollar

Weil ein sechs Jahre altes Nokia-Modell, gefertigt in Bochum, von Hackern zum Empfang fremder SMS verwendet werden kann, erzielt es Höchstpreise bei Onlineauktionen. Hacker sind bereit, bis zu 25.000 Euro für so ein Hack-freundliches Mobiltelefon im Schokoriegel-Format zu berappen - um damit fremde Bankkonten leer zu räumen. Niederländischen Sicherheitsexperten ist es nun gelungen, so einen Angriff zu replizieren.

Mit einer speziellen Software können einige Nokia-1100-Modelle so programmiert werden, dass sie SMS-Nachrichten empfangen, die an eine andere Nummer verschickt wurden. So war es den Experten möglich, fremde mTANs abzufangen, also nur kurzzeitig gültige TAN-Nummern, die von den Banken per SMS verschickt werden. Mit diesen mTANs können Hacker dann Transaktionen via Onlinebanking vornehmen.

Nokia hat nach eigenen Angaben 200 Millionen 1100-Handys verkauft, allerdings ist nicht klar, auf wie vielen davon die von Hackern ausnutzbare Firmware läuft. Auch müssen die Experten noch klären, ob sich ihr einmalig geglückter Hack wiederholen lässt.

4chan: Porno-Attacke auf YouTube

YouTube war laut Ars Technica in den vergangenen Tagen damit beschäftigt, massenweise hochgeladene Pornos aus dem Videoangebot zu löschen. Die Pornos wurden im Rahmen einer konzertierten Aktion von 4chan-Mitgliedern auf das Videoportal hochgeladen, mit dem Ziel, die Selbstreinigungsprozesse von YouTube lahmzulegen.

4chan ist ein sogenanntes Imageboard, in dem Nutzer Bilder anonym hochladen und kommentieren können. 4chan ist berühmt für Tabubrüche und lose verabredete Aktionen gegen Websites, Medien und Organisationen, die Community gilt als Brutstätte neuer Internet-Meme.

Studie der US-Regierung: GPS-System kommt ins Wanken

Steht ein Ausfall des Global Positioning Systems (GPS), steht uns das große Navi-Chaos bevor? Einer Studie des Government Accountability Office (GAO), des Untersuchungsorgans des US-Kongresses zufolge sind diese Szenarien gar nicht unwahrscheinlich. Das von der US Air Force betriebene satellitengestützte Navigationssystem ist dringend sanierungsbedürftig, braucht neue Satelliten. Aber es sei "fraglich, ob die Air Force rechtzeitig an neue Satelliten kommt, um den GPS-Dienst ohne Unterbrechung aufrecht zu erhalten."

Falls nicht, könnten manche Militär-Operationen und manche zivilen Nutzer "nachteilig betroffen" sein. Schuld sei unter anderem das IIF-Satellitenprogramm der Luftwaffe, das auch wegen technischer Probleme sein Budget und seinen Zeitplan gesprengt hat - und damit die GPS-Überholung in Gefahr brachte.

Pinkel-Timing im Kino

Wer sich demnächst im Kino den neuen "Star Trek"-Film anschaut, weiß dank Runpee.com, dass er genau vier gute Möglichkeiten hat, den Kinosaal zu verlassen, in relativer Ruhe die Kinotoiletten aufzusuchen und rechtzeitig, bevor etwas spannendes passiert, wieder seinen Platz im Kinosaal einzunehmen.

Runpee sammelt diese "guten Momente" in einer Datenbank, gibt ausreichend gute Hinweise auf den richtigen Moment ("Nach etwa 50 Minuten, wenn Captain Pike auf dem Weg zu Neros Schiff die Brücke verlässt und sagt: "Chekov, übernehmen Sie!") und beschreibt - auf Knopfdruck entschlüsselt - wie lange der Druckgeplagte Zeit hat: Drei Minuten, während Nero und seine Crew die "rote Materie" vorbereiten und …

Runpee.com ist ein gutes Beispiel dafür, wie nahe im Internet oft Wahn und Sinn beieinanderliegen und wie "keine moralisch-ästhetischen Skrupel" der Katalysator für unglaubliche blöde, unglaubliche tolle Errungenschaften der Menschheit sein kann.

Hacker kapern Facebook-Profile

Sie kommen und sperren die rechtmäßigen Nutzer aus. Mit Phishing-Seiten attackieren Hacker das soziale Netzwerk Facebook. Getarnt als Nachrichten von einem Freund senden sie registrierten Nutzern Kurzbotschaften und einen Link dazu. Wer dem folgt, landet auf einer Seite im Facebook-Design und soll seine Nutzerdaten eingeben.

Sind erst einmal E-Mail und Passwort herausgekitzelt, übernehmen die Hacker die Herrschaft im fremden Profil. Das Passwort wird verändert, der eigentliche Nutzer hat dann keinen Zugriff mehr auf seine persönlichen Seiten. Und die Hacker verschicken Botschaften an die Freunde des gekaperten Profils - in der Hoffnung, die Daten von noch mehr Facebookern zu bekommen.

Zuletzt fielen Phishing-Attacken auf, die Nutzer zu Seiten wie areps.at, bests.at, kirgo.at oder nutpic.at lockten. Mittlerweile sind die gesperrt. Doch Facebooks Kampf gegen die Hacker wirkt wie eine Sisyphos-Aufgabe. Sobald ein Angriff abgewehrt ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis neue Fälschungen im Facebook-Dekor auftauchen. Warum die Hacker scharf auf die Log-in-Daten von Nutzern des Portals sind, ist bislang unklar - Schätzungen zufolge wurde aber schon Tausende ausgesperrt.

Ebay siegt in Produktpiraterie-Verfahren

Vermeintlich edle Düfte aus gar nicht so edlen Kopierlaboren, die bei Ebay als Schnäppchen gehandelt werden - im Kampf gegen diese Form der Produktpiraterie muss der Kosmetikkonzern L'Oréal eine weitere Niederlage einstecken. Ein britisches Gericht entschied, dass die Online-Auktionsseite nicht dafür verantwortlich ist, wenn dort Nutzer nachgemachte Parfum-Flakons von Marken wie Armani oder Lancôme zum Schaden des Herstellers L'Oréal anbieten.

Der Kosmetikkonzern, der über eine wachsende Zahl von Produktfälschungen klagt, hatte gleich in einer Reihe europäischer Länder Verfahren gegen Ebay angestrengt - allerdings bislang mit wenig Erfolg. In der vergangenen Woche hatte ein französisches Gericht die Forderung von L'Oréal zurückgewiesen, dass Ebay wegen geduldeter Produktpiraterie Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen soll. Das Gericht hatte die Kontrahenten stattdessen aufgefordert, ihren Streit außergerichtlich in einem Vergleich beizulegen.

Ebay bezeichnete nun die britische Entscheidung laut AP als Sieg für Verbraucher und legale Hersteller. Allerdings ist noch offen, ob der Seitenbetreiber in allen anhängigen Verfahren von der Verantwortung für die Duftspielchen seiner Nutzer freigesprochen wird. Mehrere Entscheidungen im Streit zwischen L'Oréal und Ebay stehen noch aus - auch die in Deutschland.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte in der Vergangenheit entschieden, dass Ebay unter Umständen doch für Produktpiraterie hafte. In einem vom Uhrenhersteller Rolex angestrengten Verfahren hatte der BGH erklärt, Ebay hafte auch dann schon, wenn eine konkrete Fälschung dem Seitenbetreiber noch nicht bekannt sei, es aber schon ähnliche Fälle gegeben habe.

tko/AP

Weitere Meldungen

· Netzschädling: Conficker lebt noch
· Netzsperren: Einspruch beim französischen Verfassungsrat
· Netzstau: DDoS-Angriff lähmt Internet in China
· Netz-Déjà-vu: Neue Scam-Welle bei Facebook und Twitter
· Netzrecht: Free Software Foundation und RIAA zanken vor Gericht



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.