Netzwelt-Ticker Google plant angeblich Online-Medienkiosk

Entwickelt Google ein Bezahlsystem für Online-Medien? Laut "La Repubblica" soll die Plattform noch in diesem Jahr verfügbar sein. Völlig kostenlos bieten die deutschen Fernsehsender einen Vuvuzela-Filter, und Twitter lässt sich von der WM die Termine diktieren. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.

Google-Logo: Der Konzern schweigt zu Gerüchten über neues Bezahlsystem
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Google-Logo: Der Konzern schweigt zu Gerüchten über neues Bezahlsystem

Von Carolin Neumann


Erst gab es Spekulationen über einen Web-Shop für Digitalmusik von Google, nun wird dem Konzern die nächste Bezahlplattform nachgesagt. Laut einem Bericht der italienischen Zeitung "La Repubblica" ist ein Service namens Newspass in Vorbereitung, der bis Ende des Jahres an den Start gehen soll.

Der Blog Paidcontent glaubt, aus der groben Google-Translate-Übersetzung des Textes herauslesen zu können, dass es sich um ein Bezahlsystem für Nachrichten handelt, das den andauernden Urheberrechtssorgen der Verleger entgegenkommt. Kostenpflichtige Inhalte teilnehmender Medien sollen demnach mit einem Bezahlbutton versehen werden, der kenntlich macht: Bis hierhin und nicht weiter. Wer die Texte hinter dieser Paywall lesen will, kann sich über einen gemeinsamen Newspass-Login einloggen und direkt von dort mit Googles Micropayment-System Checkout bezahlen.

Google selbst betont in einer Stellungnahme zu dem Gerücht, dass es anhaltende Gespräche mit Verlegern gibt. Im Moment gebe es aber nichts Konkretes anzukündigen.

Triumph des Vuvuzela-Filters

Keine Chance der Vuvuzela: Die deutschen WM-Sender bieten seit Donnerstag alternative Tonkanäle an, auf denen die Hintergrundgeräusche inklusive Dauergetröte laut offizieller Meldung nahezu stummgeschaltet werden.

Ein erster SPIEGEL-ONLINE-Test am Abend kam zu einem erfreulichen Ergebnis: Beim Spiel Mexiko gegen Frankreich war die Atmosphäre fast wieder so, wie es sich für ein Fußballmatch gehört: Klatschen, Buhrufe, Fangesänge. Die Vuvuzelas verschmelzen mit den anderen Hintergrundgeräuschen und sind nicht mehr die dominante Tonkulisse. Sogar der Kick gegen den Ball war zu hören - aber nur für Zuschauer mit einem digitalen Kabel- oder Satelliten-Receiver, der Bedingung für den Empfang des zweiten Tonkanals ist.

Forscherschelte für die Netzneutralität

Eine amerikanische Studie kommt zu einem für Verfechter der Netzneutralität unschönen Ergebnis: Wenn die US-Behörde FCC an ihrem Plan zur Internet-Regulierung festhält, würde das die Wirtschaft weiter in den Abgrund reißen. Hunderttausende Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, prognostizieren Forscher der New York Law School (PDF). Ihre Ergebnisse hat der Tech-Blog "ArsTechnica" übersichtlich zusammengefasst.

Gerade erst hat die FCC einen wichtigen Schritt getan, um ihren Zuständigkeitsbereich um das Thema Breitband zu erweitern. Ganz offiziell wird nun die Öffentlichkeit um ihre Meinung zu den Alternativen, einschließlich dem von der FCC bevorzugten sogenannten "dritten Weg", gebeten.

Twitter wartet mit der #OAuthcalypse

Twitter, jetzt offiziell mit Werbung, verschiebt zugunsten der Fußball-Weltmeisterschaft eine angekündigte Umstellung. Die vom Unternehmen selbst "OAuthcalypse" getaufte Änderung für Entwickler würde wochenlange Besuche des Fail Whales (das Twitter-eigene Fehlerzeichen) mit sich bringen, und das kann sich Twitter zusätzlich zur aktuellen #Worldcup-Überlastung offenbar derzeit nicht erlauben. Apropos Twitter: Der "Guardian" erklärt, wie er seine gefeierte interaktive Visualisierung zur WM hinbekommen hat.

Musikverleger setzen zum finalen Schlag gegen LimeWire an

Der P2P-Anbieter LimeWire wird schon wieder verklagt, diesmal von einem Bündnis aus Musikverlegern, darunter die Branchenriesen EMI, Sony, Universal und Warner. Für jeden illegal verbreiteten Song wollen die Firmen der "New York Times" zufolge 150.000 Dollar einstreichen, womit auch diese Klage sich auf Hunderte Millionen belaufen könnte.

Die dafür verantwortliche National Music Publishers' Association (NMPA) will nach einem Grundsatzurteil offenbar auch noch was vom LimeWire-Kuchen abbekommen. Der könnte jedoch schon bald nur noch aus Krümeln bestehen: Gerade erst hat auch der Interessenverband der US-Musikindustrie (RIAA) auf über eine Milliarde Dollar geklagt.

Mögen die Macht - und Sicherheitsbedenken - mit dir sein

Ein Traum für "Star Wars"-Fanboys, ein Alptraum in puncto Sicherheit: Eine chinesische Firma vertreibt übers Internet "Laserschwerter" für knapp 200 US-Dollar. Die sind jedoch kein Spielzeug, sondern angeblich rund 1000-mal stärker als ein herkömmlicher Laserpointer und bergen damit massive Gefahren, berichtet SkyNews. Sicherheitsexperten warnen vor den Folgen - von Verbrennungen bis hin zu Erblindung. Wer unbedingt den finalen Kampf zwischen Darth Vader und Luke Skywalker nachstellen will, dem sei weiterhin die Plastikvariante empfohlen.

Meeresschildkröte macht Karriere als Kameratier

Ein Wirbelwind wie "Duuuude" in "Findet Nemo": Eine Schildkröte auf Odyssee durch die Tiefen des Meeres ist ein aktueller Hit bei YouTube. Auch ohne High-Fives brachte es der tierische Star innerhalb von 48 Stunden auf über 1,7 Millionen Klicks (Stand: Freitagmittag). Der Legende nach hat ein Taucher in der Karibik seine Unterwasserkamera verloren. Als er die Digicam Monate später über Umwege zurückbekam, soll sich darauf ein Video befunden haben, "aufgenommen" von einer Meeresschildkröte. "Versehentlich" soll das Tier den Auslöser betätigt haben. Klingt alles zu phantastisch, um wahr zu sein?

Klar. Aber ob Hoax oder nicht, ein Spaß ist das Video trotzdem:

Auch das noch:

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
SBasker 18.06.2010
1. Google + Verlage
Zitat von sysopEntwickelt Google ein Bezahl-System für Online-Medien? Laut "La Repubblica" soll die Plattform noch diesem Jahr verfügbar sein. Völlig kostenlos bieten die deutschen Fernsehsender einen Vuvuzela-Filter, und Twitter lässt sich von der WM die Termine diktieren. Das und mehr im Nachrichtenüberblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,701483,00.html
Selbst mit der Hilfe von Google wird es den Verlagen aus meiner Sicht kaum gelingen, ihr Print-Vertriebs-Modell auf das Internet zu übertragen. Bisher jedenfalls sind alle Versuche gescheitert. Dass der Aufwand der Verlage auch im Internet refinanziert werden muss, ist klar. Hier sind aber kreative Lösungen gefragt - unter Wahrung von Transparenz und Kreativität - zum Beispiel: Lösungen für Neukundengewinnung, Online Marketing, PR (http://www.blog.institut1.de/2010/marketingshopde-kunden-gewinnen-und-wettbewerber-analysieren/).
Anna Ampel 19.06.2010
2. Vuvuzeela-Filter und Schildkröten-Film
Stimmt, Frankreich vs. Mexiko war das erste Spiel, das zumindest akustisch erträglich war (gesehen via Kabel Deutschland und Digital-Receiver). Und schade, dass der Film der Schildkröte nicht mehr verfügbar ist. Sagt Bescheid, wenn man ihn irgendwo anders zu sehen bekommen kann.
dzire187 21.06.2010
3. Gerüchte?
Google hat den WebShop für Musik bereits der Öffentlichkeit _vorgestellt_. Wie schlecht recherchieren Sie eigentlich? Recherchieren Sie überhaupt?
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