Netzwelt-Ticker Journalisten und Blogger veröffentlichen "Internetmanifest"

Eine Gruppe deutscher Journalisten und Blogger hat ein "Netz-Manifest" verfasst, China zieht im Internet mal wieder die Zügel an, in Großbritannien gibt es eine wundersame Vermehrung von Tauschbörsennutzern und ein Apple-Store wird in 31 Sekunden ausgeräumt. Das und mehr im Überblick.

Internetnutzer: Ein aktuelles Manifest fordert einen neuen Netz-Journalismus
ddp

Internetnutzer: Ein aktuelles Manifest fordert einen neuen Netz-Journalismus


Wie gut die neuen Informationsverbreitungswege tatsächlich funktionieren, erfuhren die 15 Erstunterzeichner des " Internetmanifests" gleich nach dem Live-Schalten. Als die "17 Behauptungen" darüber, "wie Journalismus heute funktioniert" am Montag um kurz vor zwölf online gingen, ging der Server gleich darauf in die Knie. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil zu den Unterzeichnern und Mit-Verfassern einige von Deutschlands meistbelauschten Twitterern und Netz-Autoren gehören - der Journalist Mario Sixtus etwa (der "Elektrische Reporter" des ZDF), der Werber, Blogger und Autor Sascha Lobo (der mit dem Irokesenschnitt), "Spreeblick"-Gründer Johnny Haeusler, Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig, "Bildblog"-Gründer Stefan Niggemeier und "Handelsblatt"-Redakteur Thomas Knüwer ("Indiskretion Ehrensache"). Weil sie alle nahezu gleichzeitig auf die 17 Thesen hinwiesen, war die eigens eingerichtete Web-Seite erst mal nicht mehr erreichbar.

Das aber hatte man vorausgesehen: Parallel kann man das Manifest heute etwa im Gruppenblog "Carta" nachlesen, bei Netzpolitik.org und in einer ganzen Reihe anderer Blogs. Die 17 Thesen fassen vieles von dem prägnant zusammen, was die Verteidiger des Netzes in den vergangenen Monaten und Jahren geschrieben und gesagt haben, etwa, dass "die Medien [] ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen" müssten, "statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen". Oder, dass das Netz "gleichförmige Massenware" entlarve: "Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist." Auch gegen das von der Leyensche Filtergesetz sprechen sich die Unterzeichner durch die Blume aus: "Internetzugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit."

cis

Ausweispflicht für Forenkommentare in China

Die chinesischen Behörden sind bekanntlich seit jeher darum bemüht, die Untertanen im roten Riesenreich vor unzulässigen und unzüchtigen Inhalten im Internet zu schützen. Der neueste Streich der IT-Aufsicht gilt Forentrollen und unliebsamen Kommentaren. Wie die "New York Times" berichtet, müssen sich die Besucher von Nachrichtenseiten mit vollem Namen und ihrer ID-Nummer registrieren, wenn sie Kommentare und Beiträge zu Artikeln und in Leserforen abgeben wollen. Bislang war es möglich, Beiträge im Schutz einer mehr oder weniger großen Anonymität abzusetzen, auch wenn die Seitenbetreiber grundsätzlich die IP-Adressen der Schreiber speichern. Doch seit Anfang August müssen sich bisher nicht registrierte Nutzer der News-Seiten den strengeren Regeln zur Anmeldung unterziehen. Staatliche Stellen bezeichneten die neue Vorschrift als Teil von Maßnahmen, die im Netz zu mehr "sozialer Verantwortung" und "Höflichkeit" führen sollten. Wer stets unter seinem eigenen Namen schreibe, der würde auch die entsprechende Zurückhaltung und Sachlichkeit an den Tag legen. Eine These, die übrigens auch schon von deutschen Politikern formuliert worden ist.

Erstaunlicherweise wollen Chinas Behörden den jüngsten Schritt der Internetkontrolle nicht an die große Glocke hängen. Wie ungenannte Quellen aus Medienkreisen berichteten, sei die entsprechende Berichterstattung unterdrückt worden. Ein Grund mag darin zu finden sein, dass die neue Zwangsregistrierung noch nicht wasserdicht ist. So sei es einem Reporter gelungen, sich unter falschem Namen, falscher ID- und Handynummer auf verschiedenen großen Nachrichtenportalen anzumelden. Außerdem, so einer der Nachrichtenchefs, "ist der Einfluss der öffentlichen Meinung auf das Netz immer noch zu groß".

Wie die britische Regierung aus 136 Filesharern sieben Millionen macht

Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast, lautet eine dem einstigen britischen Premier Winston Churchill zugeschriebene Weisheit. Auch die Regierung Ihrer Majestät scheint sich daran erinnert zu haben, als sie ihre Zahlen zur Nutzung von Tauschbörsen publizierte, denen zufolge es in Großbritannien sieben Millionen illegale Filesharer gebe. Die BBC hat sich diese Angaben einmal näher angeschaut und dabei Erstaunliches zutage gefördert. Die Grundlage war eine von der Musikindustrie finanzierte Umfrage unter 1176 Haushalten mit Internetanschluss. 11,6 Prozent der Besitzer, also 136 Personen, gaben an, schon einmal Filesharing-Programme genutzt zu haben. Allerdings wurde diese Zahl gleich auf 16,3 Prozent "aufgerundet", und zwar vor dem Hintergrund der Annahme, "dass nicht jeder, der Tauschbörsen nutzt, das auch tatsächlich zugibt". Danach führten die Autoren der Studie eine einfache Dreisatzrechnung durch und kamen auf der Basis aller britischen Haushalte mit Internetanschluss auf die beeindruckende Zahl von sieben Millionen Menschen, die unerlaubt Raubkopien tauschten.

Wurmplage bei Wordpress-Blogs

Ungeziefer-Alarm am Wochenende bei den Open-Source-Weblogs von Wordpress. In jüngster Zeit und vor allem während des vergangenen Wochenendes gab es zahlreiche Wurmattacken auf die populäre Blogsoftware. Dabei tarnte sich der Angreifer als neu registrierter User und konnte über eine Sicherheitslücke Adminrechte nutzen. Der Wurm tobte sich dann in den Blogbeiträgen aus und löschte Verlinkungen, so dass es plötzlich jede Menge Links ins Nirgendwo gab. Gegen das Problem sind nur die aktuelle Programmversion 2.8.4 und die Vorgängerversion gefeit. Wordpress-Gründer Matt Mullenweg forderte in seinem Blog alle Nutzer seiner Software auf, ihre Blogs möglichst schnell zu aktualisieren, "ein bisschen Upgrade-Arbeit jetzt erspart viel Fixing-Aufwand später". Die Nutzer sollten nicht zögern, zumal die Aktualisierung jetzt wesentlich einfacher und komfortabler vonstatten ginge als noch bei früheren Versionen. Überhaupt sollten Wordpress-Nutzer regelmäßige Aktualisierungen vornehmen. "Das ist die einzig wahre Problemlösung. Das einzige, was euer Blog heute und in Zukunft sichert, ist Upgrading."

SPD-Vorschlag zum Arbeitnehmerdatenschutz trifft auf CDU-Kritik

Wahlkampfgetöse oder doch ernstgemeinter Vorschlag? Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) legte einen Entwurf für ein Gesetz zum Arbeitnehmerdatenschutz vor und erntet viel Gegenwind, beim Koalitionspartner CDU wie auch von Seiten der Opposition. Im Entwurf sind unter anderem enger gefasste Regeln für Arbeitgeber sowie ein Recht von Arbeitnehmern auf Entschädigung enthalten, sollte gegen diese Bestimmungen verstoßen werden. Der Sprecher von Innenminister Schäuble (CDU) kanzelte den Entwurf ab: "Das ist kein Gesetzentwurf, das ist Wahlkampf." Anders die Kritikbegründung des arbeitsmarktpolitischen Sprechers der Unionsfraktion im Bundestag, Ralf Brauksiepe. Der bemängelte im "Tagesspiegel" Scholzens Abweichen vom verabredeten Fahrplan. Man sei sich bislang einig gewesen "dass es bei einer so komplexen Materie nicht möglich ist, noch in dieser Legislaturperiode einen seriösen Gesetzentwurf vorzulegen". Nicht weiter verwunderlich die Kritik vom Arbeitgeberdachverband BDA, der vermehrte Rechtsunsicherheit beklagte. Doch auch die Opposition bemängelte leere Wahlversprechen wie die FDP oder reine Symbolpolitik wie die Grünen. In den Augen des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar fand der Vorschlag des Arbeitsministers immerhin Gnade: "Eine umfassende Regelung des Datenschutzes für Arbeitnehmer und andere Beschäftigte ist überfällig", sagte er. Sie "könnte Konflikten vorbeugen und so eine befriedende Wirkung entfalten".

Außerdem:

Blitzeinbruch: Apple Store in 31 Sekunden leergeräumt

Hilft gegen Seitensprünge: Gemeinsamer E-Mail-Account für Ehepaare

Kanada: "iPod-Steuer" wegen raubkopierter Musik?



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