Netzwelt-Ticker Hü und hott bei Netz-Überwachung

Die Politik ist sich in Fragen der Überwachung nur in ihrer Uneinigkeit einig, das iPhone beherrscht bald Standortpeilung, Saudis verhaften Blogger. Das und mehr im Überblick.


Struck für Online-Durchsuchung, Solms gegen Datenspeicherung

SPD-Fraktionschef Peter Struck: Aus Nein wird Jein wird Ja
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SPD-Fraktionschef Peter Struck: Aus Nein wird Jein wird Ja

In Bezug auf die Überwachung und Ausspähung der Internetaktivitäten in Deutschland ist nun offenbar auch die SPD in der Großen Koalition angekommen und positioniert sich klarer auf Regierungsseite. Unlängst noch machte sich die SPD gegen die Online-Durchsuchung stark, nun klingt es aus dem Mund des Fraktionschefs Peter Struck ganz anders. Der kann sich nämlich unter bestimmten Voraussetzungen (erhebliche Verdachtsmomente, Richtervorbehalt) solche Durchsuchungen gut vorstellen.

"Die Sicherheitsbehörden haben uns überzeugend dargelegt, dass viele Terroraktivitäten mit Hilfe des Internets koordiniert werden", sagte er im "Stern". "Wenn Karlsruhe Online-Durchsuchungen nicht für verfassungswidrig hält, werden wir sie auch einführen - mit den Einschränkungen, die das Gericht fordert." Die eigene Gefolgschaft schätzt Struck als gehorsam ein, die Fraktion werde ihm "ohne Murren" folgen.

Ganz andere Töne kommen vom Bundestagsvizepräsidenten Hermann Otto Solms: Wie sich das gehört, ist die Opposition dagegen, wenn die Regierung dafür ist. Der FDP-Mann kritisierte das zum Jahreswechsel in Kraft getretene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung als verfassungswidrig. Es sei ein unzulässiger Eingriff in unsere Rechte und stelle die Bürger unter Generalverdacht, sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Solms zählt zu den 30.000 Klägern, die gegen das Gesetz Verfassungsbeschwerde eingelegt haben.

iPhone demnächst mit Standortpeilung

Für Apples Kulthandy steht mal wieder ein Firmwareupdate an, wie "Gizmodo" meldet. Außer der Schließung einiger Sicherheitslücken, die praktischerweise auch gleich Programme zur Überwindung der SIM-Lock-Sperre aushebeln, gibt es ein paar neue Features. Mittels einer Dreieckspeilung über Funkmasten kann nun die Position des Gerätes bestimmt werden, was die Nutzung von Routenplanern und ähnlichen Angeboten verbessern soll. Darüber hinaus erlaubt die Firmwareversion 1.1.3 dem iPhone-Besitzer nach dem Aufspielen, die Benutzeroberfläche des Gerätes individuell zu gestalten sowie den gleichzeitigen SMS-Versand an zuvor angelegte Gruppen.

Fujitsu: Schluss mit Plasma

Plasma ist zu teuer. Auf diese lapidare Begründung lässt sich der Rückzug des einstigen Plasma-TV-Pioniers Fujitsu aus dem Markt mit den hochpreisigen Flachbildschirmen reduzieren. In jüngerer Zeit wurde das Marktgeschehen zunehmend von der LCD-Konkurrenz beherrscht, nur im kostspieligen Segment der großformatigen Bildschirme bewahrte sich die Plasmatechnologie noch eine Nische. Grundsätzlich sei mit dieser Technik keine befriedigende Rentabilität mehr zu erreichen, daher nun der Rückzug des Unternehmens, das 1992 den ersten Farb-Plasmaschirm vorstellte. Das Marktsegment für Riesen-Plasmadisplay hat nun Konkurrent Panasonic für sich allein, der optimistisch an einen einträglichen Marktanteil bei Geräten ab einen Meter Bilddiagonale glaubt.

Gute Vorsätze: Microsoft ab sofort mit mehr Infos zu Patches

Monat für Monat versorgt Microsoft die Welt mit neuen Sicherheitsflicken, um Lücken in den diversen Programmen aus Redmond zu schließen. Ab dem nächsten Patch-Day sollen auf einem Blog namens "Security Vulnerability Research & Defense" nähere Informationen zu den einzelnen Sicherheitsupdates veröffentlicht werden. Im Unterschied zu den Security Bulletins, die auch weiter alle wesentlichen Hinweise zu den jeweiligen Updates auflisten sollen, wird sich das Info-Blog den technischen Hintergründen und weiteren Informationen widmen.

Saudis verhaften Blogger

Wie die "New York Times" berichtet, wurde der Blogger Fouah al-Farhan von Sicherheitsbehörden in Saudi-Arabien verhaftet. Farhan betreibt eines der populärsten Blogs in Saudi-Arabien.

Verhaftet wurde er offenbar auf Anweisung eines hochrangingen Beamten des Innenministeriums, der ihn in Bezug auf verschiedene Veröffentlichungen "befragen" wollte. Dabei ging es wohl um Berichte über politische Häftlinge.

Bereits zwei Wochen vor seiner Verhaftung warnte Farhan davor, dass seine und eventuell weitere Verhaftungen anstehen könnten: In einem Brief hatte das saudische Innenministerium von ihm verlangt, sich öffentlich für seine Berichte zu entschuldigen. Farhan verweigerte eine Entschuldigung, seit seiner Verhaftung gab es keinen Kontakt mehr zu ihm. Freunde des Bloggers verlangen nun mit einer Kampagne "Free Fouad" seine Freilassung.

Von Seiten der saudischen Regierung liegt der "Times" ein Statement vor, das darauf verweist, dass Farhan nicht in Haft sei, sondern nur befragt werde. Der "Times" sagte General Mansour al-Turki, ein Sprecher des Innenministeriums: "Sie werden von ihm die Informationen erhalten, die sie von ihm brauchen, und ihn dann gehen lassen."

Farhan ist der erste Blogger, der wegen Web-Publikationen in Saudi-Arabien verhaftet wurde. Saudische Blogger bezeichneten den Vorgang als "einschüchternd" und "schlechtes Zeichen". Innenministeriumssprecher Turki geht davon aus, dass der Blogger "nicht lange in Haft" bleiben werde. Ein offenbar dehnbarer Begriff: Farhan wurde bereits am 10. Dezember verhaftet.

Klingeltöne vom ZDF

Rechtzeitig zur Nachricht, dass der Hype um Klingeltöne seinen Zenit überschritten und der Weltmarkt zu schrumpfen begonnen hat, entdecken die Verantwortlichen beim ZDF die Möglichkeiten des Handygebimmels. Das "heute"-Journal wird 30 Jahre alt. Zum fröhlichen Anlass schenken die Mainzelmännchen ihren Zuschauern Klingeltöne und erweitern so ganz nebenbei die Zielgruppe für nervtötendes Ruhestörungs-Gebimmel bis ganz, ganz tief in die Rentnerjahrgänge hinein.

Außer dem Start-Jingle der Nachrichtensendung "heute" können sich die Fans auch ihre Lieblingsmoderatoren im Befehlston aufs Mobiltelefon holen. Selbst Gründervater Wolf von Lojewski wurde aus seinem wohlverdienten Retiro reaktiviert. Kostprobe: "Hier spricht Marietta Slomka! Jetzt gehen Sie mal ans Telefooon!" Immerhin, der mitgelieferte Fremdschamfaktor ist ebenfalls umsonst. Wofür zahlt man schließlich seine GEZ-Gebühren?

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