Netzwelt-Ticker Microsoft stopft Browser-Lücke, Experten finden neue

Seit 17 Jahren schlummert in Windows-Systemen angeblich ein garstiger Bug - Microsoft prüft und stopft derweil Lücken im Internet Explorer. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Apple ruft zum Boykott einer Öko-Petition auf, Streit um Obama-App, und Facebook verstößt Microsoft.

XP-Logo: Angeblich klafft in allen Windows-Systemen eine seit 1993 unentdeckte Lücke
AP

XP-Logo: Angeblich klafft in allen Windows-Systemen eine seit 1993 unentdeckte Lücke


Ein 17 Jahre alter Fehler im Kern des Windows-Betriebssystems macht Microsoft und Administratoren gleichermaßen zu schaffen. Wie "The H Security" mitteilt, können Angreifer über diesen Fehler volle Zugriffsrechte auf einen ansonsten nur eingeschränkt nutzbaren Computer bekommen.

Das Google-Sicherheitsteam habe den Fehler gefunden, Microsoft aber ignoriere das Problem. Für Heimanwender ist das nicht weiter dramatisch: die loggen sich, was Sicherheitsexperten frustriert, meist eh als Administrator in ihr Windows ein. In einer Firma bedeutet das jedoch, dass jeder Büro-DAU (Dümmster Anzunehmender User) sein eigener Administrator werden und entsprechend Schaden im System anrichten könnte. Der Fehler, erklärt "The H Security", stecke in der Virtual DOS Machine (VDM) und betreffe alle Windows-Versionen seit Windows NT 3.1, sogar das neuste Windows 7. Ein Microsoft-Sprecher kommentiert trocken: Wir untersuchen das Problem - und beheben es gegebenenfalls.

Microsoft-Programme haben - ob zu Recht oder Unrecht, sei dahin gestellt - mit einem Ruf als Schweizer Software-Käse zu kämpfen. So warnte das Unternehmen selbst vor der Nutzung des löchrigen, von Web-Programmierern gefürchteten, Internet Explorer 6: Ein Fehler im Browser-Programmcode war Einfallstor der aufsehenerregenden Angriffe gegen Google und die US-Militärzulieferer. Da der IE6 aber noch in vielen Unternehmen eingesetzt wird, ist an eine globale, schnelle Abkehr vom Gefahrenbrowser nicht zu denken. Ein Patch soll's lösen.

Ein "Außer-der-Reihe"-Update für die aktuelle Sicherheitslücke sei deshalb am frühen Abend des 21. Januars 2010 via Windows Update zu haben. Gestopft wird die Lücke auch in neueren Browser-Versionen.

Apple-Vorstand: Hände weg von der Öko-Petition!

Apples Vorstand hat einem Bericht von Greenercomputing.com zufolge keine Lust auf grüne Reformen: Das Unternehmen ruft die Aktionäre auf, ihre Unterschrift nicht unter zwei Petitionen der "Umweltgruppe As You Sow" zu setzen. Die will Apple mit der Aktionärsaktion eine umweltfreundlichere, nachhaltigere, verantwortungsvollere Firmenpolitik aufzwingen.

Den Anfang soll ein Nachhaltigkeitsbericht machen, den das Unternehmen bis Juli 2010 erstellen soll. As You Sow wirft Apple hinsichtlich des Umweltschutzes eine Verweigerungshaltung vor: 2700 Firmen, darunter viel Apple-Konkurrenz, gäben bereits regelmäßig Umweltberichte heraus. Jetzt sei auch Apple gefragt, detailliert zu veröffentlichen, wie man etwa die Emission von Treibhausgasen senken und diverse Sozial- und Umweltthemen angehen wolle.

Obama-App: Streit um Präsidenten-Privatsender

Regierung 2.0 oder Propaganda 2.0? Diese Frage stellen sich Kritiker einer iPhone-App, die das Weiße Haus veröffentlicht hat. Das iPhone-Programm soll ein Fenster ins Regierungsgeschäft sein: Es versammelt die Webangebote der Regierungswebsite Whitehouse.gov: Blog, Videostreams von Präsidenten-Ansprachen, Pressekonferenzen, … Die Veröffentlichung der App kurz vor der "State of the Union"-Ansprache Präsident Obamas, unterstützt die App-Kritiker in ihrer Ansicht, das Programm sei in Wirklichkeit eine Propaganda-Maßnahme. Damit könne der von Machtkrisen gebeutelte Obama auf Schritt und Tritt in US-Bürgers Hosentasche lauern, seine Botschaften direkt ins Volk projizieren. "Unter dem Deckmantel der verbesserten Zugänglichkeit," fabuliert Fastcompany.com, "riecht es nach Propaganda." Bei so viel Kritik bleibt einem deutschen Bürger doch die Spucke weg. Hiesige Versuche, sich übers Internet dem Volk anzudienen, werfen eher Fragen bezüglich einer Gegenpropaganda-Maßnahme auf.

PaidContent.org: Abstimmung über Jahresabo

Guardian News & Media, der Verlag der britischen Tageszeitung "The Guardian", erwägt ein Bezahlmodell für seinen Fachdienst PaidContent.org (Untertitel: "Die Ökonomie der Inhalte"). Von den Website-Besuchern will der Verlag derzeit erfahren, welche Zusatzangebote sie interessieren und was sie von einem Jahresabo für 249 britische Pfund halten. Der "Press Gazette" sagte eine Guardian-Verantwortliche, dass man keine konkreten Pläne hege, sondern nur Möglichkeiten ergründe.

Online-Werbung: Facebook versucht es ohne Microsoft

Nur zwei Jahre, nachdem Microsoft 240 Millionen Investment-Dollar in das soziale Netzwerk gepumpt hat, setzt Facebook den Werbe-Partner Microsoft nach und nach vor die Tür. Nachdem Microsoft in einigen Regionen der Welt schon nicht mehr wie gewohnt Banneranzeigen auf Gruppen- und Fotoseiten von Facebook vermitteln darf, droht dem Unternehmen jetzt auch das Werbe-Aus im Werbegroßmarkt USA. Ein Analyst bezeichnet das bei Bloomberg.com als "blaues Auge" für Microsoft. In Redmond sieht man das gelassener: Die drohenden Ausfälle bei Facebook wolle man mit Werbeeinnahmen bei anderen sozialen Netzwerken wieder wettmachen.

Hintergrund: Facebook, wie zuvor schon Google, hat herausgefunden, wie man mit cleveren, interaktiven und vor allem irgendwie dem Surfer nützlichen Werbeanzeigen mehr Erfolg hat, als mit dem alten Modell des grafischen Banners. Solch altbackene, nervige Anzeigen stören nicht nur den Surfer, sondern rauben auch gewinnträchtigereren Anzeigen den Platz - so die Eigenwerbung der Textanzeigen-Vermarkter.

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chu84k4 21.01.2010
1. Bugs nicht kennen und Bugs nicht fixen sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Zitat von sysopSeit 17 Jahren schlummert in Windows-Systemen angeblich ein garstiger Bug - Microsoft prüft und stopft derweil Lücken im Internet Explorer. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Apple ruft zum Boykott einer Öko-Petition auf, Streit um Obama-App und Facebook verstößt Microsoft. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,673179,00.html
Man sollte den Bug unter Denkmalschutz stellen ;-).
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