Netzwelt-Ticker Microsoft, AOL und Yahoo gründen Anzeigen-Pool

Die drei großen Konkurrenten arbeiten sich gemeinsam an Googles Quasi-Monopol ab, Mark Zuckerberg entschuldigt Facebooks Datensammelei mit dem Argument "die andern tun's ja auch". Das und mehr im Überblick.


Im Suchmaschinen-Geschäft ist Google unangefochtener Marktführer. An dieser Lage versuchen nun drei Online-Unternehmen etwas zu ändern. Aller Anfang ist klein, die Kooperation zur gemeinsamen Anzeigenverwaltung ist zunächst begrenzt. Sie soll sich auf bisherige Ladenhüter im Angebot der drei beziehen, die nun erfolgreicher vermarktet werden könnten. Ansonsten aber würde jedes Unternehmen sein Anzeigengeschäft auch weiterhin selbstständig führen und dabei nach wie vor in Konkurrenz zu den neu gewonnen Kooperationspartnern stehen, so wurde mitgeteilt. Dieser Aspekt ist wohl deshalb so wichtig, weil die Beteiligten hoffen, so einem Rüffel der Kartellbehörden zu entgehen. Trotzdem haute AOL-Vizepräsident Ross Levinsohn ordentlich auf die Pauke, als er die Zusammenarbeit der abgeschlagenen Google-Konkurrenten als "fundamentalen Neuansatz" für den Online-Anzeigenmarkt pries. Für Beobachter ist das allerdings nicht viel mehr als Pfeifen im Walde. Der "Sydney Morning Herald" bezeichnete derlei Einschätzungen als "Wunschdenken". Die Dreiergruppe würde wenig an der Entwicklung ändern können, die eindeutig auf eine Zweiteilung des digitalen Anzeigenmarktes zwischen Google und Facebook hinausliefe.

Facebook-Chef Zuckerberg wirft Google und Microsoft Datensammelwut vor

Für Datenschützer und Freunde der Privatsphäre ist das soziale Netzwerk Facebook ein rotes Tuch. Von allen Seiten wird das Unternehmen für seine umfangreiche Datensammlung kritisiert. Doch Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist es nun leid, als Watschenmann dazustehen. Am Montagabend trat er im amerikanischen Fernsehen auf. Dort erklärte er allerdings nicht, wie gut Facebook in Wahrheit sei, sondern, dass die anderen noch viel schlimmer seien. Er verkündete, Microsoft, Google und Yahoo seien wesentlich üblere Datenkraken und würden die Privatsphäre ihrer Nutzer viel weiter verletzen als sein Unternehmen. "Sie sammeln Informationen hinter Ihrem Rücken, sie sammeln diese Riesenmenge an Daten über Sie. Aber Sie wissen es nicht." Facebook werde dämonisiert, dabei habe sein Haus im Unterschied zu anderen nur offen eingestanden, Informationen über seine User zu sammeln und auszuwerten. Im Grunde gehe es um die Kontrolle, die Nutzer über ihren Daten hätten. Und Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg setzte nach, das Social Network sei "der am meisten auf Privatsphäre fokussierte Platz für jeden, um alles zu teilen".

Kampagne gegen frauenfeindliche Trolle

Die Belästigung von Frauen ist ein nicht nur unappetitlicher, sondern unter Umständen durchaus justiziabler Aspekt des Internets. Nur werden derlei Vorkommnisse in der Regel nicht verfolgt und bleiben im Dunkel. Dagegen soll nun eine Online-Kampagne helfen. Unter dem Hashtag #mencallmethings veröffentlichen Journalistinnen, Bloggerinnen und ganz normale Twitter-Nutzerinnen die übelsten Stilblüten, die sie täglich via E-Mail oder in Beitrags-Kommentaren erhalten. Dabei würden "mildere" Begriffe wie "Feminazi" oder "alte Hexe" erst gar nicht zitiert. In die Auswahl schaffen es nur wirkliche harte Sprüche, bis hin zu Androhungen von Gewalt und Vergewaltigung. Suzanne Moore, Kolumnistin des "Guardian", sagte, sie könne manches, von dem, das Männer ihr schrieben, gar nicht wiedergeben: "Es umfasst Zerstückelung, Blut und Exkremente". Wie es um die Online-Kultur bestellt ist, zeigt auch die Auswertung der Kommentare unter einem Blog-Beitrag zum Thema Vergewaltigung. Bloggerin Courtney Stanton aus Boston zählte unter 400 Antworten mehr als ein Viertel, in denen Trolle die Debatte mit dummen Sprüchen bis hin zur Verherrlichung von Vergewaltigungen abzuwürgen versuchten. Es scheint also viel Bedarf für Aufklärungskampagnen zu geben.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt übrigens schon seit einiger Zeit das deutsche Blog hatr.org - auch wenn die dort präsentierten Beispiele häufig nicht ganz so extrem sind wie das, was unter #mencallmethings aufläuft.

Auch das noch:

  • "Word of Warcraft" verliert Spieler. Seit Mai 2011 ging die Zahl der "WoW"-Gamer in aller Welt um zehn Prozent auf 10,3 Millionen zurück. Vor allem im fernöstlichen Markt seien die Rückgänge "massiv", so Mike Morhaime vom Entwickler Blizzard.
  • Adobe gibt Flash auf und konzentriert sich künftig auf HTML5. Das zumindest entnimmt Zdnet der Gerüchteküche. Im Einzelnen heißt es, die weitere Entwicklung werde eingestellt. Damit nicht genug: Die Software-Schmiede kündigte auch Entlassungen an. Aus Gründen der Kostenreduzierung würden in Amerika und Europa von den insgesamt 9100 Arbeitsstellen 750 wegfallen.
  • Laut Studie schickt jeder dritte Online-Käufer Ware zurück. Ein Hamburger E-Business-Unternehmen will herausgefunden haben, dass 34 Prozent der Online-Shopper erworbene Waren wieder zurückgehen lassen. Die Produkte entsprächen häufig nicht den online gezeigten Abbildungen. Am höchsten sei die Rückgabe-Rate bei Kleidung (jedes zweite Stück gehe zurück) und Möbeln (jeder fünfte Online-Käufer schicke Wohnartikel wieder retour).
  • Wichtigste Online-Anfrage an Bundesregierung ist Hanffreigabe. Mehr Bürgerbeteiligung wünscht sich die Bundesregierung und hat einen YouTube-Kanal eingerichtet, auf dem Interessierte ihr Anliegen an Kanzlerin Angela Merkel hinterlassen können. Dabei hat der Vorschlag für die Freigabe von Cannabis-Produkten mit Abstand die meiste Zustimmung erhalten.
  • Das iPad als Wahllokal. Im US-Bundesstaat erleben Wahlcomputer einen neuen Frühling. Allerdings nicht mehr in Form stör- und manipulationsanfälliger Maschinen vom alten Schlag. Zumindest für Behinderte, die es nicht ins Wahllokal schaffen, gibt es jetzt die Möglichkeit, ihre Stimme via iPad abzugeben. Dazu rücken Wahlhelfer mit Plattrechnern und tragbaren Druckern aus und helfen in Altenheimen oder Krankenhäusern denen, für die das übliche Verfahren mit Wahlzetteln zu schwierig geworden ist.
  • Versteckter Panorama-Modus in iOS 5. Ein Entwickler hat genauer hingeschaut und im Quellcode von Apples neuem Mobil-Betriebssystem versteckt eine Panorama-Funktion für die Kamera-App gefunden. Mittels Jailbreak können auch Otto Normal-User diese Erweiterung nutzen.
  • Wenn Identitätsdiebe Lagerhaltung betreiben. Heute klauen, ein halbes Jahr später benutzen - äußerst perfide, weil die auf diese Weise kaltgewordenen Spuren nur noch sehr schwer zu den Tätern zurückverfolgt werden können.

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