Netzwelt-Ticker Gratis-Quake als Browserspiel

Der Spielehersteller id Software veröffentlicht das Browserspiel Quake Live - gratis, aber werbefinanziert. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Neue Strategie der Pirate-Bay-Ankläger und neue EU-Vorschriften für Microsoft.

Das US-Softwarehaus id hat das Genre der 3D-Egoshooter mit Spielen wie Wolfenstein3D, Doom und Quake zum Massenphänomen gemacht. Die Firma war schon immer für innovative Grafik ebenso berühmt wie für neue Geschäftsmodelle: id Software verteilte Spiele als Shareware und verkaufte anderen Entwicklern Lizenzen für die Software-Basis. Nun probiert die Firma wieder einmal etwas neues aus: werbefinanzierte Spiele.

Am Dienstag veröffentlichte id Software die Beta von Quake live. Das Spiel benötigt lediglich ein ActiceX-Plugin und kann dann auch im Internet Explorer oder Firefox gespielt werden.

Bislang gab es die Testsmöglichkeit nur für eingeladene Gamer, jetzt steht das Spiel allen Interessierten offen. Und es soll kostenlos bleiben. Solange die Spieler Werbung zulassen, können sie gratis spielen .

Die Spielergemeinde nimmt's mit Begeisterung und viel Gedrängel auf. Bei einem Test am Vormittag dauerte es eine gute Stunde, um von Platz 6022 in der Warteschlange an den Punkt zu kommen, an dem man das Plugin herunterladen kann. Die Installation brach auf dem Testrechner allerdings immer wieder am selben Punkt ab.

Pirate-Bay-Prozess: weniger Klagepunkte

Im schwedischen Verhandlungsmarathon um die Klage gegen die Tauschbörsen-Suchmaschine Pirate Bay hat die Staatsanwaltschaft jetzt eine Strategieänderung vorgenommen, um die Verurteilung der vier Beklagten leichter zu erreichen.

Anscheinend glauben die Anklagevertreter nicht mehr, alle drei Klagepunkte gleich überzeugend vortragen zu können. Also begnügen sich die Kläger jetzt mit dem Hinweis auf die verschiedenen Klagepunkte, nämlich die Etablierung eines Indexportals mit Suchfunktion, eine Datenbank mit dazugehörigem Verzeichnis und die Trackerfunktion, die ein P2P-Netzwerk erstellt.

Daniel Westman, Rechtsgelehrter am schwedischen Institut für Rechts- und Informatikforschung, wird von "Wired" mit der Einschätzung zitiert, die Staatsanwaltschaft sei sich unsicher, ob sie alle drei Straftatvorwürfe  beweisen könne. "Die Frage ist, ob die Angeklagten die Anforderungen des Strafgesetzbuches für die Beteiligung an einem Verbrechen erfüllen. Man könnte argumentieren, der Grad der Mittäterschaft sei höher, wenn alle drei Vorwürfe bestätigt würden, aber das Gericht könnte genausogut entscheiden, dass bereits einer oder zwei ausreichen würden."

Pekings oberster Internet-Wächter verhaftet

Chinas Staatsmacht achtet peinlich genau darauf, dass die Untertanen keine Inhalte im Internet zu sehen bekommen, die anstößig oder gar politisch aufmüpfig wirken könnten.

Wie überall im Land unterhält auch die Verwaltung der chinesischen Hauptstadt Peking eine Sicherheitsbehörde mit einer eigenen Abteilung zur Internet-Überwachung. Deren Chef Yu Bing war aber anscheinend weniger an der Erfüllung seiner Amtspflichten interessiert als an der Mehrung seines Privatvermögens. Das werfen ihm zumindest Ermittler vor.

Yu Bing wurde jetzt unter dem Vorwurf verhaftet, umgerechnet 4,5 Millionen Euro Schmiergelder  eingestrichen zu haben. Als Gegenleistung für seine Entlohnung soll er einem Anti-Virus-Unternehmen namens Rising beim Kampf gegen Wettbewerber geholfen haben. Dazu fälschten Yu und Komplizen in der Behörde Beweise gegen einen Mitbewerber, der nun im Ruch stand, Computerviren verbreitet, sich in Rechnernetzwerke eingehackt und dabei Firmengeheimnisse gestohlen zu haben. Während Pekings Internet-Polizist und ein Rising-Manager gerade brummen, tragen die beteiligten Unternehmen ihre Händel nun vor Gericht aus.

EU: Microsoft muss Windows mit Fremdbrowser ausliefern

Im ewigen Hickhack um die (mittlerweile zunehmend erodierende) Monopolstellung von Microsofts Internet Explorer will die EU-Kommission die Redmonder nun dazu verdonnern, mit dem Windows-Betriebssystem auch Browser von Fremdanbietern auszuliefern. Dahinter steht die Sicht, Microsoft verstoße mit der Festlegung seiner Kunden auf den hauseigenen Browser gegen europäisches Wettbewerbsrecht. In der Vergangenheit hatte Brüssel für entsprechende Verstöße schon schmerzhaft teure Knöllchen verteilt.

Nun soll Windows so modifiziert werden, dass die Nutzer bei der Installation oder beim Erststart des Betriebssystems selbst entscheiden können, mit welchem Browser  sie durchs Netz surfen wollen. Entweder geschieht dies durch ein Auswahlfenster, oder die Computerhersteller installieren die Drittbrowser von Anfang an auf den Geräten. Bis zur endgültigen Entscheidung im März hat Microsoft noch Zeit, zu den Vorwürfen und Forderungen der EU Stellung zu nehmen.

"San Francisco Chronicle" vor dem Aus

Zeitungssterben und kein Ende: Diesmal wird es wohl ein weiteres der großen US-Blätter erwischen, den "San Francisco Chronicle". Über 120 Jahre in Familienbesitz, wurde das Blatt im Jahr 2000 an die Hearst-Gruppe verkauft, die in Zeiten des Medienwandels kein glückliches Händchen mit dem Neuerwerb bewies.

Hearst legte die "Chronicle"-Mannschaft mit den Angestellten des schon länger kränkelnden, hauseigenen Blattes "San Francisco Examiner" zusammen. Seit 2001 schreibt die Zeitung rote Zahlen, allein im letzten Jahr betrugen die Verluste 50 Millionen Dollar. Fürs laufende Jahr lassen die Prognosen alles andere als eine Erholung erwarten. Zeit, die Reißleine zu ziehen, denken die Verantwortlichen offensichtlich und planen, die Zeitung entweder zu verkaufen oder einzustellen . Nicht wenige sehen in dieser Ankündigung vor allem Drohgebärden des Managements gegenüber den Gewerkschaften zur leichteren Durchsetzung eines Stellenabbaus.

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