Netzwelt-Ticker Google gestaltet YouTube neu

Musiktauschbörse, Spekulationsobjekt, Abo-Dienst - Napster ist nach zwölf Jahren am Ende, die Marke lebt nur in Deutschland erst mal weiter. Außerdem im Nachrichtenüberblick: YouTube sieht anders aus, US-Senatoren legen vielversprechende Alternative zum umstrittenen Stop Piracy Act vor.
Von Carolin Neumann
YouTube: Neu, aufgeräumter, grauer, TV-freundlicher

YouTube: Neu, aufgeräumter, grauer, TV-freundlicher

Foto: AP/ Google

Googlehat seiner Video-Tochter YouTube ein neues Gewand verpasst: Der Fokus liegt nicht mehr auf den verstreuten Videos, die das Portal so beliebt gemacht haben, sondern auf den Kanälen. Diese Entwicklung hatte sich kürzlich bereits angedeutet. Auch das hauseigene soziale Netzwerk Google+ wird prominenter eingebunden.

Das uniforme Weiß des YouTube -Hintergrunds ist Graustufen gewichen, insgesamt wirkt die Oberfläche etwas strukturierter, aufgeräumter.

Das hat letztlich wohl auch damit zu tun, dass Google mit Macht versucht, seine Angebote fit für das am Horizont heraufziehende Zeitalter des Wohnzimmer-Webs fitzumachen: Google TV soll noch nicht am Ende sein, und auch ohne die eigene Settop-Box bieten immer mehr neue TV-Geräte, Sat-Receiver oder Blu-ray-Player die Möglichkeit, vom Fernsehsofa aus auf dem großen Bildschirm online zu gehen. YouTube-Apps für Wohnzimmerelektronik gehören auf den meisten der vernetzten Unterhaltungsmaschinen zum Standardangebot. Da kommt ein Facelift mit zusätzlicher Betonung auf Personalisierung gerade recht.

US-Senatoren liefern Alternative zum Stop Online Piracy Act

Als Desaster für die Meinungsfreiheit bezeichnen Kritiker den Stop Online Piracy Act (SOPA). Nach Kritik von zahlreichen Seiten hat jetzt eine Gruppe von Senatoren beider großen Parteien eine Alternative zu dem US-Gesetzesvorhaben vorgelegt, das unter anderem Netzsperren vorsieht. "ArsTechnica"  konnte einen Blick auf den Entwurf werfen und berichtet über die wichtigsten Unterschiede zum umstrittenen Entwurf:

  • Die Internationale Handelskommission ITC soll Website-Inhabern die Chance zur Verteidigung geben, anstatt wie nach SOPA geplant Konsequenzen auch ohne richterlichen Beschluss zu erlauben.
  • Anders als beim Stop Online Piracy Act sind weder IP-Sperren vorgesehen noch müsste eine Seite aus den Ergebnissen von Suchmaschinen ausgefiltert werden.
  • Stattdessen versuchen die Senatoren es über die finanzielle Schiene: Werbefirmen und Finanzdienstleister dürften die fragliche Seite nicht mehr bedienen, was das Geschäftsmodell ganz ohne eine komplette Zerschlagung zunichtemachen soll.

Nicht nur das Papier selbst ist ein drastischer Richtungswechsel in der seit Wochen schwelenden Debatte, auch das weitere Vorgehen ist vielversprechend: Noch ist der Vorschlag nämlich kein Gesetzentwurf, schreibt "ArsTechnica", die Autoren wollen zunächst noch die Bevölkerung einbeziehen.

Napster verschwindet endgültig - aber nur in den USA

Eine Ikone verschwindet: 1999 veröffentlichte der Teenager Shawn Fanning die Zugangssoftware für die erste populäre Musiktauschbörse: Napster. Mehr als 40 Millionen Mitglieder schoben sich zu Napsters besten Zeiten kostenlos MP3-Dateien zu - weltweit, direkt von Computer zu Computer und natürlich überwiegend illegal. Napster wurde zum Symbol für den radikalen Umbruch des Musikgeschäfts durch das Netz.

Nun fällt die Marke Napster diesem Wandel selbst zum Opfer: Inzwischen ist Napster ein Musik-Streaming-Dienst mit Flatrate, nach vielen Besitzerwechseln (Bertelsmann, Roxio, Best Buy) gehört die Firma inzwischen dem US-Musik-Abo-Dienst Rhapsody. US-Kunden von Napster sind nun automatisch Rhapsody-Abonnenten - Napster existiert in den USA nicht mehr.

Nur in Deutschland, Großbritannien und Kanada laufen die lokalen Musikangebote der Firma als Napster weiter.

lis

Komponist sieht sich um Geld für Anti-Piraterie-Spot betrogen

Die niederländische Anti-Piraterie-Organisation Brein ist wegen angeblicher Copyright-Verletzung in der Kritik: Brein soll eine Komposition des Musikers Melchior Rietveldt zweckentfremdet haben. Ein Anti-Piraterie-Clip, unterlegt mit seiner Musik, sei statt wie vereinbart nur auf einem Festival auch auf potentiell mehreren Millionen DVDs von "Happy Feet" bis "Harry Potter" verwendet worden, beklagt der Komponist laut dem Blog TorrentFreak . Brein streitet jedoch ab, mit der angeblichen Raubkopie etwas zu tun zu haben.

Rietveldts Versuche, an die Tantiemen heranzukommen, die ihm seiner Ansicht nach zustehen (mehr als eine Million Euro), fördern nun merkwürdiges Verhalten zutage: In einem Gespräch mit dem holländischen TV-Sender PowNed werfen der Künstler und sein Berater der auf Lizenzforderungen spezialisierten Agentur Buma/Stemra vor, sich an dem Fall bereichern zu wollen.

Jahre nach dem ersten Kontakt kam demnach kürzlich ein Hilfsangebot der Agentur: Vorstandsmitglied und Unternehmenseigner Jochem Gerrits sagte, er würde sich persönlich der Sache annehmen. Dafür müsste Rietveldt der Agentur jedoch die Rechte für die Komposition überschreiben und ein Drittel der späteren Lizenzeinnahmen abdrücken.

Der Sender PowNed ließ nun Gerrits in der Sendung "PowNews" das unmoralische Angebot telefonisch bestätigen; der Agenturchef wusste nicht, dass die Unterhaltung aufgezeichnet wurde. TorrentFreak beschreibt in Auszügen, wie das im Beitrag gezeigte Gespräch verlief und dass es eigentlich keine Zweifel an der Geschichte Rietveldts offenlässt. "Der Komponist würde 660.000 Euro verdienen, jetzt hat er nichts", so Gerrits' Argumentation. Auch wenn er doch eigentlich nur falsch interpretiert worden sei, hat der Unternehmer bald nach Ausstrahlung des unfreiwilligen Interviews seinen Posten vorübergehend niedergelegt .

Auch das noch:

  • Vorweihnachtliche Aktion : Das Online-Kaufhaus Ebay präsentiert sich jetzt auch auf einer Ladenfläche im Londoner West End.
  • Analoges Recht in digitalen Zeiten: Zahlreiche US-Arbeitnehmer versuchen , auf Basis eines Jahrzehnte alten Arbeitsschutzgesetzes ihre Arbeitgeber zur Rechenschaft zu ziehen. Sie hatten sich zum Beispiel auf Facebook negativ über ihre Chefs geäußert und mussten dafür das Unternehmen verlassen.