Netzwelt-Ticker Montgomery kauft "Netzeitung"

Der Medieninvestor Montgomery kauft die "Netzeitung". Das Game "Resistance: Fall of Man" düpiert die anglikanische Kirche. Und ein Kreationist führt neben Anti-Evolutions-Debatten eine Softporno-Website. Diese und weitere Themen im heutigen Netzwelt-Ticker.

Von Sönke Jahn


Übernahmen ohne Ende

Übernahmen sind ja in der IT- wie in der Medien-Branche keine Seltenheit; aber die "Netzeitung" schießt hier klar den Vogel ab - vielleicht, weil sie irgendwie beiden Welten angehört? Sechs verschiedene Eigner hatte das Internetmedium in sechseinhalb Jahren. Erst gehörte sie der Internetfirma Spray; von dort aus wechselte sie über Lycos zur Fachverlagsgruppe Springer, von dort in die Hände von "Netzeitung"-Gründer Michael Maier, dann zu Orkla ASA und nun, schließlich, ist die Verlagsgruppe des Finanzinvestors David Montgomery der Eigentümer. Der Kaufvertrag wurde vorigen Freitag in Berlin unterzeichnet. Er steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts und wird voraussichtlich im Juli 2007 rechtskräftig.

Chronischer Übernahmekandidat: Die "Netzeitung" gehört jetzt Montgomery

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Nicht nur wechselt damit erneut der Besitzer der Internet-Zeitung, auch deren übergeordnete Strategie ändert sich zum wiederholten Mal. Laut "Financial Times Deutschland" überlegt die neue Führung, Nachrichtenlieferant für Gratiszeitungsprojekte zu werden und ihr Angebot verstärkt auf mobile Medien auszuweiten. Auch strukturell wird die "Netzeitung" überarbeitet: Mit dem Medium gekoppelte Seiten wie das Medizin-Onlineangebot "Netdoktor.de", der IT-Fachdienst "Golem.de" und die Autoseite "Autogazette.de" bleiben vorläufig erhalten; die Beteiligung an dem Berliner Radiosender 100,6 Motor FM wird aber an die Plattform für regionale Musikwirtschaft veräußert. Journalistisch wolle man mit dem Sender jedoch weiter zusammenarbeiten.

Sündenfall in Kentucky

Eric Linden ist jung und er braucht das Geld. Er zieht sich vor der Kamera aus, in einer Videoinstallation für das Schöpfungsmuseum der Kreationisten im Bundesstaat Kentucky. Darin spaziert er als Adam durch den Garten Eden. Einen richtigen Sündenfall hat Linden auch schon hinter sich, wenn man Foxnews glauben kann: Bis vor kurzem war er angeblich Betreiber einer Softporno-Webseite namens Schlafzimmerakrobat.

Diese ist momentan allerdings nicht mehr erreichbar. Wer sie über den Google Cache aufruft, erhält immerhin die Nachricht, dass Eric Linden rein gar nichts mit der Seite zu tun habe. Auch Lindens eigene Seite ist derzeit nicht zu erreichen. Ungeklärt ist, ob er sie offline genommen hat, oder ob der Server der Seite unter der Last der Aufrufe zusammengebrochen ist, nachdem die Netzwelt von Lindens Sündenfall erfuhr. Auch die Kreationisten löschten ihr Linden-Video inzwischen vom Server.

Unchristliches Ballerspiel

Anglikanisches Hausrecht wird neuerdings weit gefasst - und könnte nicht nur für Sony unangenehme Folgen haben: In Sonys Ego-Shooter "Resistance: Fall of Man" ballern sich Playstation-User unter anderem schwerbewaffnet durch ein Gebäude, das der Manchester Cathedral nachempfunden ist. In der altehrwürdigen Kathedrale lauern überdies vieläugige, reißzahnbewehrte Mutanten.

Der zuständige Bischof will das Spiel nun verbieten lassen. In Manchester gebe es bekanntlich viele Schießereien, und es sei überaus geschmacklos, ausgerechnet das Kirchenschiff der Kathedrale als einen Ort dieser Gewalt zu präsentieren. Seitens der Kirche wähnt man sich im Recht: Sony solle sich entschuldigen und das Spiel aus dem Handel nehmen. Sony dagegen glaubt fest, alle Genehmigungen zu besitzen - darunter auch solche zum Zurschaustellen öffentlicher Gebäude. Sony-Vertreter wollen sich heute mit Vertretern der Gemeinde treffen, um, wie man der BBC sagte, "deren Bedenken genauer verstehen zu lernen". Die Anglikaner wollen zur Not gerichtlich gegen das Spiel vorgehen, von dem bislang über eine Million Kopien verkauft worden sind.

Erfolgloses Finanzamt

Vor vier Jahren, im Juni 2003, hetzte das Finanzamt seinen "Kunden" eine Suchmaschine namens "Xpider" auf den Hals, einen sogenannten Webcrawler, der im Internet verdächtige Transaktionen bei eBay und anderen Shopping-Portalen aufspüren sollte, damit auch darauf Steuern eingetrieben werden können. Man vermutete in diesem Bereich einen Hort der Steuerunzucht. Noch 2004 tönte ein Finanzfahnder im Deutschlandfunk: "Wir kriegen sie alle. Die Leute sollten vorsichtig sein. So flüchtig ist das Internet dann doch nicht, dass man denen nicht auf die Schliche kommt."

Letzten Freitag dann zitierte der "Inquirer" aus einem Bericht des Bundesrechnungshofs von November 2006. Darin war vermerkt , dass die Durchsuchung des Internets nach steuerlich nicht registrierten unternehmerischen Aktivitäten "ohne durchschlagenden Erfolg" geblieben sei. Aber nicht, weil man sich in den Bundesbürgern getäuscht habe, sondern aufgrund einer "nicht zufrieden stellenden Datenqualität" sowie mangelnden "organisatorischen und personellen Voraussetzungen" in einzelnen Bundesländern. Soll wohl heißen: Die teure Software taugt nichts.

Notebooks machen krumm

Als wenn wir es nicht längst selbst schmerzlich erfahren hätten: Mit dem Notebook arbeiten wie uns krumm und schief. Zoli Erdos hat in seinem Blog noch einmal darauf hingewiesen: Egal, ob der Laptop auf unserem Schoß lagert oder auf dem Tisch vor uns - wir haben das Display meist nur schlecht im Blick. Nach einigen Stunden Laptop-Tortur schmerzen uns Schultern, Brust und Nacken, Handballen und Ellbogen. Entspannt arbeiten wir am Laptop nur, wenn es wie ein Tischrechner erhöht vor uns steht - damit wir aufrecht sitzen. Ebenfalls hilfreich: Über eine externe Tastatur, die wir mit nur leicht gebeugten Armen bequem erreichen, tippen wir souverän am Haltungsschaden vorbei. Kurzum: Für die Dauerarbeit ist es ratsam, den Laptop so aufzustocken, dass er sich wie ein herkömmlicher, grundsätzlich weit preiswerterer PC anfühlt und bedienen lässt.

Gates-Orakel

"Hätten sich alle von Anfang an ihre neuen Ideen patentieren und schützen lassen, wäre unsere ganze Branche längst zum Stillstand gekommen." Laut "New York Times" soll Microsoft-Gründer Bill Gates diese Ansicht 1991 in einem internen Rundschreiben geäußert haben. Gates befürchtete damals - wie wir heute wissen, nicht zu Unrecht -, dass sich einige große Firmen ganz Offensichtliches ("some obvious thing") schützen lassen würden, um im ganz großen Stil bei allen anderen abzukassieren. Manche Idee entwickelt man übrigens erst, wenn man mal drüber redet.

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