Netzwelt-Ticker Google ver-chromed Google Earth

Wer Googles virtuellen Globus herunterlädt, bekommt ab sofort auch noch den Chrome-Browser mitgeliefert. Außerdem: Kraken haben verwöhnte Sehgewohnheiten, mögen Fernsehen nur in HD. Windows XP läuft und läuft und läuft. Das und mehr im Überblick.


Vorteilspackungen sind wie Musik-Sampler: Immer etwas lästig, weil sie eigentlich interessante Inhalte mit Dingen garnieren, die gar nicht nachgefragt wurden. Das scheint die Programmentwickler von Google allerdings nicht weiter zu scheren. Offensichtlich sind sie von ihrem neuen Browser Chrome so begeistert, dass sie ihn unbedingt unter die Leute bringen, auch wenn die gar nicht wollen.

Google-Browser "Chrome": Bei Google Earth immer dabei
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Google-Browser "Chrome": Bei Google Earth immer dabei

Wer etwa die neueste Version des beliebten virtuellen Globus Google Earth herunterlädt und installiert, bekommt im Huckepack auch gleich Chrome dazu. Zwar lässt sich während des Installationsvorganges der Haken in der Chrome-Checkbox deaktivieren, aber die meisten Nutzer dürften das übersehen.

Möglicherweise ist genau das die Idee der Google-Marketingabteilung gewesen, mutmaßt das "GoogleWatchblog": "Später kann Google dann mit einer hohen Downloadzahl punkten - wenn schon der Marktanteil nur im Ein-Prozent-Bereich liegt." Wenn überhaupt: In den aktuellen weltweiten Charts von Net Applications liegt Chrome ohne die hausinterne Nachhilfe bei gerade einmal 0,83 Prozent.

Kraken lieben HDTV

Bevor sich hungrige Esser das nächste Mal im Restaurant einen Meeresfrüchtesalat bestellen, sollten sie eines bedenken: Die achtarmigen Weichtiere können Fernsehen gucken und begreifen auch in Teilen, was sie gerade sehen (Herr Reich-Ranicki wäre begeistert). Das ist zumindest das Ergebnis von Untersuchungen, die die australische Meeresbiologin Renata Pronk an der Macquarie University in Sydney angestellt hat.

Sie zeigte einer Reihe von in Tanks gehaltenen Tieren verschiedene Videoclips. In einem kamen Krabben vor, eine ausgesprochene Oktopus-Leckerei, weitere zeigten andere Tintenfische oder gar unbelebte Objekte wie Plastikflaschen. Beim Krabbenfilm gerieten die achtarmigen Zuschauer regelmäßig außer Rand und Band und wollten unbedingt an den dargebotenen Leckerbissen heran.

Allerdings gelang die Täuschung erst mit High-Definition-Material richtig. Filme in Standard-TV-Auflösung erschienen den Oktopus-Augen offenbar als Serie von Einzelbildern. Erst HDTV-Videos vermochten die Kraken zu überzeugen.

Das ist nur logisch: Kraken verfügen über einen Sehapparat, der zu den leistungsfähigsten im Tierreich gezählt wird. Damit ein Bild überzeugend wirkt, muss es das Sehorgan aber mit einer für seine Standards möglichst perfekten Täuschung bedienen. Das ist auch bei uns nicht anders: Niedrig aufgelöste Bilder in Kombination mit geringen Bildwiederholungsfrequenzen nehmen auch wir nicht als überzeugend wahr. Krebse hin oder her.

Windows XP geht in die Verlängerung

Während sich Microsofts Verkaufsstrategen der Erkenntnis stellen müssen, dass Windows Vista, einst als Flaggschiff unter den Betriebssystemen gedacht, möglicherweise ein Flop sein könnte, floriert der Vorgänger XP weiterhin fröhlich. Aus dieser Erkenntnis heraus haben die Redmonder nun das eigentlich für Ende Januar 2009 angekündigte Ende des Verkaufs für Rechner mit vorinstalliertem XP erneut nach hinten verschoben.

Die MS-Vertriebspartner können nun Bestellungen bis Ende Mai annehmen. Zuvor hatte so mancher Händler versucht, so viele XP-Lizenzen wie nur möglich zu kaufen, um diese auch nach der ursprünglichen Deadline an Endkunden vertreiben zu können. Diese Notwendigkeit entfällt nun zur Freude der Distributoren, die jetzt keine kostspielige Lagerhaltung bei geringen Margen mehr betreiben müssen. Zur Nachfrage nach XP trägt auch bei, dass viele Kunden sich Vista verweigern und lieber gleich auf den Erscheinungstermin von Windows 7 warten.

Entlassungen und Studioschließungen bei EA

Schon vor einer Woche erschreckte Spielehersteller Electronic Arts (EA) Anleger und Fangemeinde mit einer Gewinnwarnung. Nun kommt's noch dicker: Jeder zehnte EA-Mitarbeiter muss bis März 2009 gehen, insgesamt 1000 Menschen sind betroffen.

Nachdem der Umsatz in Amerika und Europa massiv eingebrochen war, geht jetzt der Rotstiftbeauftragte durchs Unternehmen. Um Einsparungen von 120 Millionen Dollar zu erreichen, werden mehrere Standorte und Abteilungen geschlossen oder zusammengelegt, auch die Entwicklerstudios sind nicht ausgenommen. Neun Studios machen zu, darunter auch das für die "Need for Speed"-Autorennspiele zuständige Black Box-Studio.

Polizist späht Polizeidatenbank aus, erpresst Kinderschänder

Es fällt zwar schwer, ausgerechnet Kinderschänder und Drogenhändler als Opfer zu sehen, aber was ein Londoner Polizist mit einigen schweren Jungs trieb, war schlicht Erpressung. Der 29jährige Gesetzeshüter war beim polizeilichen Erkennungsdienst beschäftigt, dessen Datenbank auch Namen und Adressen von Straftätern umfasst. Der Mann fischte sich die Daten von elf verurteilten Sexualstraftätern und Drogenhändlern heraus und zwang sie zur Zahlung von Schweigegeld.

Andernfalls würde er sämtliche Details über die jeweiligen Fälle vor allem in der Nachbarschaft oder gegenüber Arbeitskollegen der Betroffenen publik machen. Für sein Stillhalten verlangte er jedes Mal umgerechnet an die 30.000 Euro. Einer der Erpressten offenbarte sich Scotland Yard, das daraufhin den Erpresser mit einem Lockvogel auffliegen ließ. Im nachfolgenden Gerichtsverfahren wurde der nun überführte Erpresser zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren verurteilt.

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