Netzwelt-Ticker Lizenz zum Quaken

Im Irak gibt es nicht nur Bomben, sondern auch Handylizenzen. Der Kampf gegen das staatliche Wettmonopol geht weiter, Vista sieht in eine traurige Zukunft - das und mehr im Überblick.


Irak versteigert Mobilfunklizenzen

Zur Abwechslung mal interessante Neuigkeiten aus dem Irak, die nicht Terror und Bombentote zum Thema haben: Seit gestern läuft die Versteigerung für drei Mobilfunklizenzen für das arabische Land.

Das Startgebot liegt bei umgerechnet 220 Millionen Euro, die Lizenzen, um die sich insgesamt fünf (ursprünglich sogar elf) Konsortien bewerben, werden eine Laufzeit von 15 Jahren haben. Sie ersetzen die drei nach der US-Invasion vergebenen Konzessionen, deren Inhaber auch jetzt wieder mitbieten.

In jeder Bieterrunde sollen die Gebote um knapp 35 Millionen Euro steigen, auch die auf zunächst 18 Prozent festgelegte Umsatzbeteiligung zugunsten des irakischen Fiskus kann sich dann möglicherweise noch weiter erhöhen. Das Bieterverfahren soll am 20. August abgeschlossen sein.

"Am Ende des Tages wollen wir drei Unternehmen. Die Gewinner können genauso gut neue Bewerber sein wie auch die bisherigen Lizenzinhaber, oder eine Kombination aus beidem", sagte der irakische Kommunikationsminister Mohammed Allawi gegenüber Reuters.

Das Geschäft mit der Mobilfunkerei läuft im Irak nicht zuletzt deshalb so gut, weil das irakische Festnetz immer noch weithin zerstört ist. Nur jeder zwanzigste Bürger verfügt über einen funktionierenden Telefonanschluss, aber jeder vierte telefoniert mit dem Handy. Dass jedoch die Sicherheitslage von den Behörden als recht wacklig eingeschätzt wird, zeigt der Ort der Versteigerung: die wird nämlich nicht im Lande, sondern in der jordanischen Hauptstadt Amman veranstaltet.

HD-DVD-R mit 30 GByte

Die DVD entwickelt sich immer mehr zum dicken Datenspeicher. Silberscheibenhersteller Verbatim liefert pünktlich zur Ifa in Berlin die einseitige "Dual Layer HD DVD-R" aus, die auf ihren beiden Speicherschichten bis zu 30 GByte Datenmaterial unterbringen kann. Das reicht zum Beispiel für bis zu vier Stunden hochqualitatives HD-Filmmaterial.

Die Scheiben entsprechen der Version 2.1 des HD-DVD-Standards und können auch mit einfachem Tempo gebrannt werden. Das heißt, sie lassen sich von ganz normalen, derzeit im Handel befindlichen Geräten wie zum Beispiel von Toshibas erster HD-DVD-Brenner-Generation beschreiben. Das dürfte Computernutzer freuen, haben sie nicht nur Platz für die Aufnahme von High Definition-Fernsehen, auch das Backup größerer Datenmengen wird sehr vereinfacht.

Urteil: Private Sportwetten nicht strafbar - bis März 2006

Futurezone berichtet von einem Urteil des Bundesgerichtshofs zur Vermittlung privater Sportwetten: Der BGH stellte jetzt fest, diese seien zumindest bis März 2006 nicht strafbar gewesen, obwohl schon zu dieser Zeit das staatliche Wettmonopol gegolten hätte. Allerdings sei die Rechtslage zuvor so unklar gewesen, dass Wettanbieter sich in einem "unvermeidbaren Verbotsirrtum" befunden hätten.

Danach hatte das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil das Staatsmonopol mit dem Schutz der Öffentlichkeit vor Spielsucht bzw. massiver Werbung für diese begründet. Im weiteren wollen die deutschen Bundesländer das Internet-Monopol für Wetten mit einem Staatsvertrag absichern und etwaige private Konkurrenten vom lukrativen Markt fernhalten.

Trotzdem hoffen die privaten Internetanbieter auf die Durchsetzung der Marktregeln, und sie setzen dabei auf die EU. Nicht genug, dass die EU-Kommission erst jüngst ihr Missfallen über den Entwurf des Länderstaatsvertrages bekundet hat, schon im März hatte der Europäische Gerichtshof deutlich gemacht, dass das Glücksspiel grundsätzlich unter die Dienstleistungsfreiheit fällt und daher Kartelle oder Monopole, auch solche staatlicher Natur, dagegen verstoßen.

Vista und der St. Nimmerleinstag

Die schlechten Nachrichten über Microsofts neues Betriebssystem Windows Vista wollen nicht abreißen. Nachdem schon das IOC bei der Olympiade in Peking zugunsten des erprobten XP auf Vista verzichtet hat, haben jetzt auch die Marktforscher nichts Gutes zu berichten. Wie Forrester Research in einer Untersuchung herausfand, wollen private Unternehmen die Migration zu Vista noch länger als bisher geplant hinausschieben, weiß Zdnet zu berichten.

Bislang war allgemein angenommen worden, die Umstellung aufs neue Betriebssystem würde pünktlich mit dem Erscheinen des ersten Service Packs vollzogen werden. So wurde das in der Vergangenheit jeweils gehandhabt, weil das erste große Rundum-Update mit den meisten Kinderkrankheiten aufräumt, die bei einer neuen Softwaregeneration unweigerlich auftreten.

Windows Vista: Bisher kein Abräumer
AP

Windows Vista: Bisher kein Abräumer

Doch diesmal scheinen sich viele IT-Manager von diesem Schema zu verabschieden. Grund sind nicht nur die Klagen über mangelnde Abwärtskompatibilität und Stabilität, sondern die Qualität der bisherigen Produkte Microsofts. "Microsoft ist sein eigener Konkurrent", wird Forrester-Analyst Benjamin Gray zitiert. "Die meisten Unternehmen haben in den letzten vier oder fünf Jahren entweder Windows 2000 oder Windows XP benutzt. Die Systeme sind voll entwickelt, geprüft und stabil, so dass es für Microsoft jetzt schwierig ist, mit Vista dagegen anzugehen."

Und das könnte im Klartext bedeuten, dass viele CIOs in den Unternehmen erst dann umstellen, wenn sie unbedingt müssen. Dieser Termin kann ziemlich genau benannt werden: nämlich dann, wenn der Support für frühere Betriebssysteme endet. Das ist bei Windows 2000 das Jahr 2010, für XP endet die Unterstützung Microsofts erst 2014. Bis dahin aber dürfte sich schon längst der Vista-Nachfolger Windows 7 etabliert haben. Irgendwie erinnert das ein wenig an die Geschichte vom Glühbirnenfabrikanten, der pleite ging, weil seine Glühbirnen ewig hielten.

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