Netzwelt-Ticker Google gibt sich sozialer

Web-Riese Google sieht Nachholbedarf im Mitmach-Netz, verpasst einigen Diensten Gemeinschafts-Funktionen. Als nächstes könnte der Online-Globus Google Earth dran sein. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Löcher im Adobe Reader und eine fette Datenleitung durch den Pazifik.


Es gerüchteküchelt heftig um Google. Dort scheinen die Betreiber ihre Liebe fürs Social Networking endgültig entdeckt zu haben. Nach dem Start der Lesezeichenverwaltung Shared Stuff werkeln die Suchmaschinenbetreiber jetzt angeblich an einer sozialen Erweiterung ihres Onlineglobus Google Earth. Das Nachrichtenportal "Mashable" weiß von entsprechenden Testläufen mit Studenten der amerikanischen Arizona State University zu berichten.

3D-Darstellung Hamburgs in Google Earth: Bald auch als Mitmachportal?
DPA

3D-Darstellung Hamburgs in Google Earth: Bald auch als Mitmachportal?

Dabei gehe es um ein Mitmachprogramm für 3D-Gestaltung und Videospiele, das den Arbeitstitel "My World" trage und eine Erdkugel als Logo verwende. Das reicht manchen als Hinweis, dass hinter dem "großen Internetunternehmen" einzig Google stecken könne. Das umso mehr, zumal man sich nur mit einem Googlemail-Account an dem Projekt beteiligen kann. Außerdem gäbe es mit dem bereits vorhandenen 3D-Gestaltungsprogramm "Sketchup" weitentwickelte Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit.

Die ist zwischen der Universität und dem Unternehmen schon traditionell sehr eng. Das Onlineangebot der Hochschule nutzt eine Vielzahl der von Google entwickelte Applikationen. Sogar die Universitätsgebäude gibt es als dreidimensionale Modelle in Google Earth zu besichtigen, die Kooperation erstreckt sich bis hin zum Google-Mars-Projekt sowie regelmäßigen Vorträgen von Google-Angestellten als Gastdozenten.

Google verlegt Unterseekabel im Pazifik

Google ist mit dem Internet groß geworden und will sich offensichtlich an dessen weiterem Ausbau beteiligen. Wie der australische Wirtschaftsnachrichtendienst "CommsDay" meldet, will das Internet-Unternehmen im Jahr 2009 ein unterseeisches Datenkabel in Betrieb nehmen.

Die Multi-Terabyte-Strippe wird quer durch den Pazifik gezogen und soll dem Suchmaschinenbetreiber vor allem die Erschließung des asiatischen Raums erleichtern. Das Glasfaserkabel ist Grundlage eines Projekts mit dem Namen "Unity", an dem sich neben Google noch weitere Netzbetreiber beteiligen.

Die skizzierte Kooperation mit anderen Telkos und die gemeinsame Nutzung des Datenkabels würde Google immense Einsparungen ermöglichen. Das Unternehmen wollte zu den Berichten nicht konkret Stellung nehmen, ein Sprecher äußerte sich vorsichtig: "Für die User ist zusätzliche Internetinfrastruktur gut und es gibt einige Angebote für ein weiteres Unterseekabel im Pazifik."

Sicherheitslücke in Adobe Reader

In Adobes Standardformat für Dokumente gähnt ein großes Sicherheitsloch. Genauer, im Adobe Reader, der zum betrachten von PDF-Dateien nötig ist. Darauf weist IT-Sicherheitsexperte Petko Petkov in seinem Blog hin. Schon das Öffnen einer infizierten Datei soll es einem Angreifer ermöglichen, ein Schadprogramm in den Computer einzuschleusen und ihn so zu kapern.

Anscheinend sind vor allem Windows-XP-Rechner von dem Problem. Systeme wie Windows Vista seien nicht betroffen. Detailliertere Angaben machte Petkov nicht. Die habe er zunächst direkt an Adobe weitergegeben. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es einige Zeit dauern werde, das Problem zu beheben. Das ist besonders ärgerlich, weil der Nutzer auch mit einem Ersatzprogramm wie zum Beispiel Foxit nicht auf der sicheren Seite ist.

Zuletzt war Petkov an die Öffentlichkeit getreten, als er auf eine (inzwischen geschlossene) Sicherheitslücke in Apples Multimedia-Player Quicktime hingewiesen hatte. Allerdings sei die Gefahr in diesem Fall wesentlich kleiner gewesen als bei der jetzigen Angelegenheit. Petkov warnte eindringlich davor, PDF-Dateien auf XP-Rechnern zu öffnen, egal, ob diese aus dem Internet stammen bereits auf dem heimischen Rechner ruhen. Man solle damit warten, bis Adobe einen Patch herausgibt.

Friedhof der Kuscheltiere

"Soziales Netzwerk", "Mitmachnetz", die Web 2.0-Wörter haben alle einen wohligen Klang. Wie der britische Guardian zu berichten weiß, sollen davon nicht nur die Lebenden profitieren, sondern auch die Toten. Damit auch nach dem eigenen Ableben die volle Aufmerksamkeit der lieben Angehörigen und Freunde gesichert bleibt, kann sich jeder Interessierte auf "youdeparted.com" ein eigenes Profil einrichten.

Dort können Texte, Bilder und Videos abgelegt werden. Hat man seinen letzten Seufzer getan, wird die Adresse den Nachkommen oder Freunden mitgeteilt. Die können dort dann eine Vielzahl von Informationen finden. Vom Testament des Heimgegangenen über genaue Instruktionen, wohin die Urne soll und wie die Katze zu füttern ist bis hin zur Auflistung aller Konten und Passwörter. Natürlich kann man auch jedem sagen, was man zu Lebzeiten von ihm gehalten hat.

Die Idee hatte der Betreiber der Seite, Collin Harris, nach dem Tod seines eigenen Vaters. "Wir hatten keine Ahnung von nichts, nicht einmal, wo der Schlüssel für seinen Schreibtisch war. Er hatte zwei Bankschließfächer, die wir nie gefunden haben", so der 51-jährige Softwareunternehmer.

Die nun von ihm eingerichtete Seite soll als Sammelpunkt für alle Informationen dienen, die man seinen Hinterbliebenen übermitteln will. Ein Musterprofil enthält Informationen wie "Brief an die Familie", "Testament", wer die Sargträger sein sollen, wie das Familienunternehmen zu führen ist - und, dass im Winter das Wasser im Schuppen abgestellt werden muss.

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