Netzwelt-Ticker Handybauer wollen Einheits-Ladekabel

Das Ladegeräte-Wirrwarr soll bald ein Ende haben, sagen Handy-Hersteller. Außerdem im Überblick: Canon versuchte vergeblich einen Scherz-Blogger abzuschalten, zwei Entwickler von Furz-Software streiten sich, und Australien hetzt einen Brandstifter im Netz.


Die weltweit führenden Handyproduzenten haben sich auf die Herstellung eines einheitlichen Ladegeräts für alle Mobiltelefone geeinigt. Ein bisschen wird das allerdings noch dauern: Erst bis zum Jahr 2012 solle die Mehrheit der Handys mit einem solchen universellen Adapter funktionieren, teilte die Industrievereinigung GSM Association (GSMA) am Dienstag mit. Bei den Modellen von 17 Herstellern soll der Strom demnach über einen sogenannten Mini-USB-Stecker übertragen werden.

Nach GSMA-Angaben wird das neue Ladegerät außerdem weniger Energie verbrauchen. Zu den Herstellern, die die Adapter in Zukunft vereinheitlichen wollen, gehören neben dem Marktführer Nokia auch Sony Ericsson, Motorola und Samsung. Mit dabei sind zudem auch T-Mobile und Vodafone.

Bislang unterscheiden sich die Adapter zwischen den Herstellern, manchmal sogar zwischen den einzelnen Modellen. Nach der Einigung könnten die Firmen ihre Telefone in Zukunft ohne Ladegeräte ausliefern, weil ein solches in den Haushalten schon vorhanden wäre. Das könnte den Herstellern dabei helfen, Kosten einzusparen. Zudem werden so Abfälle reduziert. Die Hersteller reagieren mit der Einigung auf die Verärgerung ihrer Kundschaft - und auf Druck der Europäischen Union, die eine Vereinheitlichung schon seit einiger Zeit einfordert.

cis/AFP

Canon will Fake-Blogger verbieten und scheitert

Keinen Spaß versteht Elektronika-Hersteller Canon: Weil ein Parodie-Blog den Canon-Berater und Kamera-Guru Chuck Westfall veräppelt, ließ das Unternehmen über eine Anwaltsfirma eine Abmahnung an den Blog-Anbieter Wordpress.com verschicken. Der Vorwurf: Das Fake-Chuck-Blog ziele darauf ab, Leser irrezuführen, nutze unrechtmäßig das Canon-Logo und verstoße darüber hinaus mit all den verbalen Gewaltausbrüchen und massiven Privatsphärenverletzungen gegen diverse Gesetze. Dass über den Blogeinträgen ein großer Banner hängt - "Fake Chuck Westfall - Canon Camera Guru - Ya Better Recognize!" -, scheint die Canon-Anwälte nicht zu beirren: Das Blog muss weg, fordern sie in einem Schreiben, das der falsche Westfall längst ins Netz stellte (PDF-Datei, 119 KB).

Die Drohungen waren erfolglos: Die Wordpress-Verantwortlichen stellten sich hinter das Satire-Blog, wollten das Blog nicht abschalten: "Canon hat keinen Sinn für Humor, versucht das Fake-Chuck-Westfall-Blog zu löschen - und scheitert."

Für Canon und Westfall ist die Löschdrohung damit ordentlich nach hinten losgegangen: Unzählige Blogs und Web-Nachrichtenseiten stürzten sich auf die Geschichte. Die Besucherzahlen auf dem zuvor eher unbekannten Satire-Blog explodierten, der Autor bedankt sich dafür artig bei Canon und deren Anwaltsfirma: Danke für den Traffic.

Vor allem wird bei dem ganzen Trubel nun offenbar, was der wirkliche Grund hinter dem Canon-Schreiben sein könnte: Das Fake-Westfall-Blog nimmt nicht nur den Kamera-Guru auf die Schippe, sondern übt auch kräftig Kritik an Canons Kameras und Kundendienst.

iPhone: Furz-Softwarehersteller streiten sich

Zwei Anbieter von Furz-Software für Apples iPhone suchen vor Gericht eine Lösung, ob ein Trademark auf den Spruch "Pull my Finger" rechtens ist. Der absurden Verhandlung ging ein längerer Streit der beiden Firmen InfoMedia und Air-O-Matic voraus. Es ging um zweifelhafte Marketing-Taktiken, Prozess-Androhungen, um viel heiße Luft also, kalauert sich Ars Technica durch diese Meldung. Kein Scherz - aber vielleicht eine PR-Masche?

Die beiden Streithähne meinen es offenbar ernst: Der "Pull My Finger"-Entwickler Air-O-Matic hatte InfoMedia vorgeworfen, Spam-Werbung über Twitter zu versenden, Googles Suchergebnisse zu manipulieren und selbst verfasste Lobeshymnen in den "iFart Mobile"-Nutzerbewertungen unterzubringen. Air-O-Matic forderte deswegen 50.000 US-Dollar Entschädigung und plante eine Klage gegen InfoMedias Ass im Ärmel: die Trademark "Pull My Finger" für ein Computerprogramm für Mobil-Telefone. Und so weiter und so fort... Stellt sich nur die Frage: So viel Wirbel um Software-Furze? Ars Technica rückt diese Perspektive gerade: Furz-Software gehört zu den erfolgreichsten iPhone-Programmen, nur Spiele sind noch erfolgreicher (siehe nebenstehendes Video).

Australien: Online-Jagd auf mutmaßlichen Brandstifter

Facebook löscht Postings und Gruppen, in denen Nutzer des sozialen Netzwerkes dem mutmaßlichen Brandstifter der australischen Buschbrände Gewalt androhen. Zuvor hatte schon MySpace auf Anfrage der australischen Polizei hin die Website von Brendan S. aus dem Netz genommen, berichtet der "Sydney Morning Herald". In den letzten Tagen veröffentlichten Tausende Facebook-Nutzer Fotos und Privatadresse des angeklagten Brandstifters, drohten ihm Gewalt an. Voraus ging eine Entscheidung des Gerichts, den Beschuldigten vor der aufgebrachten Menge zu schützen, ihn in Schutzhaft zu nehmen. Bei Facebook rief ein Nutzer zur Lynchjustiz gegen S. auf: "Bindet den Bastard an einen Lampenpfahl und legt rings um ihn herum Feuer ... er soll das erleiden, was Hunderte andere erleiden mussten", schrieb einer. Ein anderer: "Er sollte in sein eigenes Werk geworfen werden und dort verbrennen." Rechtsanwälte warnen nun, dass die Verantwortlichen hinter solchen Postings selbst zur Rechenschaft gezogen werden können - und solche Aufrufe zum Mord das Verfahren gefährden, weil dem Angeklagten das Recht auf einen fairen Prozess so nicht garantiert werden könnte.

S. ist der bisher einzige Verdächtige im Fall der Buschbrände in Australien, denen Hunderte Menschen zum Opfer fielen. S., ein ehemaliges Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, soll zumindest einen der Brände gelegt haben.

Xing: Business-Plattform löscht nach Protesten Werbespiel

Das soziale Business-Netzwerk Xing hat nach heftigen Protesten ein Onlinespiel aus dem Netz genommen. Auf savethesacked.com ("Rette die Gefeuerten") mussten Nutzer Menschen retten, die angesichts der Wirtschaftskrise und Jobverlust vom Hochhaus springen, berichtet Horizont.net. Die Figuren konnten gerettet werden, wenn die Spieler sie mit einem Xing-Fallschirm ausstatteten. Die Mehrheit der Nutzer fand das "geschmacklos", Xing-Sprecher Thorsten Verspermann räumte ein, die Aktion habe "Irritationen" hervorgerufen: Nicht alle Nutzer hätten die im Spiel eingesetzten "Metaphern" verstanden. Wahrscheinlich, weil sie dabei an "Word Trade Center" und "Selbstmord" dachten...

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