Netzwelt-Ticker Microsoft verschenkt Sicherheitssoftware

Die Redmonder Software-Schmiede verschenkt die Sparversion des bislang kostenpflichtigen "OneCare", mit einem Klick holt man sich mit Pech die Polizei ins Haus, und Italiener sollen mehr arbeiten, statt Zeit in Netzwerken zu verplempern. Das und mehr im Überblick.


Gleich zweimal reiben sich die Kenner des Software-Riesen aus Redmond die Augen: Nicht nur dass ausgerechnet Microsoft sich unter die Anbieter von Anti-Viren-Software mischt, ein neues Sicherheitspaket soll auch noch gratis unter die Leute. Unter dem Codenamen "Morro" soll das Angebot ab der zweiten Hälfte 2009 vor allerlei virtuellen Schädlingen schützen und das bislang kostenpflichtige "Windows Live OneCare" ersetzen.

Mac-Klon: Vorläufiges Ende des juristischen Hickhack

Mac-Klon: Vorläufiges Ende des juristischen Hickhack

"Viele Konsumenten kümmern sich nicht um die Bedrohung durch Schadsoftware, der Anteil derer, die keine Anti-Viren-Programme nutzen oder sie nicht updaten, übersteigt mittlerweile 50 Prozent", so Amy Barzdukas von Microsoft zu "Cnet". Das ist nicht nur schlecht für die Konsumenten, sondern auch für Microsoft: Nachrichten über abgeschossene Rechner und Schäden durch Virenbefall lassen auch Microsoft regelmäßig schlecht dastehen. Überdies soll Morro auch auf kleineren und schwächeren Rechnern laufen. Eine Zielgruppe, die vom ressourcenfressenden Kommerzangebot vernachlässigt werde.

Die Bezahlkonkurrenz sieht's derweil mit einem müden Lächeln. Der Schritt zum Gratisangebot markiere nicht weniger als die Kapitulation Microsofts, so das Sicherheitsunternehmen McAfee. Microsoft sei im Security-Bereich mit seinem OneCare nie über einen Markanteil von zwei Prozent hinausgekommen. Das werde sich auch mit dem abgespeckten Sicherheitsprogramm nicht ändern, das den Sicherheitsbedürfnissen der Konsumenten ebenfalls nicht gerecht werde.

Geklonte Macs: Psystar-Klage gegen Apple abgewiesen

Im Rechtsstreit zwischen Apple und dem Mac-Klon-Hersteller Psystar hat ein kalifornisches Gericht die Klage Psystars gegen Apple zunächst abgewiesen. Damit ist das juristische Hickhack, das mit der Klage Apples wegen unerlaubten Mac-Nachbaus begonnen hatte, an ein vorläufiges Ende gekommen.

Auf den Vorwurf des Urheberrechtsverstoßes antwortete Psystar mit der Gegenklage, Apple verhalte sich wettbewerbsfeindlich, weil es seine Macs nur zusammen mit dem Betriebssystem aus eigenem Hause anbiete. Das verstoße gegen amerikanische Kartellgesetze. Dem zwischenzeitlich zwischen den Kontrahenten gefundenen außergerichtlichen Vergleich war offensichtlich keine Dauer beschieden, Psystar hat jetzt 20 Tage Zeit, seine Klage zu erweitern und Argumente für seine Vorwürfe zu liefern.

Vorsicht, Link: ein Klick, Hausdurchsuchung!

Einmal falsch geklickt, schon trommelt die Polizei an die Haustüre und stellt die Wohnung auf den Kopf. Klingt unglaublich, ist aber einem Besucher des Web-Speicherdienstes Rapidshare so passiert. Der Mann klickte den Link zu einer nichtsagenden Datei an, hinter der sich ein Film mit kinderpornografischem Inhalt verbarg.

Davon wusste der Mann jedoch eigenen Angaben zufolge nichts, und der Dateiname "11YYY16/PTN.rar.html" ließ beim besten Willen nicht auf strafbewehrten Inhalt schließen. Trotzdem reichten diese Voraussetzungen zu einer Hausdurchsuchung durch die Polizei aus.

Bedenklich an der Angelegenheit sei zweierlei, so Rechtsanwalt und Blogger Udo Vetter. Zum einen wird "deutlich, wie gering die Anforderungen an einen Tatverdacht mittlerweile sind". Außerdem schütze niemand potentiell Beschuldigte vor manipulierten Tatvorwürfen. Sich einen "Beschuldigten beliebig selbst zu basteln", sei ein "Kinderspiel".

Italiens Arbeitgeber gegen Facebook

Ob zu Recht oder nicht, Italiens Büroangestellte stehen nicht im Ruf überbordenden Fleißes. Das ist mit dem Aufkommen sozialer Netzwerke nicht besser geworden, die wie überall auf der Halbinsel mit großer Begeisterung auch während der Arbeitszeit genutzt werden. Mittlerweile ist das immer mehr Arbeitgebern ein Dorn im Auge, die nun mit Verboten gegensteuern wollen.

Manche sperren den Zugang zu Facebook und Co. aus den unternehmenseigenen Netzen komplett, so zum Beispiel die italienische Post. Die Stadtverwaltung von Neapel versucht es hingegen mit einem rationierten Zugang und gestattet ihren Beschäftigten pro Tag eine Stunde Netzwerken, aufgeteilt in zehnminütige, über den Tag verteilte Portionen, berichtet "La Repubblica".

Wieder andere erlauben nur einen Blick auf die Seiten der Networks zu werfen, lassen aber keine Interaktionen zu. Jedoch gilt auch und gerade in Italien: keine Regel ohne Ausnahme. Beim Autohersteller Fiat trifft man wider Erwarten auf große Offenheit gegenüber sozialen Netzwerken, zumindest in einigen Abteilungen wie beim Marketing. Hier schätzt man den Gedankenaustausch. "Ohne diese Seite würden wir bloß die Hälfte arbeiten", so ein Fiat-Mann.

Social Networks als Quelle für Interpol

Auch andernorts werden Social Networks sehr geschätzt, erleichtern sie doch von Berufs wegen Neugierigen ihr Geschäft ganz ungemein. Auf der Suche nach bösen Buben durchforstet Interpol auch gezielt Seiten wie Facebook oder YouTube, in denen Nutzer ungefragt die unterschiedlichsten Informationen vor aller Welt ausbreiten.

Das kürze Recherche- und Ermittlungswege teilweise deutlich ab. "Soziale Netzwerke verändern die Art des gegenseitigen Umgangs der Menschen miteinander, und das eröffnet der Strafverfolgung viele Gelegenheiten", so Interpol-Generalsekretär Ronald Noble auf einer Interpol-Konferenz, die im Vorfeld der Fußball-WM 2010 im südafrikanischen Johannesburg stattfindet.

Außerdem:

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.