Netzwelt-Ticker Microsoft kurz vor Einigung mit EU

Kurz vor Toresschluss gibt Microsoft nach und macht weitgehende Zugeständnisse, was die Browser-Wahlfreiheit angeht. Die wahre Schweinegrippe-Pandemie wütet auf Rechnern, Google übersetzt alles, und das echte iPhone ist in China ein echter Ladenhüter. Das und mehr im Überblick.

Fittkau & Maaß

Gut möglich, dass durch die Flure der Microsoft-Konzernzentrale in Redmond gerade ein hörbares Aufatmen geht. Denn der Software-Riese steht im Streit um die Nutzung des Internet Explorer kurz vor einer Einigung mit der EU. Deren Wettbewerbsbehörde hatte wiederholt kritisiert, Microsoft missbrauche seine Windows-basierte Marktmacht, um den IE im Komplettpaket mit in den Markt zu drücken. Darüber hatten sich die Anbieter anderer Browser wie Opera beschwert. Nun drängt die Kommission darauf, ein Monopol zu beenden, dem der Markt längst den Garaus gemacht hat: In Europa konkurrieren Explorer und Firefox auf Augenhöhe, in Deutschland hat Firefox den Microsoft-Browser sogar schon überholt.

Die Kommission bleibt jedoch bei ihren Auflagen für Microsoft. Nun sollen Kunden nach der Windows-Installation auswählen können, welchen Browser sie verwenden möchten. Dabei informiert Windows nicht nur über alternative Browser, sondern bietet sie auch an, ohne dabei den hauseigenen IE zu bevorzugen, so die Vereinbarung, wie "Dow Jones" meldet. Mit diesen Verbesserungsvorschlägen, die sowohl von der EU-Wettbewerbskommission als auch der klagenden Microsoft-Konkurrenz akzeptiert wurden, könnten die Redmonder noch diesen Monat einen leidigen Streit beenden.

Denn Microsoft entgeht damit der Gefahr einer saftigen Strafe aus Brüssel, wie sie in Fällen von Wettbewerbsverletzungen verhängt werden - gern auch in dreistelliger Millionenhöhe.

Besseres Kauderwelsch

Google hat begonnen Weben eine automatische Übersetzungsfunktion in ihrer universellen Suchdienst: So klingt das, wenn man den ersten Satz einer aktuellen englischen Meldung der Agentur AFP durch das neue "Translated Search"-Feature von Google schickt. Krumm, wie so oft bei automatischen Übersetzungen, aber man ahnt, worum es geht. Gedacht ist das kleine Werkzeug auch nicht, um damit Texte zu übersetzen - das macht Google seit langem, mit lustigen Resultaten. Es soll Suchanfragen in Fremdsprachen erleichtern, macht dies mit Hilfe von Ergebnisvorschlägen, die man dann noch editieren kann - eine Art Mini-Übersetzer mit eingebautem Wörterbuch.

Wie gut das ist? Genauso gut wie die Standard-Übersetzung via Google, denn die Ergebnisse sind identisch, wie Stichproben zeigen. Da möchten wir Ihnen zur Verdeutlichung den Rest der AFP-Meldung nicht vorenthalten:

"Eine neue 'übersetzt Suche nach' Tool ermöglicht den Menschen einen direkten Google die Ergebnisse von Web-Seiten in einer Reihe von Sprachen geschrieben zu suchen und dann Ergebnisse liefern, in der bevorzugten Sprache eines Nutzers. Die Funktion wurde unter dem Google Translate Service, sondern ist ein Teil von der in Kalifornien ansässigen Internet-Unternehmens wichtigsten populären Suchmaschine.

'Nun, wenn Sie die Suche mit Google nach etwas in Ihrer eigenen Sprache, können Sie dieses Tool verwenden, um das Web in einer anderen Sprache zu suchen', Google technischen Vorsprung Maureen Heymans und Produkt-Manager Jeff Chin schrieb in einem Blog-Post. 'Wir integrieren sind sie vollständig in die Google-Suche, so dass es einfacher für Sie zu finden und zu lesen, Ergebnisse von Seiten im Netz, auch wenn sie nicht in einer Sprache sprechen Sie geschrieben wurden.'

Das Tool kann in einem Menü finden offenbart, indem Sie auf 'Optionen anzeigen' am oberen Rand einer Google-Suchergebnisseite angezeigt. Suchbegriffe werden in Sprachen, die relevant erscheinen wie Französisch und Niederländisch für eine Abfrage über Belgien übersetzt und Web-Seiten zu finden sind in der Sprache des Suchenden präsentiert.

'Wir werden algorithmisch wählen Sie die beste Sprache (n) Ihre Suchanfrage in das zu übersetzen und dann kehren Sie übersetzte Ergebnisse von diesen Seiten', sagte Heymans und Chin. 'Wir wollen auch zeigen Ergebnisse von mehreren Sprachen.'

Suchende können sich für Web-Seiten in einer von 51 Sprachen. Das Tool werden die Ergebnisse von bis zu fünf Sprachen anzeigen zu einer Zeit, nach Google."

Alles verstanden?

Neben dem Übersetzungswerkzeug hat Google auch noch eine Lexikonfunktion integriert - auf Wunsch kann man Begriffe nun direkt vom Suchfenster aus nachschlagen. Das Lexikon versteht auf Deutsch allerdings weder Umlaute noch andere Sonderzeichen wie 'ß'. Eine Suche nach "Fußball" ergibt in der deutschen Version daher kein Resultat. Bei anderen Suchbegriffen wird in der deutschen Version derzeit ebenfalls, anders als in der englischen Ausgabe, nicht auf eigene Bestände zurückgegriffen - stattdessen wirft die Suchmaschine frei verfügbare Lexikoneinträge aus, allen voran natürlich die der Wikipedia. Alles fast wie früher also. Denn Wikipedia-Einträge landen ohnehin bei vielen Google-Suchanfragen ganz oben in der Ergebnisliste.

pat/cis/AFP

Schweinegrippen-Trojaner ist ansteckender als das Original

Aus mehreren Ländern kommt inzwischen Entwarnung, was Ansteckungszahlen und Virulenz der Schweinegrippe betrifft, nur nicht aus Digitalien. Zwar können Computer weder niesen noch Fieber bekommen, trotzdem führt die Krankheit mittelbar zu infizierten Rechnern. Anstelle der Tröpfchen- tritt hier die Bitchen-Infektion, der Hauptverbreitungsweg ist die klassische Kombi von Spam-Mail und Virenscript-Web-Seite. Die Methode ist bekannt: Ein vermeintlicher seriöser Absender verschickt Nachrichten, die eine schnelle Reaktion einfordern - wer reagiert, fängt sich dann die Infektion.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC ist das jüngste Opfer dieser rufschädigenden Masche. Derzeit sind E-Mails im Umlauf, die die Empfänger zur Registrierung auf der Web-Seite eines vermeintlichen H1N1-Impfprogramms der CDC auffordern. Wer diesem Aufruf folgt, fängt sich dabei mit Zbot einen Trojaner ein, der eines der aktivsten Botnetze unterstützt, berichtet "Ars Technica". Schlimm genug, dass die Malware als Spamverteiler arbeitet, Zbot fügt seinen Wirtsrechnern und deren Besitzern noch zusätzlichen Schaden zu, indem er vertrauliche Daten sammelt und nach Hause funkt.

Diese neueste Zbot-Version ist nach Angaben der IT-Sicherheitsfirma Sunbelt Software seit Anfang der Woche unterwegs und verbreitet sich inzwischen geradezu explosionsartig. Schon im November habe der Trojaner mit sechs Prozent aller Infektion den zweiten Platz auf der Liste der Schadprogramme eingenommen.

Asiens größter Online-Auktionator verkauft fünf iPhones in zwei Wochen

Die Bäume wachsen für den Unterhaltungselektroniker Apple in China nicht in den Himmel. Wie kurz sie tatsächlich bleiben, beleuchten die Verkaufszahlen des "chinesischen eBay" Tabao.com für das iPhone. Apples Kulthandy ging seit seinem Verkaufsstart beim größten Online-Händler Asiens vor zwei Wochen ganze fünf Mal über den virtuellen Tresen: Zwei 8 GB-Geräte und drei mit 16 GB Speicherkapazität wurden verkauft.

Die Kaufunlust im Reich der Mitte könnte einige sehr konkrete Gründe haben. Vor allem der Preis von umgerechnet 680 Euro für ein vertragsfreies iPhone 3GS dürfte abschreckend wirken, zumal vom grauen Markt in Hongkong identische Geräte schon für 530 Euro zu haben sind, wie die "PC World" berichtet. Außerdem verhagelt der Zensureifer der chinesischen Behörden das Geschäft zusätzlich. Um die Untertanen im roten Riesenreich vor unliebsamen Inhalten im Internet zu schützen, ist es in den Augen der Regierung am besten, den Zugang ins Netz streng zu reglementieren. Mit der Folge, dass das iPhone in China ohne W-Lan-Fähigkeit daherkommt, sehr im Unterschied zu den ins Land geschmuggelten Geräten.

Und dann gibt es da neben den Sonderangeboten vom Graumarkt noch die sonderbaren Angebote: Wohl nirgendwo finden mal mehr, mal weniger überzeugende iPhone-Klone so große Verbreitung wie in China.

Handy-TV in Österreich ein Flop

Auch in Österreich gibt es beim Thema Handy bei manchen lange Gesichter. Der vor drei Jahren zur Fußball-EM mit großem Tamtam gestartete DVB-H-Modus für Fernsehen auf dem Handy blieb weit hinter den Erwartungen zurück, was die erreichten Nutzerzahlen angeht. DVB-H sei bislang ein ökonomischer Flop, so die österreichische Regulierungsbehörde laut "Teltarif.de". In einer Studie wurde als eine der Ursachen das recht schmale Angebot an geeigneten Geräten genannt, nun sollen technische Aufrüstung und Modelle zur Refinanzierung auf Reklamebasis das Projekt ans Laufen bringen.

Nokia streicht Handy-Palette zusammen

Im Kampf um Marktanteile ist der finnische Handyhersteller Nokia zuletzt gegenüber der Konkurrenz von Apple und RIM ziemlich ins Hintertreffen geraten. Allein im letzten Quartal schrumpfte der Weltmarktanteil der Skandinavier bei Smartphones von 41 auf 35 Prozent. Das soll ein Ende haben, und eine der Maßnahmen zur erfolgreichen Aufholjagd soll eine geschrumpfte Produktpalette sein. Von den noch 2009 angebotenen 20 unterschiedlichen Modellen soll schon im nächsten Jahr nur noch die Hälfte übrigbleiben. Analysten zufolge sei dieser Schritt sinnvoll, allerdings müssten die Nokia-Verantwortlichen bei der Reduzierung der Angebotsbreite darauf achten, die Balance zu halten. Immerhin "war die breite Produktpalette in der Vergangenheit einer ihrer wichtigsten Wettbewerbsvorteile", zitiert "Reuters" einen Analysten.

Federleicht: Google testet YouTube light

Nicht jeder ist mit einem modernen Computer, fetter Festplatte und superschnellem Prozessor im Netz unterwegs. Aber die Besitzer älterer Schätzchen stoßen schnell an Kapazitätsgrenzen, was beim Surfen zum Teil lange Ladezeiten zur Folge hat.

Extra für die Nutzer schwächerer Geräte gibt es jetzt eine Schmalspurversion der Videoplattform YouTube namens "YouTube Feather". Indem alle nicht notwendigen Features wie Playlist, Weiterempfehlen oder Quicklist weggelassen wurden, haben die Macher den Ladeaufwand auf zehn Prozent der ursprünglichen Datenmenge reduziert. Um das federleichte YouTube zu nutzen, ist kein Google-Account erforderlich. Jeder Surfer kann das Feature nutzen, dazu muss er es nur durch ein Opt-in aktivieren.

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