Netzwelt-Ticker Ich sehe was, das Google TV nicht sieht

Kein schöner Start: Drei der größten US-Networks blockieren ihre Inhalte für die Nutzer von Google TV. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Facebook will verschlüsselte User-IDs einführen, und Techcrunch zieht voreilige Schlüsse über das Sterben der CD-Rom.

Firmenchef Eric Schmidt präsentierte Google TV im Mai: US-Sender boykottieren den Dienst
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Firmenchef Eric Schmidt präsentierte Google TV im Mai: US-Sender boykottieren den Dienst

Von Carolin Neumann


Was sind auf Google TV nicht für Lobeshymnen gesungen worden. Aktuell schreibt etwa Oliver Starr von Techcrunch, nie wieder das Sofa verlassen zu wollen. Doch was bringt die Fernsehplattform, wenn einige der reizvollsten Angebote schlichtweg ausgesperrt werden?

Drei der vier Network-Riesen in den USA - ABC, CBS und NBC - boykottieren Google TV. Streams von Serien wie "Modern Family" oder "The Office" können auf Geräten mit Google TV nicht geschaut werden, berichtet das "Wall Street Journal". Lediglich Trailer und anderes Promo-Material ist von offizieller Seite zugänglich. Besonders effektiv dürfte die Blockade nicht sein, denn Raubkopien auf halblegalen Streamingseiten sind von der Aktion nicht betroffen.

Dennoch ist mit dem Boykott genau das eingetreten, was Beobachter bereits bei der Bekanntgabe der Google-TV-Pläne prophezeiten: Dass die Medienhäuser sich nicht so leicht von der Firma Google das Wasser abgraben lassen wollen, die wieder einmal an der Bündelung fremder Inhalte zu profitieren gedenkt. Nicht alle Sender sind so offen wie der Bezahlkanal HBO, der sogar an der Optimierung seiner Sendungen für Google TV mitgearbeitet hat. Anderen ging das Entgegenkommen wohl nicht weit genug, darunter die ABC-Mutter Disney. Der Konzern soll Google gebeten haben, die bereits genannten Streams von Raubkopien auszuschließen. Geklappt hat die Zusammenarbeit offenbar nicht, ABC gehört zu den Blockierern. Auch FOX, der vierte große Sender im Bunde, könnte möglicherweise nachziehen.

Aus dem Hause Google heißt es in einem Statement zur Sache lediglich, es sei die Wahl der Sender, "die Fans daran zu hindern, über die Plattform ihre Inhalte zu schauen".

"Die Fans hindern", eine doch recht eindeutig auf Stimmungmache zielende Wortwahl. Doch die Fronten zwischen dem Internet-Riesen und den Medienkonzernen sind nicht vollends verhärtet: Verhandlungen gibt es dem Bericht zufolge beispielsweise zwischen Google und Hulu, der erfolgreichen Streaming-Plattform. Die wird unter anderem von eben jenen Blockierern betrieben: von Disney, NBC Universal und Rupert Murdochs News Corp., zu der auch FOX gehört. Derzeit ist Hulu.com per Google TV nicht erreichbar, es soll aber eine Zusammenarbeit geben.

Für deutsche Nutzer ist das freilich irrelevant, solange Hulu-Videos in Deutschland ohnehin schwarz bleiben. Interessanter ist da die Nachricht, dass beim ebenfalls amerikanischen Hulu-Klon DishOnline.com demnächst einzelne Sendungen von TBS und TNT auch für deutsche Nutzer zu sehen sein werden. Darunter möglicherweise die neue Show von Conan O'Brien, dem geschassten NBC-Talker, der nach seinem unfreiwilligen Abtritt so etwas wie Kultstatus in der amerikanischen Entertainmentwelt erreicht hat.

Facebook will Nutzer vor Werbehaien schützen

Facebook plant eine Verschlüsselung von User-IDs. Indem ein Nutzer bei der Weiterleitung zu einer Anwendung anonymisiert wird, soll verhindert werden, dass die Werbeindustrie an die zum Teil eindeutigen Kennnummern gelangt. Anfang der Woche wurde bekannt, dass einige Anwendungen Informationen über ihre Nutzer an Werbevermarkter und Adresssammler weiterleiten. Je nachdem, wie offen jemand mit seinen Daten umgeht, kann die User-ID in diesen Fällen einer Person samt Namen und persönlicher Daten zugeordnet werden.

Die Lösung wurde im Facebook Entwickler-Blog bekannt gegeben. Sie bringe aber rein gar nichts, weil das Problem viel größer ist als ein paar App-Entwickler, die Daten weiterreichen, glaubt Nick O'Neill bei AllFacebook.

Todesstoß für die CD-Rom?

Das neue MacBook Air ist nicht nur superleicht, superklein und superdünn, sondern hat auch eine weitere Eigenschaft, die wegweisend sein könnte. Darüber spekuliert jedenfalls Techcrunch: "Yep, Apple Killed The CD Today", heißt es dort.

Begründet wird dies damit, dass die Wiederherstellungssoftware auf einem schlanken USB-Stick ausgeliefert wird. Dies mag bei Apple erstmals der Fall sein. Mit der Behauptung, Steve Jobs habe damit der CD-Rom den Todesstoß verpasst, schießt das Blog allerdings übers Ziel hinaus. Schließlich ist das MacBook Air bei weitem nicht das erste Notebook ohne CD-Rom-Laufwerk. Bei Netbooks und kleinen Notebooks mit 11- oder 13-Zoll-Bildschirmen ist die Abwesenheit des Laufwerks längst gängige Praxis. Kein Grund also, ein Speichermedium voreilig zu Grabe zu tragen.

Auch das noch:



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
random42 23.10.2010
1. Was mich mal interessieren würde..
..warum sind eigentlich die meisten amerikanischen TV Inhalte übers Internet in Deutschland nicht zugänglich? Genau die selbe Frage zu sehr vielen Musik Videos auf youtube. Die Amerikaner könnten doch mit diesen Inhalten und Werbung dazu auch hier Geld machen...? Warum also sind wir außen vor? Ich hasse diese Meldung auf Youtube:" This video is not available in your country due to copyright..blabla..." Wer weiß mehr dazu?
tubaner 23.10.2010
2. .
Zitat von random42..warum sind eigentlich die meisten amerikanischen TV Inhalte übers Internet in Deutschland nicht zugänglich? Genau die selbe Frage zu sehr vielen Musik Videos auf youtube. Die Amerikaner könnten doch mit diesen Inhalten und Werbung dazu auch hier Geld machen...? Warum also sind wir außen vor? Ich hasse diese Meldung auf Youtube:" This video is not available in your country due to copyright..blabla..." Wer weiß mehr dazu?
Soweit ich das verstanden habe, ist das Problem, dass die Senderechte für jedes Land separat vergeben werden. Wenn also z.B. Fox die Senderechte an den Simpsons in Deutschland an ProSieben vergibt, dann darf niemand anders die Simpsons in Deutschland senden, auch Fox selbst (über Hulu) nicht. Bei den Musikern ist es so, dass ein Großteil seine Rechte in Deutschland durch die GEMA vertreten lässt. Und da die letzten Verhandlungen zwischen Youtube und der GEMA wegen den Lizenzgebühren geplatzt sind, werden seitdem die entsprechenden Lieder in Deutschland gesperrt.
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