Netzwelt-Ticker Lohan und Hilton gehackt, Privatbilder online

Ein neues Handelsabkommen könnte Internetfilter und Datenkontrollen gegen Raubkopien installieren - über konkrete Pläne schweigen EU, USA und Japan sich aus. Umso größer ist der Argwohn von Bürgerrechtlern. Außerdem im Überblick: MySpace-Profile von Paris Hilton und Lindsay Lohan geknackt.


Vertreter der EU, USA, Japans und anderer Staaten (Südkorea, Mexiko, Neuseeland) verhandeln in Genf ein neues Anti-Piraterieabkommen. Das ACTA (für Anti-Counterfeiting Trade Agreement) genannte Handelsabkommen soll, so die Darstellung der Europäischen Kommission, die Verfolgung von Produktpiraterie und Online-Piraterie verbessern. Das Bundesjustizministerium hat heise online bestätigt, dass die Kommission ein entsprechendes Verhandlungsmandat der EU-Mitgliedsstaaten hat.

Zu den konkreten Inhalten des Abkommens, sickern nun langsam mehr oder weniger glaubwürdige Gerüchte durch. William Patry, Copyright-Berater von Google, zitiert anonyme, seiner Einschätzung nach vertrauenswürdige Informanten, die Web-Filtersystem als Teil des ACTA-Verhandlungspakets ausmachen.

Diese Gerüchte passen zu einem angeblichen ACTA-Diskussionspapier, das vorige Woche beim Enthüllungswiki Wikileaks auftauchte. In dem Dokument ist von anlasslosen Kontrollen von Datenträgern beim Grenzübertritt die Rede.

Hacker knackt Profile von Paris Hilton und Lindsay Lohan

Lindsay Lohan: Privatfotos offen im Netz
AP

Lindsay Lohan: Privatfotos offen im Netz

Ein kanadischer Hacker knackt die MySpace– und Yahoo-Profile von Paris Hilton und Lindsay Lohan. Das Boulevard-Blog Valleywag veröffentlicht die dort gefundenen privaten Bilder und zeigt überdies, wie man sich selbst Zugang zum privaten Bereich der Stars verschafft. Beunruhigend sind dabei nicht etwa die vermeintlichen Entblößungen – die Fotos sind regelrecht langweilig – sondern wie einfach der Zugang zum Privatbereich bei MySpace und Yahoo ist. MySpace und Yahoo bieten ihren Nutzern an, innerhalb ihrer Seiten auch auf die Daten des Konkurrenten zugreifen zu können.

Dabei öffneten sich Sicherheitslücken, die Hacker Ng ausnutzte – und die MySpace und Yahoo kurz nach dem Bekanntwerden des Hacks schlossen. Die Lehre: "Was man ins Netz hochlädt, ist nicht privat, sondern öffentlich. Selbst wenn man es durch ein Passwort vermeintlich schützt," so Sicherheitsexperte Jeremiah Grossman in der Zusammenfassung im Cnet-News-Blog.

Übrigens ist Hacker Ng derselbe Kerl, der schon das Profil von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg knackte. Dessen Bilder übrigens auch: Total langweilig …

Google-Werbung: Klagen und Fragen

Googles Anzeigenservice AdWords hat's diese Woche schwer. Erst zieht die ganze Welt über die Experimente mit der Gruselschriftart "Comic Sans" her, und dann kommt's auch noch rechtlich dicke. Eine Frau aus Kalifornien reichte Klage gegen Google ein, weil eine AdWord-Werbeanzeige sie zu einem Ringtone-Anbieter führte, der sie schließlich abzockte. Google habe damit gegen die eigene Werbe-Richtlinien verstoßen, Werbung zu verhindern, die nicht eindeutig auf mögliche Folgekosten hinweist.

Googles Werbeprogramme
Google verdient sein Geld fast ausschließlich mit Werbung - mit zwei nahezu vollautomatisierten Programmen.
AdSense
Mit diesem Programm können Blogger und kleine Unternehmen schnell und einfach Werbeeinnahmen erzielen: Auf ihren Internetseiten erscheinen nur kontextbasierte Suchwörter. Die sind auf den Seiteninhalt abgestimmt. Der Seitenbetreiber erhält pro Klick einen Betrag in US-Dollar gutgeschrieben. Google zahlt ab 100 Dollar Werbeeinnahmen per Scheck in US-Dollar oder als Überweisung in Euro aus. Welches Suchwort wie hoch bewertet wird und wie viel Prozent Google für seine Dienste einbehält, erfährt der Seitenbetreiber nicht.
AdWords
Werbende Unternehmen buchen Suchwörter, die in Google-Suchergebnissen oder auf anderen Internetseiten erscheinen. Das Wort "Orchidee" beispielsweise erscheint nur dann, wenn nach Orchideen gesucht wird oder sich die Web-Seite mit dem Thema beschäftigt. Der Werbetreibende bezahlt nur, wenn ein Nutzer auf das gebuchte Suchwort klickt. Der Preis für jedes Suchwort wird in einem Auktionsverfahren ermittelt. Je beliebter das Wort ist und je weiter oben es in den Suchergebnissen auftauchen soll, desto teurer ist es.

Aber Webaufruhr und Ringtone-Klage hin oder her: Ernsthafte Probleme könnte Google mit einer Klage der Modefirma Louis Vuitton bekommen. Google schalte Anzeigen von einem Anbieter für"Louis Vuitton"-Nachahmungen (die übrigens auch als diese ausgeschrieben wurden), verstoße damit aber gegen Markenrechte. Ein französisches Gericht schloss sich dieser Meinung an, Google legte Berufung ein. Jetzt wird der Fall am Europäischen Gerichtshof verhandelt. Die Problematik ist neu in Europa, das Urteil wird weitreichende Folgen für Google und Konkurrenten im Web-Werbemarkt haben.

Maschine vervielfältigt sich

Noch grinsen die beiden Männer fröhlich, noch scheint ihr Monsterkind ganz harmlos und süß. Eine Rapid-Prototyping-Maschine, die sich gerade zum ersten Mal selbst kopiert hat, wie süß! Doch dank exponentiellen Wachstums könnte der filigrane RepRap, die Kurzform für "Replicating Rapid-prototyper" in nur wenigen Zyklen eine Armee aus Kopien seiner selbst erschaffen. Milliarden Kopierklone kopierten sich selbst bis ans Ende der Welt – oder zumindest bis ans Ende der Rohstoffversorgung. The Guardian kündigte diese Horrorvision euphemistisch als Weihnachtsmaschine an. Wie gut, dass sich die Forscher offenbar einig sind, dass zumindest Nano-Repliziermaschinen nicht als allesfressender Nano-Schleim, als "grey goo"-über die Welt herfallen können. Und im Vergleich zu jenen Mikrorobotern nimmt sich RepRap aus wie ein harmloses Playmobil-Experiment.


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