Netzwelt-Ticker Google Music soll iTunes Konkurrenz machen

Ab Herbst könnte Google den Musikdownloadmarkt kräftig aufmischen, Island weitet den Schutz digitaler Medien massiv aus und Google Street View sorgt unter Juristen weiter für Beschäftigung. Das und mehr im Überblick.
Google und Musik ist keine neue Paarung: Im März 2009 ließ Google in China einen Musik-Versuchsballon steigen, der legale Musik gegen P2P-Raubkopien setzte

Google und Musik ist keine neue Paarung: Im März 2009 ließ Google in China einen Musik-Versuchsballon steigen, der legale Musik gegen P2P-Raubkopien setzte

Foto: Alexander F. Yuan/ AP

"Cnet" hat den Gerüchteköchen in die Töpfe geschaut und darin einen neuen Google-Service erblickt: Ab Herbst könnte der Musikdienst der Suchmaschinisten eröffnet werden . Laut Informationen verschiedener - und natürlich anonymer - Quellen aus der Musikindustrie werde in den nächsten Monaten Google Music sowohl den Download von Songs als auch gestreamte Musik anbieten.

Zunächst solle sich dieses Angebot an Android-Nutzer richten, eine entsprechende Funktion war bereits letzten Monat im Verlauf von Googles I/O-Konferenz demonstriert worden. Doch angeblich plant Google, sich damit nicht zu begnügen. Die Rede ist von der zusätzlichen Möglichkeit, das Abspeichern und Abrufen von Musikdateien auch als Google-Cloud-Anwendung vornehmen zu können. Damit wäre das Musikangebot völlig geräteunabhängig, sehr im Unterschied zum Apple-Konzept, das für den Musik-Download aus dem iTunes-Store auf eine starke Anbindung auf iPhone oder iPod touch setzt.

Mit diesem Schritt würde Google den bislang unangefochtenen Platzhirsch in diesem Bereich direkt angreifen. Das Apple-Angebot bestimmt das Geschehen im Marktsegment mit einer solchen Dominanz, dass sogar die US-Handelskommission ermittelt, inwieweit nicht Wettbewerbsverzerrungen gegenüber anderen Konkurrenten vorliegen.

Immerhin habe Google bei den vier großen Major Labels mit seinen Plänen für einige Aufregung gesorgt, so "Cnet", denn in der Musikindustrie wäre man froh, vom Quasi-Monopol Apples im Musikdownloadbereich wegzukommen. Das konnten auch Konkurrenten wie Amazon oder MySpace Music bislang nie ernsthaft gefährden.

iPhone-4-Vorbestellung gerät zum Stolperstart

Währenddessen wirft das neue iPhone 4 seine Schatten voraus. Die Nachfrage nach der nächsten Version von Apples Kulthandy ist so groß, dass das Vorbestellungs-Kontingent im Apple-Store im Nu ausverkauft war. Die Schwierigkeiten betrafen Interessenten auf beiden Seiten des Atlantiks. So berichtet AP von großen Problemen potentieller iPhone-Kunden, ihre Bestellung überhaupt absetzen zu können. Der entsprechende Service des US-Partners AT&T sei immer wieder in die Knie gegangen und hätte genervte Interessenten lediglich mit Fehlermeldungen versorgt.  Auch in Japan hätte die Menge der Bestellungen alle Erwartungen übertroffen, mit der Folge, dass die Bestell-Webseite nur noch langsam oder gar nicht funktionierte.

Gleiches Bild in Deutschland. Zunächst nahm der Apple-Store Vorbestellungen gestern noch entgegen, dann war er nicht mehr erreichbar, schließlich war der Button, der zur Vorbestellung führte, entfernt worden. Das liege aber nicht am deutschen Vertriebspartner Telekom, das neue iPhone sei im Apple-Store schlicht und einfach ausverkauft. Bei der Telekom könne das neue Mobiltelefon zumindest in der schwarzen Version auch weiterhin vorbestellt werden. 

Island schützt digitale Medien

Am Dienstagabend hat der Althing, das isländische Parlament, einer Gesetzesinitiative zugestimmt, die die Insel zu einem "Hafen für die Pressefreiheit" und einem Medienstandort machen soll. Der entsprechende Antrag der Icelandic Modern Media Initiative (IMMI), der auch einen weitreichen Informantenschutz beinhaltet, wurde ohne Gegenstimmen angenommen, wie die an der Initiative beteiligte Parlamentsabgeordnete Birgitta Jonsdottir auf Facebook mitteilte. 

Mit einem neuen Medienrecht soll ein juristischer Rahmen für digitale Medien geschaffen werden, der die von der Finanzkrise besonders stark gebeutelte Insel für Investoren aus dem IT-Bereich interessant macht. Denn die würden vom umfassenden Informantenschutz profitieren, sei es als Provider gegenüber Klagen von Rechteinhabern, seien es Online-Archive von Zeitungen, die immer wieder gerne von klagefreudigen Objekten der Berichterstattung gerupft werden. Das nun vom Althing verabschiedete Konzept war unter maßgeblicher Mithilfe der Wikileaks-Aktivisten Julian Assange und Daniel Schmitt erstellt worden. 

Internetanzeigen überholen Print

Zeitungsanzeigen werfen immer weniger Geld ab, das gilt zumindest für die gedruckten Nachrichten. Das sieht im Onlinebereich schon ganz anders aus. In einer Prognose zur Entwicklung des Medienmarktes der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) ist sogar von satten Zuwächsen die Rede.

So soll auf dem US-Markt das Online-Anzeigengeschäft bis 2014 auf ein Volumen von gut 34 Milliarden Dollar ansteigen, nachdem noch 2009 24,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet wurden. Im selben Jahr lagen die Anzeigenumsätze bei gedruckten Zeitungen bei 24,8 Milliarden Dollar und sollen bis 2014 noch gerade deren 22 Milliarden erreichen. Womit das Onlinegeschäft den Printbereich erstmals überflügeln würde.

"Auch wenn das Internet den Auswirkungen der Rezession nicht völlig entgangen ist, war der Rückgang viel weniger hart als in anderen Bereichen der Werbewirtschaft", zitiert das "Wall Street Journal" die PwC-Studie. 

Landesdatenschützer verklagt Google

Suchmaschinist Google wird seines Straßenfotodienstes Street View in Deutschland nicht froh. Denn nun hat der Landesdatenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz bei sämtlichen Staatsanwaltschaften des Landes die Google-Verantwortlichen in Deutschland und den USA verklagt. Der Grund ist die rechtswidrige Erfassung von Daten aus privaten W-Lan-Netzen, die offenbaren, welche Online-Angebote mit welchen Inhalten genutzt wurden. Da Google diesen Sachverhalt eingeräumt habe, müsse man dem Unternehmen vielfachen Rechtsbruch in Städten und Gemeinden vorwerfen. 

Da ist es interessant, dass Google gerade jetzt mit einer Art Krücken-Version von Street View herumexperimentiert. Zwar sind die hauseigenen Panoramafotos nicht zuletzt auch wegen laufender Gerichtsverfahren in Deutschland noch lange nicht online. Aber bis es soweit ist, behelfen sich die Macher eben mit User generated Content. Zu gut Deutsch, auf Google Maps werden von Usern geknipste und im hauseigenen Fotodienst Panoramio veröffentlichte Bildchen eingebunden. Wer also jetzt das gelbe Street-View-Männchen mit der Maus auf einen Kartenausschnitt zieht, bekommt mehr oder weniger zahlreiche blaue Pünktchen angezeigt, jedes steht für ein Foto.

Ob dieser Schritt die zuständigen Richter gegenüber Google milder gestimmt sein lässt, darf sehr bezweifelt werden. Und diese Zweifel werden noch größer angesichts der Tatsache, dass auf den Nutzerfotos abgebildete Gesichter nicht unkenntlich gemacht wurden, wie sonst bei Street View üblich.

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