Netzwelt-Ticker Kauder will Copyright-Sündern das Internet sperren

CDU-Politiker Siegfried Kauder will noch vor Weihnachten einen Gesetzentwurf zu Warnmodellen im Urheberrecht vorlegen. Außerdem im Überblick: Redaktionen können in den Google-News-Algorithmus eingreifen und Mozilla plant längere Firefox-Laufzeit in Ausnahmefällen.
Von Carolin Neumann
Aktion gegen Raubkopierer (2006 in Leipzig): Filesharer sollen bestraft werden

Aktion gegen Raubkopierer (2006 in Leipzig): Filesharer sollen bestraft werden

Foto: DPA

Medienunternehmen und Rechteinhaber drängen die Politik zu besseren Instrumenten gegen Raubkopierer - doch eine geplante Reform des Urheberrechts, der sogenannte "Dritte Korb", lässt seit über einem Jahr auf sich warten. Nun wird Siegfried Kauder, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages, ungeduldig und will ungeachtet etwaiger Pläne des Justizministeriums noch vor Weihnachten ein Gesetz dazu vorschlagen. Das kündigte er vor Vertretern der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) an.

"Wenn ein großes Werk nicht kommt, dann fange ich eben mit einem kleinen an", sagte Kauder gegenüber SPIEGEL ONLINE. Seine Idee: Ein Warnmodell, bei dem Rechteinhaber sich bei den Providern über Copyright-Sünder beschweren. Erst gibt es einen Hinweis, im wiederholten Fall dann Internet-Entzug - ganz ohne Gerichtsverfahren. Verfassungsrechtliche Bedenken hat er dabei nicht, denn die Sperre soll nur für einen kurzen Zeitraum gelten. "Ich denke da an drei Wochen", so Kauder.

Mit diesem Modell will er vermeiden, dass wie bisher das Strafrecht bemüht werden muss, um Copyright-Sünder zu bestrafen. Außerdem sollen so kostenpflichtige Abmahnungen überflüssig gemacht werden. Laut der SPD-Fraktion im Bundestag  hat die Regierung bereits vor einer Weile angekündigt, eine vergleichende Studie zu Warnhinweismodellen in anderen EU-Mitgliedstaaten in Auftrag zu geben - und damit dann wohl auch für Deutschland derartige Möglichkeiten zu erwägen.

Google News bittet Verlage um Nachhilfe

Google schreitet weiter voran mit den Bemühungen, Google News zu einem vollwertigen Nachrichtenangebot zu machen. In einem Blogpost wird nun ein neues HTML-Tag  beschrieben. Redaktionen können es gezielt einsetzen, um besonders herausragende Texte zu kennzeichnen - damit solche Inhalte dann bei Google besonders hervorgehoben werden. Das Tag funktioniert vorerst nur in der US-Version von Google News und ist auch weiterhin nur einer von vielen Faktoren, die der Algorithmus berücksichtigt.

Pinger startet kostenlos-SMS für Deutschland

Yuilop hat es vorgemacht, jetzt kommt der US-Anbieter Pinger  und bietet Mobilfunknutzern in Deutschland einen kostenlosen SMS-Service an. Die Nutzer bekommen dafür eine zweite Handynummer. Damit man Nachrichten verschicken kann, muss man aber auch welche empfangen: Mit jeder erhaltenen SMS füllt sich ein Punktekonto, das Abschicken einer SMS wird mit diesem verrechnet. Für Pinger rechnet sich das, weil Mobilfunkanbieter sich den Nachrichten-Tausch untereinander verrechnen. (ore)

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Pinger: Kostenlos-SMS mit Empfangshunger

Mozilla will Firefox-Version mit Langzeit-Support

Bisher schien Mozilla recht resistent gegen Kritik an seinem beschleunigten Veröffentlichungsrhythmus für Firefox-Versionen. Jetzt reagiert die Stiftung mit einem Vorschlag: eine Browser-Version, die nur alle 30 Wochen  erneuert wird. Mit dem "Extended Support Release" sollen Unternehmen mehr Zeit bekommen, ihre Produkte auf eine neue Version umzustellen. Aktuell veröffentlicht Mozilla alle sechs Wochen eine neue Ausgabe, vor allem Firmen beklagen Probleme mit dem neuen Zyklus.

Auch das noch:

  • Der Europarat macht Empfehlungen zur Netzpolitik . Es geht dem Ministerrat unter anderem darum, dass einzelne Länder nicht durch Filteraktionen und Sperren das Netz überregulieren und damit Grundrechte wie Meinungs- und Informationsfreiheit einschränken.
  • Gerüchteküche: TechCrunch berichtet von neuen Hinweisen , dass Google Docs demnächst in Google Drive umbenannt werden könnte und dann vom Dokumentenordner zum virtuellen Laufwerk wird.
  • Amazon kündigt eine Pressekonferenz für Mittwoch an: Kommt jetzt das Android-Tablet , das Apples iPad Paroli bieten soll?
  • Bei seiner Anhörung im Senat gab Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt Rätsel auf: Er arbeitete mit einem Macbook Air .
  • Ex-Techcrunch-Blogger Michael Arrington nennt sein neues Projekt Uncrunched  und will hier genau wie auf Techcrunch, wo er rausgeschmissen wurde, über Start-ups berichten.
  • Sind Filter-Apps wie Instagram eine Schande für die "echte" Fotografie? Oder nicht eher eine Kunstform für sich? Letzteres haben sich diejenigen gedacht, die in London eine Instagram-Ausstellung  auf die Beine stellten.
  • Google Plus konnte 30 Prozent Zuwachs  verzeichnen, seit das Netzwerk für alle Nutzer geöffnet ist. Die 50-Millionen-Grenze rückt damit immer näher.

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