Netzwelt-Ticker Militär-Drohnen sollen Gesichter erkennen

Das US-Militär entdeckt die automatische Gesichtserkennung für das Schlachtfeld und diskutiert ethische Fragen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Staatliche Hacker knacken schon wieder eine Wahlmaschine und Google bekommt eine neue Chance für die US-Regierungs-Cloud.

Iris-Scan eines Irakers durch US-Militär: Die Armee prüft den Biometrie-Einsatz
AFP

Iris-Scan eines Irakers durch US-Militär: Die Armee prüft den Biometrie-Einsatz


Das US-Militär entdeckt die automatische Gesichtserkennung für das Schlachtfeld: Laut Networkworld.com stellten Forscher auf der Biometrics Consortium Conference gleich mehrere Prototypen für Systeme zur Gesichtserkennung vor, die zur automatischen Freund/Feind-Identifikation eingesetzt werden sollen. In naher Zukunft könnten damit etwa Drohnen unbemerkt aus der Ferne Personen auf dem Schlachtfeld mit einer zuvor erstellten Freund/Feind-Datenbank abgleichen.

"Biometrische Daten im Geheimen aus der Ferne zu sammeln - dafür gibt es Dutzende Techniken, mit denen das möglich wäre," erklärte Mark Swiatek, Major der US Air Force auf der Biometrie-Konferenz in Tampa, Florida. "Sie werden in den nächsten Jahren einsatzbereit sein."

Der Einsatz solcher Systeme ist ethisch höchst fragwürdig, immerhin würde die Entscheidung über Leben und Tod einer Maschine überlassen. Selbst wenn ein Mensch auf Basis der Software-Vorschläge entscheiden würde, müsste er sich auf die Zuverlässigkeit des Systems und der zuvor gesammelten Daten verlassen. Die Frage ist klar: Wie gut müssen diese Systeme sein, bevor man ihnen vertrauen kann? Darf man das überhaupt? Swiatek mahnte auf der Konferenz zur Vorsicht: Vielleicht sollte man die Verbreitung automatisierter System langsamer angehen - zuerst müssten die ethischen und rechtlichen Fragen beantwortet sein.

Hacker knacken (mal wieder) Wahlmaschinen

Sicherheitsforscher des Argonne National Laboratory des US-Energieministeriums haben einen sogenannten Man-in-the-Middle-Angriff auf Diebolds AccuVote-Wahlmaschinen demonstrieren können. Die Forscher pfropften dafür einen Schaltkreis (aus Bauteilen für nur 26 Dollar) auf den Wahlcomputer auf, der sich in die Stimmabgabe eines Wählers einmischt.

Nach der Wahlmanipulation könne dieser Schaltkreis spurenlos wieder entfernt werden, erklärt Brad Friedman, einer der Forscher bei Salon.com. "Wir glauben, dass diese Man-in-the-Middle-Angriffe wahrscheinlich bei einer Vielzahl elektronischer Wahlmaschinen möglich sind", erklärt Teamleiter Roger Johnston. Der Hack soll zeigen, dass die elektronische Wahl noch mit erheblichen Risiken verbunden ist.

Googles neue Chance für die Regierungs-Cloud

Google hat sich außergerichtlich mit dem US-Innenministerium auf die Neuausschreibung eines 49,3-Millionen-Dollar-Auftrags für eine Cloud-basierte E-Mail-Lösung geeinigt. Weil das Ministerium den Auftrag angeblich ohne Ausschreibung direkt an Microsoft vergab, klagte Google im vergangenen Jahr. Der Prozess, mit dem Google dem Konkurrenten Microsoft den Regierungsauftrag abjagen wollte, geht nun auf Bitten Googles zu Ende, bevor es spannend wurde. Offen bleibt laut Wired.com nun eine eher kuriose Frage: Gab es wirklich eine Abmachung zwischen Google und dem Innenministerium - wie Google behauptet - oder nicht - wie es aus Gerichtsunterlagen des Ministeriums hervorgeht?

Was ansonsten am Donnerstag in der Netzwelt wichtig war



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.