Netzwelt-Ticker John McCain als Musikpirat

Der Präsidentschaftskandidat McCain kümmert sich nicht um Urheberschutz, bei MySpace drohen angeblich Entlassungen und China spioniert Olympiagäste aus. Das und mehr im Überblick.


Wer keine guten Schlagzeilen hat, sorgt eben zumindest für schlechte. Nach dieser Weisheit scheint derzeit der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain zu handeln. In einem seiner Wahlwerbespots benutzten seine Kampagnenmanager ein Musikstück, obwohl sie das gar nicht durften. Für den Song "Can't Take My Eyes Off You" von Frankie Valli besitzt McCain nämlich keine Lizenz, und solche Urheberrechtsverletzungen sehen die Rechteinhaber immer sehr humorlos. In diesem Fall war es Musikriese Warner Music, der den Werbeclip von Youtube entfernen ließ.

John McCain: Musik-Urheberrechte bereiten Kopfzerbrechen
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John McCain: Musik-Urheberrechte bereiten Kopfzerbrechen

Der Clip trägt den Titel "Obama Love" und macht sich über US-Journalisten lustig, die allzu begeistert über den Kandidaten der Demokraten sprechen und dabei, so suggeriert das Video, alle Objektivität fahren lassen.

Nun amüsiert sich eine Reihe von US-Bloggern und Medien königlich über das Copyright-Missgeschick, weil McCain in der Vergangenheit wiederholt als Streiter für einen starken Urheberrechtsschutz aufgetreten war und sich gegen eine erweiterte "fair use"-Politik bei geschützten Werken ausgesprochen hatte.

Nach dem Verschwinden seines Wahlkampfspots ließ McCain sein Team den inkriminierten Clip wieder einstellen - diesmal mit einem schmalzigen Saxophon-Track unterlegt. Das Original ist aber weiterhin zu finden, etwa bei Liveleak. Dabei kann sich der US-Senator auch unter großzügigster Auslegung nicht auf die von ihm wenig geliebten Fair-Use-Regeln berufen - denn die setzen einen öffentlichen Nutzen der Verwendung von geschütztem Material voraus. Mit dem aktuellen Filmchen sollen jedoch auch Spendengelder eingeworben werden, und dieser letztlich kommerzielle Nutzen würde nur einem zugutekommen: McCain.

Einer der größten australischen Ebay-Händler pleite

In Downunder spielt sich derzeit ein hässlicher Wirtschaftskrimi ab, mit allen Requisiten. Einer der größten australischen Ebay-Händler namens EBS International ist letzten Freitag pleite gegangen, der Besitzer nach China geflohen. Nun stehen Hunderte Kunden, die Waren geordert und bereits bezahlt haben, im Regen, denn das Geld dürfte ebenso flöten sein wie ihre Bestellungen. Immerhin können sich zumindest diejenigen, die über PayPal gezahlt haben, Hoffnung auf Entschädigungen machen. Allerdings dürften Monate bis zur endgültigen Aufklärung aller Umstände vergehen, die zum EBS-Zusammenbruch geführt haben. Was die geprellten Kunden nicht gerade milde stimmt, zumal es aus den Reihen von Ebay-Nutzern schon seit 2006 immer wieder Warnungen und Hinweise auf Unstimmigkeiten bei EBS gegeben hat. Kritiker monieren zudem, der PayPal-Hilfsfonds sei aus dem einzigen Grund aufgelegt worden, möglichen Klagen wegen Fahrlässigkeit zuvorzukommen.

MySpace vor Entlassungen?

Michael Arrington von "Techcrunch" hat wieder mal die Flöhe husten gehört und berichtet von unmittelbar bevorstehenden Entlassungen beim sozialen Netzwerk MySpace. Nachdem die Anzahl der Angestellten in letzter Zeit massiv zugenommen hat, könnten von den mittlerweile 1500 Beschäftigten demnächst bis zu fünf Prozent ihren Job verlieren. Grund sind die verfehlten Renditeziele im vergangenen Jahr. Allerdings versuchte unmittelbar nach Bekanntwerden der Meldung einer der MySpace-Geschäftsführer zu beruhigen: Natürlich würden immer wieder Leute gehen, das hänge aber von ihrer Leistung ab - und die Mitarbeiter mit Bestleistungen würden auch entsprechend belohnt. Die Zahl fünf Prozent wollte Amit Kapur nicht bestätigen. Überdies sei man gerade dabei, in neue und größere Geschäftsräume umzuziehen, "mit viel Platz für Wachstum".

Vorratsdatenspeicherung: Bundestag verwirft Petition

Eine im Internet veröffentliche Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung (Pdf), die von über 12.000 Bürgern unterzeichnet worden war, ist vom Deutschen Bundestag verworfen worden. In dem Ansuchen hatten die Unterzeichner angesichts von Anonymisierungsdiensten auf die Unsinnigkeit der Speicherung von Verbindungsdaten hingewiesen. Der Bundestag begründete seine Ablehnung unter Hinweis auf ein entsprechendes Schreiben des Justizministeriums damit, dass deutsche Anonymisierer ebenfalls der Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung unterlägen. Auf die Existenz ausländischer Anonymisierer, bei denen genau das nicht der Fall ist, gingen die Parlamentarier nicht ein. Was den Initiator Jens Ferner vom "Datenschutz-Blog" der Petition besonders verärgerte: "Man beachte erneut, wie das Parlament (Legislative) vor allem durch Berufung auf ein Ministerium (Exekutive) eine solche Petition abbügelt."

China: Lauschangriff auf Olympiabesucher geplant

Nachdem am Sonntag bekanntgeworden war, dass die chinesische Führung entgegen vorherigen Versprechungen auch für Journalisten während der Olympischen Spiele nur zensierten Internetzugang gewährt, sind jetzt offenbar selbst harmlose Olympiatouristen nicht vor Schnüffeleien sicher. Der republikanische US-Senator Sam Brownback warf Chinas Behörden vor, Hotelgäste in Peking während der Spiele per Internet-Lauschangriff ausspähen zu wollen. Menschenrechtsaktivisten aus China hätten ihn darauf hingewiesen, dass Pekinger Hotels dazu gezwungen würden, entsprechende Überwachungseinrichtungen zu installieren. Das hätten auf Anfrage auch mehrere Hotelketten bestätigt. "Diese Hotels sind über diese Anordnung sehr empört, denn sie bringt sie in die peinliche Situation, ihren Gästen durch Popup-Nachrichten erklären zu müssen, dass die von ihnen besuchten Seiten, Suchbegriffe, jeder einzelne Tastenanschlag von der chinesischen Regierung überwacht werden", so der Senator.

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