Netzwelt-Ticker Hacker wollen iPod zum Telefon machen

Ob das klappt? Hacker mischen iPod und iPhone. Die Musiksuche bei The Pirate Bay wird noch komfortabler, dank Informationen die teilweise direkt von den Plattenfirmen stammen. Außerdem im Überblick: Datendiebstahl auf die harte Tour, Mini-Vorstoß für den Datenschutz und vieles mehr.


Apple-Hacker basteln an iPod-Telefon

Aus zwei mach eins: Sollte der iPod-Hack gelingen, gäbe es zwischen iPod und iPhone auch keinen nennenswerten funktionalen Unterschied mehr
AP

Aus zwei mach eins: Sollte der iPod-Hack gelingen, gäbe es zwischen iPod und iPhone auch keinen nennenswerten funktionalen Unterschied mehr

Apples iPod touch sieht aus wie ein iPhone, kann über eine W-Lan-Verbindung im Web surfen wie ein iPhone - und kostet 1200 Euro weniger als Apples Wunderhandy mit dem Zwangs-Telefonvertrag. Könnte man dem iPod nicht einfach das Telefonieren beibringen und viel Geld sparen?

An diesem Projekt versucht sich gerade ein deutscher Hacker, der unter dem Kürzel eok einem iPod-Hack Blog von seinen Fortschritten berichtet.

Zwei wichtige erste Schritte sind ihm heute angeblich gelungen. Anfragen von SPIEGEL ONLINE blieben seit heute morgen unbeantwortet, doch glaubt man die zumindest durch Screenshots belegten Behauptungen, läuft auf eoks i-Pod touch ein Programm des französischen Hackers Samuel Vinson , das Internet-Telefonie ermöglicht. Wichtige Einschränkung, so eok in einem Blog-Kommentar: "Wir können mit einer Server Verbindung aufnehmen, aber derzeit haben wir noch keine Sprache übertragen."

Gelingt das, könnte man mit dem iPod günstig per Internet telefonieren, wenn man in der Reichweite eines W-Lan-Hotspots ist. Denn ein Mikrophon hat eok bereits an den iPod anschließen und verwenden können. Das Mikro wird unten in den iPod-Anschluss für die Docking-Station gesteckt. Dieses Gerät muss man derzeit allerdings mit einigem handwerklichen Geschick aus Elektronik-Bauteilen zusammenbasteln. Eok und auch Vinson ist es offenbar gelungen, dieses Mikro mit dem iPod anzusteuern.

Vinson hat Musik aufgezeichnet, wie er in einem Youtube-Film dokumentiert, eok hat eine Sprach-Nachricht aufgezeichnet und verschickt. Internet-Telefonie ist das noch lange nicht. Aber ein Anfang: der iPod touch ist noch kein Telefon, aber immerhin ein Walkie-Talkie.

lis

Pirate Bay kapert Last.fm

Der Eintrag im Blog der Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay kommt ganz unaufgeregt daher: "Heute kündigen wir unsere neue Musik-Abteilung zum öffentlichen Betatest an. Hier könnt ihr sortiert nach Genres oder Künstlern schmökern." Dann aber die Überraschung: "Alle Informationen über die Künstler kommen von der exzellenten Seite Last.fm und werden automatisch angezeigt, wenn ein Künstlername in einem Musik-Torrent auftaucht."

Piratebay-Seite: Die Suchmaschine verweist auf Musik-, Film- und Softwaredownloads - legale und illegale

Piratebay-Seite: Die Suchmaschine verweist auf Musik-, Film- und Softwaredownloads - legale und illegale

Last.fm ist ein kostenloser Onlinedienst, der seinen Besuchern, anhand der Musik, die sie bereits hören, neue Musik empfiehlt. Dazu protokolliert eine spezielle Software, welche Musik ein User auf seinem Rechner abspielt. Last.fm vergleicht die so gesammelten Daten dann mit denen anderer Nutzer. Daraus fertigt der Dienst seine Musik-Empfehlungen, ganze Radioprogramme und schnürt zusätzlich das große Künstler-Informationspaket.

Jeder Nutzer kann Tour-Termine, Hintergrundinfos, Bilder und Kommentare auf den Profilseiten der Künstler hinzufügen. Die Plattenfirmen haben den Wert dieses Dienstes erkannt und versorgen Last.fm mit Songschnipseln für den angeschlossenen Onlineshop. Das Angebot ist enorm erfolgreich. Nach eigenen Angaben listet Last.fm derzeit 80 Millionen Songs, von denen eine Million als Internetradio gestreamt und 150.000 kostenlos heruntergeladen werden können.

All diese Infos und Links können andere Webseiten dank einer offenen Programmierschnittstelle in ihr eigenes Angebot einfügen. Dass ausgerechnet eine Piratenseite die tollen Möglichkeiten von Last.fm für sich entdeckt, dürfte die Plattenfirmen wenig freuen. Zumindest Last.fm zeigt sich aber entspannt: Gegenüber "The Register" gab ein Last.fm-Sprecher der Piratebay das OK: Man heiße die Piratenseite zwar nicht gut, habe ja aber eh keine Kontrolle darüber, wer die Last.fm-Informationen benutze. Aber selbst wenn: Die Pirate Bay zu stoppen, entspräche nicht dem Geist der Schnittstelle.

Dabei könnte das neue Piratebay-Feature genau der Testfall sein, durch den sich herausstellen könnte, ob Musikpiraterie und Musikverkauf tatsächlich Händchen halten können: Wer bei der Piratebay nach Musik sucht, wird auf Wunsch zur Last.fm-Seite und damit zu allen weiteren Infos zum Künstler weitergeleitet – und oft genug zum Last.fm-Onlineshop, wo der Musikpirat gleich einkaufen geht. Oder zumindest gehen könnte …

Überfälle auf Rechenzentren

Von wegen ausgefuchste Crack-Angriffe mit Trojanern, Botnets und Social-Engineering. Wer auf Datenraubzug gehen will, kann auch gleich ein ganzes Rechenzentrum ausrauben – und die geklaute Hardware über eBay verscherbeln. So scheinen zumindest in England und Amerika Diebe zunehmend auf Brute-Force-Angriffe zu setzen – und mit Waffengewalt in Serverfirmen einzubrechen, wie ein neuer Fall in London zeigt.

Als Polizisten verkleidete Diebe sollen unter dem Vorwand, Leute auf dem Dach des Rechenzentrums gesehen zu haben, in das Gebäude eingedrungen sein. Sie hätten die Wachmänner in Handschellen gelegt und Equipment im Wert von fast drei Millionen Euro entwendet. Wer seinen Datenverkehr über den Dienstleister in Kings Cross verwaltete, erlitt Netzwerkausfälle – ganz zu schweigen von sensiblen Daten, die möglicherweise auf der geklauten Hardware gespeichert sein könnten.

In den vergangenen Jahren häuften sich Einbrüche in Rechenzentren. Besonders hart traf es eine Firma in Chicago, die seit 2005 mindestens vier Mal Opfer der Hardwarediebe wurde.

Gravenreuth verklagt Schubert wegen Wikipedia-Klage

Die Anzeige ist bereits zurückgezogen, die Aufregung um die peinliche Klage gegen die Wikipedia wegen Verbreitung verfassungsfeindlicher Symbole schon wieder abgeklungen, da bekommt das Online-Lexikon unerwartete Schützenhilfe.

Ausgerechnet Günter Freiherr von Gravenreuth, der so streitbare wie umstrittene Anwalt und Verleger, stellte bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen die stellvertretende Vorsitzende der Partei "Die Linke", Katina Schubert. Gulli zitiert aus der Begründung, dass "die Wiedergabe von historischen Dokumenten in einer Enzyklopädie wie der Wikipedia […] keinen Straftatbestand" darstelle, die Rechtspflege und die Strafverfolgungsorgane vor unnötiger Beanspruchung geschützt werden müssen. Das stimme auch, "wenn eine entsprechende Anzeige wieder zurückgezogen" werde.

Ask.com will mit Datenschutz punkten

Das Datenleck von AOL, das Beacon-Desaster von Facebook. Für Techcrunch gibt es genügend Gründe, sich um den Datenschutz im Internet Sorgen zu machen. Da verwundere es auch nicht, dass die Suchmaschine Ask.com nun mit genau diesem Thema Ansehen – und User – gewinnen will. Ab heute sollen registrierte Anwender der Seite bestimmen können, ob ihre Suchanfragen und Surf-Informationen von Ask.com-Servern gespeichert werden. Aktiviere man "AskEraser", würden zukünftige – zukünftige! – Suchbegriffe, Cookies und Informationen über IP-Adressen, User-IDs, Session-IDs nicht mehr gespeichert. Ältere Einträge werden standardmäßig 18 Monate lang gespeichert – wie bei den Konkurrenten Google und Microsoft.

Was als netter Zug von Ask erscheint, ist in Sachen Online-Datenschutz aber in Wirklichkeit ein ganz kleines Tröpfchen auf den heißen Stein. Nicht einmal fünf Prozent aller Suchanfragen laufen über die Ask-Server – und an zu vielen anderen Stellen offenbaren Surfer zu viel über sich.

Das Problem: Auch wenn in der Presse eifrig über den Schutz der Privatsphäre geschrieben werde – die User scheint das kalt zu lassen. Sie bezahlen all die kostenlosen Netzprodukte mit ihrer Privatsphäre. Zum Beispiel beim umstrittenen Online-Anzeigenvermarkter Doubleclick. Neben dessen Userdaten– und Cookie-Policy sähe das Facebook-Beacon aus wie ein Datenschützerprojekt. Wer zukünftig keine Späh-Cookies von Doubleclick mehr haben will, kann sich zumindest hier austragen. Ein Klick auf "Click here" genügt. Hoffentlich.

Weitere Meldungen

Nobelpreisträgerin an Computerjugendliche: Ich klug, ihr doof

Pornoproduzenten verklagen YouTube-Clon

Kostenloses Onlineangebot der New York Times hebt ab

Die One-Laptop-per-Child-Kinder bloggen

Was sich die Plattenindustrie zu Weihnachten in Europa wünscht

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.