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04. Januar 2010, 12:38 Uhr

Netzwelt-Ticker

Google Phone bereits geknackt

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Am Dienstag soll es vorgestellt werden, doch schon jetzt ist das Google Phone geknackt. Microsoft lässt im Browserkrieg weiter Federn, und Weißrussland zieht die Zensurzügel an. Das und mehr im Überblick.

Noch nicht da und schon geknackt. Das vielbesungene Smartphone von Google mit dem Namen Nexus One soll aller Wahrscheinlichkeit nach schon diese Woche auf den Markt kommen, doch noch bevor es so weit ist, gibt es einen Hack. Der soll den kompletten Root-Zugriff auf das Gerät ermöglichen, wie "Winfuture" berichtet. Um das Telefon mit dem Hack erfolgreich zu öffnen, ist demnach ein zusätzliches Boot-Image namens "Superboot" erforderlich. Allerdings weiß kein Mensch, ob dieser Hack nur bei einigen unter Google-Mitarbeitern verteilten Vorabgeräten funktioniert, oder auch bei den demnächst auszuliefernden Telefonen.

"Engadget" hat eine umfangreiche Fotosammlung, die einen anschaulichen Eindruck von Googles Nexus One vermittelt. Die neue Sammlung ist noch umfangreicher als erste Bilder, die ebenfalls "Engadget" schon Mitte Dezember aufgetrieben hatte (siehe Bilderstrecke oben). In ersten Tests war man zumindest mit der Geschwindigkeit des Handys schon sehr zufrieden. Auch das Interface überzeugte die Engadget-Tester, allerdings könne das Gerät "zum iPhone oder dem Palm Pre ... noch nicht aufschließen", der iPhone-Killer sei es "nicht wirklich". Aber immerhin hätten die Entwickler bei Google angefangen, nicht nur über die Funktion nachzudenken, sondern auch über die Form und so auch etwas für das Auge zu liefern.

Jeder zwanzigste Netznutzer surft inzwischen mit Chrome

So fest betoniert, wie es immer scheint, sind die Marktanteile im Browser-Business gar nicht. Im vergangenen Jahr hat der Platzhirsch Internet Explorer ordentlich Federn lassen müssen. Nach den jetzt veröffentlichten Zahlen von Net Applications verlor der Microsoft-Browser 2009 zehn Prozent Marktanteil und liegt jetzt noch bei 62,69 Prozent. Eine Entwicklung ganz nach dem Geschmack der Konkurrenz. Am meisten haben Firefox und Google Chrome profitiert: Während der Mozilla-Browser von 24,61 Prozent der Surfer genutzt wird (ein Plus von 2,5 Punkten), legte Chrome um 3,11 Punkte auf 4,63 Prozent zu. Damit konnte die Suchmaschinistenentwicklung auch Apples Safari (4,46 Prozent) knapp hinter sich lassen.

Jetzt auch Weißrussland mit Internetzensur

Noch vor Weihnachten machte Weißrussland mit überraschenden Berichten über eine Liberalisierung und eine mögliche Hinwendung zum Westen Schlagzeilen, doch im neuen Jahr scheint alles wieder beim Alten zu sein. Der von manchen als Westentaschen-Stalin verspottete Staatschef Alexander Lukaschenko führt sein Land weiterhin autoritär und will bis zur Präsidentenwahl in einem Jahr kein Risiko eingehen. Also wird eine straffe Internetzensur eingeführt, wie dpa unter Berufung auf die Moskauer "Nesawissimaja Gaseta" berichtet. Dabei sollen Web-Seiten und Surfer gleichermaßen von einer neuen Sondereinheit der Präsidialverwaltung kontrolliert werden. Bürgerrechtler fürchten, dass damit das letzte Loch der freien Meinungsäußerung im Land gestopft wird. Erst kürzlich hatte Präsident Lukaschenko beklagt, im Internet herrsche rechtlose Anarchie.

Bono wünscht sich chinesische Verhältnisse für Filesharer

Der oberste Gutmensch dieser Welt Bono sorgt sich stets um das Schicksal der Ärmsten und von den Fährnissen der Zeit Gebeutelten. Neuestes Objekt seiner Fürsorge sind die Rechteinhaber, egal, ob in der Film- oder Musikbranche. Denen gehe es schlecht, weil die Nutzer von Tauschbörsen das bisherige Erlösmodell zerstört hätten. Das einzige, was die Filmindustrie bislang vor der desaströsen Entwicklung der Musikbranche geschützt habe, sei die Größe der Dateien gewesen. Doch die Entwicklung der Bandbreiten-Technologie führe dazu, dass schon bald eine ganze Staffel der Serie "24" in 24 Sekunden heruntergeladen werden könne, so der U2-Musiker in einem Gastbeitrag in der "New York Times".

Um diesem illegalen Treiben endlich ein Ende zu setzen, seien strengere und effizientere Maßnahmen erforderlich. Die Internetprovider könnten sich nicht damit herausreden, gleichsam nur das Postamt zu sein, das nicht wisse, was in den Päckchen stecke. Schließlich zeige die Bekämpfung der Online-Pädophilie in den USA oder die Unterdrückung von Online-Dissidenten in China, wie Inhalte ausfindig zu machen seien. Eine Diskussion, bei der in Deutschland allen die Ohren klingeln, die noch die letztjährige Debatte um Ursula von der Leyens geplante Internetzensur gegen kinderpornografische Inhalte in Erinnerung haben.

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