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18. April 2011, 17:56 Uhr

Netzwelt-Ticker

Iran wirft Siemens Stuxnet-Schützenhilfe vor

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Ein iranischer Offizier gibt dem deutschem Unternehmen Siemens Mitschuld am Stuxnet-Angriff aufs iranische Atomprogramm, OpenOffice bleibt nun doch ein Open-Source-Projekt und die ersten .XXX-Adressen gegen online. Das und mehr in unserem Überblick.

Gholamreza Jalali, der Chef der iranischen Zivilverteidigung hat gegenüber der israelischen Zeitung "Haaretz" schwere Vorwürfe gegen Siemens erhoben. Die komplexe Schadsoftware Stuxnet, die dem iranischen Atomprogramm offenbar schwere Schäden zugefügt hat, seien von Israel und den USA ausgegangen, behauptet Jalali. Maßgebliche Hilfe habe bei dieser Aktion der Siemens-Konzern geleistet. Der Ursprung des Computerwurms lasse sich eindeutig nach Amerika und zum "zionistischen Regime" zurückverfolgen, so der iranische Offizier.

Immerhin seien vor allem von Siemens stammende SCADA-Kontrollsysteme erfolgreich durch den Wurm angegriffen worden. Das lasse keine anderen Schlüsse zu, als dass Siemens die erforderlichen Informationen über den SCADA-Code an die Angreifer weitergeleitet habe. "Unsere Regierung sollte den Fall des SCADA-Programms auch juristisch prüfen, denn es lieferte die Grundlage für den Stuxnet-Wurm", wurde Jalali weiter zitiert. Anders als andere iranische Offizielle, die die Auswirkungen von Stuxnet stets herunterspielen, betonte Jalali, die möglichen Risiken hätten sehr große Schäden anrichten können.

Siemens war "Haaretz" gegenüber zu keiner Stellungnahme bereit. Siemens hat ein Tool zur Entdeckung und Entfernung von Stuxnet veröffentlicht.

EU für Netzneutralität

Die EU-Kommission beschäftigt sich dieser Tage mit Praxis von Festnetz- und Mobilfunkbetreibern in Sachen Netzneutralität. An diesem Dienstag sollen Vorschläge zur Gewährleistung eines neutralen und wettbewerbsgerechten Zugangs zum Internet präsentiert werden. Seine Befürworter unterstützen die Gleichbehandlung jeder Art von Datenverkehr, ob es sich um E-Mails handelt oder große Videodateien. Im Vorfeld hatte es eine EU-Untersuchung über die Provider-Praxis in diesem Bereich gegeben. Die zuständige Justizkommissarin Neelie Kroes hatte sich besorgt darüber gezeigt, dass einige Anbieter ressourcenfressende VoIP-Angebote wie Skype drosseln oder gar komplett blockieren würden. Die ISPs begründen diese Maßnahme mit Verdiensteinbußen, die sie durch den ungezügelten Datenverkehr ihrer Kunden erlitten.

Solche Drossel-Aktionen sollen nach dem Willen von Kroes ein Ende haben. Gleiches gelte für die Gewohnheit mancher ISPs, ihren Kunden de facto wesentlich niedrigere Breitbandgeschwindigkeiten zur Verfügung zu stellen als sie zuvor in ihrer Reklame angekündigt hätten, berichtet die "Financial Times" (kostenpflichtiger Link).

iPhone avanciert zur Flickr-Kamera

Das Foto-Portal Flickr versammelt Millionen von Motiven unterschiedlichster Art, von Urlaubsschnappschüssen bis hin zu hochprofessioneller Fotokunst. Da ist dann auch das benutzte Kamera-Equipment von ähnlich erlesener Qualität, sollte man meinen. Doch statt digitaler Spiegelreflexkameras stellen immer mehr Flickr-Mitglieder Aufnahmen ihres iPhone 4 online.

Eine Untersuchung zeigt, dass das Apple-Handy seit seiner Einführung als Flickr-Kamera der Wahl immer beliebter wird. Bislang führte im Häufigkeitsranking noch die Nikon D90, doch schon in den nächsten ein, zwei Monaten könnte die Kamera ihren Spitzenplatz ans iPhone verlieren, meldet "Techcrunch". Doch nicht nur Spiegelreflex-Kameras werden womöglich binnen kurzem von der Apple-Alternative verdrängt, auch der Anteil einfacher Kompaktkameras bei den neu hochgeladenen Fotos sinkt.

OpenOffice nun doch nichtkommerziell

Langes Hickhack, gutes Ende. Vielleicht. Nachdem die Gratis-Büro-Software OpenOffice letztes Jahr von Sun Microsystems an Oracle ging, schienen die neuen Herren mit ihrem Erwerb ordentlich Kasse machen zu wollen. Verärgert verließen darauf hin viele Mitarbeiter das Projekt und organisierten sich im Alternativ-Projekt LibreOffice neu. Anscheinend ist bei Oracle nun das kommerzielle Interesse an OpenOffice erlahmt, in einer Erklärung verkündete das Unternehmen, das Projekt bleibe Open Source, künftig solle sich die Community der Weiterentwicklung widmen. Es gebe ein breites öffentliches Interesse an freien Arbeitsanwendungen, so Edward Screven, Chief Corporate Architect bei Oracle. Vor dem Hintergrund der sich ständig wandelnden technologischen Voraussetzungen sei diesem Bedürfnis am besten mit einem nichtkommerziellen Projekt gedient.

FBI macht Poker-Portale dicht

Unter dem Vorwurf, illegales Glücksspiel und Geldwäsche zu betreiben, hat das FBI mehrere Webangebote stillgelegt. Wer die Seitenangebote von PokerStars, Full Tilt Poker, Absolute Poker oder Ultimate Bet ansteuert, stößt lediglich auf einen dürren Hinweis zur Beschlagnahme. Außerdem droht die Bundespolizei den Betreiber von Wettangeboten mit Strafen von bis zu fünf Jahren Gefängnis und Geldbuße von 250.000 Dollar.

Laut "Heise" wurden bislang elf Beschuldigte festgenommen, 76 Bankkonten in 14 Ländern eingefroren. Das wird so manchen Zocker schmerzlich treffen, denn nicht wenige hatten beträchtliche Gelder auf diverse Konten eingezahlt. Die sind nun weg. Zudem drohen Strafzahlungen von bis zu drei Milliarden Dollar .

Erste .XXX-Domains gehen live

Es ist soweit, die von der Internet-Adressen-Verwaltung Icann vor Monatsfrist genehmigte Porno-Top-Level-Domain .xxx wird nun auch tatsächlich genutzt. Mit Porn.xxx und Sex.xxx sind zwei Angebote im Netz, deren Adressen vor wie hinter dem Punkt auch für schlichte Gemüter eindeutig genug sein sollten. Zu sehen ist derzeit nichts außer einem Hinweis des Domain-Verkäufers ICM Registry, jetzt doch mal "erwachsen zu sein".

Die Warteliste zur Anmeldung ist laut "Chip" ziemlich lang. Eine halbe Million Interessenten stehen angeblich bereit. Ab November 2011 dürfen dann auch Privatleute ran, um sich eine Schmuddeladresse zu sichern.

Auch das noch:

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