Netzwelt-Ticker "Intelligente" Stromzähler als Einfallstor für Hacker

Funkende Stromzähler sind kaum gegen Hackangriffe geschützt - fand ein Sicherheitsexperte im Auftrag dreier Zähler-Hersteller heraus. Außerdem: Sony dreht PS3-Linux ab, UK-Filmindustrie sucht P2P-Schnüffelpraktikanten, und Cybergangster greifen Chefetagen an. Das und mehr im Überblick.

Herkömmlicher Stromzähler: Zwar doof, aber sicherer als seine intelligenten Nachfolger
ddp

Herkömmlicher Stromzähler: Zwar doof, aber sicherer als seine intelligenten Nachfolger


Sony dreht dem PS3-Linux den Saft ab: Mit der am Donnerstag verfügbaren Version 3.21 des Playstation-3-Betriebssystems wird es keine Möglichkeit mehr zum Installieren eines anderen Betriebssystems geben. Im Firmenblog nennt Sony "Sicherheitsgründe" - dahinter dürften aber in Wirklichkeit auch Kopierschutz-Bedenken stecken.

Dabei ist das Thema PS3-Linux nicht in erster Linie etwas für Raubkopierer: Betroffen von der Software-Blockade dürften vor allem all jene Forscher sein, die sich mit speziellen Linux-Versionen einen günstigen Supercomputer aus rechenstarken PS3-Konsolen schusterten - das Wired-Blog beschrieb schon vor zwei Jahren, wie Astrophysiker die Spielkonsole für ihre Forschungen entdeckten.

So groß wird der Schmerz jedoch nicht sein. Wer das Update nicht installiert, verzichtet auf Features und Fehlerbehebungen, die vor allem Spieler und Heimcineasten betreffen, etwa die Teilhabe im PS3-Netzwerk, Onlinefeatures in Spielen, Chat und die Möglichkeit, kopiergeschützte Blu-ray-Filme abzuspielen, die die Softwareversion 3.21 voraussetzen oder auf einem Medienserver gespeichert sind. Aber Achtung: Wer ein anderes Betriebssystem auf der PS3 installiert hat und aus Versehen die neue Software einspielt, kann nicht mehr direkt auf die Daten zugreifen.

Das NewsFactor Network hat sich im Sony-Forum die Reaktionen zum PS3-Update angeschaut und war überrascht, wie viel Gegenwind die Anti-Linux-Entscheidung bringt. Stunden nach der Ankündigung fanden sich über 1200 Kommentare unter Sonys Blogeintrag. Poster HippieMan420 sprach wohl vielen aus der Seele: Wer 500 Dollar für eine Spielkonsole ausgibt, sollte das Recht haben, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, mit denen das Gerät ausgeliefert wurde. "Hacker abzuhalten ist eines, aber eine Möglichkeit zu entfernen, für die ich bezahlt habe, ist eine andere", zitiert NewsFactor Network HippieMan420: "Meiner Ansicht nach ist das ein Schritt zurück."

Stromzähler als Einfallstor für Hacker

Sogenannte intelligente Stromzähler sollen beim Energiesparen helfen - aber sie könnten wegen zahlreicher Sicherheitslücken auch ein Einfallstor für Hacker sein. Das bewies jetzt Sicherheitsexperte Joshua Wright ausgerechnet im Auftrag dreier Funkzähler-Hersteller. Die hatten ihm neue Geräte zur Verfügung gestellt, um herauszufinden, wie sicher sie vor Datenangriffen sind. Das entmutigende Ergebnis: wenig sicher.

Zumindest könnten Angreifer fremde Stromrechnungen in die Höhe treiben und eigene geringfälschen. In schlimmeren Fällen könnten die Zähler gar dazu missbraucht werden, die Stromversorgung zu kappen und Viren und Würmer zu verbreiten. Wright, schreibt die AP, habe "ungeheure" Fehler im Design der sogenannten "smart meter" gefunden, Sicherheitslücken im Datenprotokoll, die eigentlich schon seit zehn Jahren bekannt seien. Dass die Daten zur Entschlüsselung der geheimen Stromzähler-Daten etwa auf leicht erreichbaren Geräten, statt tief in der Stromanbieter-Infrastruktur verborgen gespeichert werden, spreche für die "fehlende Reife" der Zählertechnologie.

Dass die dann vielleicht doch nicht so intelligenten Stromzähler auch ein Datenschutzrisiko darstellen, darauf wies vergangenen Herbst schon das unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) hin. "Die gerätegenaue Erfassung verbrauchter Energie", heißt es in einem Gutachten, könnten "zu einer Ausforschung der Lebensgewohnheiten der Betroffenen führen."

UK-Filmindustrie sucht P2P-Schnüffelpraktikanten

Eine Ausschreibung für ein Praktikum im Netz der University of Manchester erregt Piratengemüter: Ein Jahr lang soll ein Studentenpraktikant sich im Auftrag von Warner Bros. und NBC Universal durch IRC-Chats, lokale Foren und private Tauschbörsen wühlen, Daten sammeln und Netzwerke aufdecken - die Schnüffelarbeit würde ihm mit 17.500 Pfund (19.500 Euro) vergütet. Ob es konkret darum geht, Kommilitonen zu verpfeifen, lässt die Ausschreibung offen.

Das Piratenblog TorrentFreak nimmt das zum Anlass, eine fragwürdige Gegenaktion vorzuschlagen: "Wir rufen alle geeigneten TorrentFreak-Leser auf, sich für dieses spannende Praktikum zu bewerben und uns regelmäßig über Warner Bros. Antipiraterie-Anstrengungen zu unterrichten."

Das sollte freilich nur als Witz angesehen werden: Wer dem Aufruf folgt, dem Auftraggeber nichts liefert und stattdessen Firmeninterna verrät, würde wohl schnell enttarnt und zur Rechenschaft gezogen.

Dickes Patchpaket für Snow Leopard

Apple hat Version 10.6.3 des Mac-Betriebssystems OS X Snow Leopard veröffentlicht. Das Update stopft laut Betanews über 70 Sicherheitslücken und verbessert 49 Programmteile, darunter Mail, Mobile Me und Airport. Die kompletten Versionshinweise listet ein Apple-Support-Eintrag auf. Das Update wird über die automatische Software-Aktualisierung heruntergeladen.

Cybergangster greifen Chefetagen an

Laut IT-Sicherheitsunternehmen Symantec ("Norton AntiVirus") schießen sich Cyberkriminelle bei zielgerichteten Hackattacken auf die Unternehmensspitzen ein. Ein vom "Sydney Morning Herald" zitierter MessageLabs-Bericht bezeichnet Direktoren, höhere Beamten, Vizepräsidenten, Manager und Geschäftsführer als Top-Ziel individueller Angriffe: Meist durch Mails, denen ungewöhnlich individuell gestaltete, mit Trojanern präparierte Dokumente angehängt sind. Doch egal, wie konkret die Gefahr ist: Der Bericht wirkt auch wie ein zielgerichtetes Verkaufsargument für Entscheider und Lenker.

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jburton 05.10.2010
1. ...
...auch hier noch ein Artikel zum "intelligenten" Stromzähler... http://www.geldsparen.de/sparen/Energie/strom-mit-intelligenten-zaehler-sparen.php Ich weiß ja nicht so recht....
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