Netzwelt-Ticker Musikdienst für jede Stimmungslage

Alles soll ganz einfach werden, verspricht ein neues Musikportal - doch nicht alle sind vom Newcomer überzeugt. Außerdem im Überblick: Nutzer nörgeln über Amazons Kindle Fire, und US-Forscher können mit einer High-Speed-Kamera jetzt Licht bei der Ausbreitung filmen.
Neues Musik-Angebit Rara.com: Vier Majors sind dabei

Neues Musik-Angebit Rara.com: Vier Majors sind dabei

Bereits jetzt ist der Markt für Musik-Streamingangebote ziemlich eng, zumal der in den USA. Trotzdem drängelt sich der britische Musikanbieter Omnifone mit einem weiteren Portal in diesen Bereich. Rara.com  heißt der neue Service und soll nach eigenen Ansprüchen einfacher als die Konkurrenz zu bedienen sein. Deren Web-Auftritte seien langweilig und kompliziert und würden potentielle Nutzer abschrecken. Anstatt umständliche Suchfelder sollen die Anwender nur bunte Buttons vorfinden, die Stimmungen wie "Sonntag morgen" oder "mir ist zum Heulen" zeigen und ein passendes Musikangebot zur Verfügung stellen. Die entsprechenden Playlists würden vom Unternehmen zusammengestellt , erklärte Rara-Chef Tim Hadley gegenüber der "New York Times". Ob das mehr als eine schöne Reklameidee ist, muss sich erst noch herausstellen.

Nach eigenen Angaben hat Rara Songs der vier großen Label im Angebot und "Tausende" Independents. Wo genau die herkommen, ist allerdings nicht ganz klar. Merlin und die Beggars Group, Vermarkter Tausender unabhängiger Musiker, ließen wissen, es gebe mit Rara keinen Vertrag. Merlin-Chef Charles Caldas setzte noch einen drauf und verkündete: "Ich bin wirklich erstaunt, dass irgendein Unternehmen so lächerlich arrogant und kurzsichtig sein kann, von Verbrauchern gutes Geld für etwas zu verlangen, das unfertig ist und ein im Vergleich zu bereits im Markt befindlichen Produkten minderwertiges Angebot darstellt." Woraufhin Rara erklärte, man sei sehr wohl darum bemüht, möglichst viele Independents  ins Angebot aufzunehmen.

Seit Dienstag ist Rara.com in 16 Ländern zugänglich, darunter auch Deutschland. Noch in dieser Woche sollen weitere sieben dazukommen. In den ersten drei Monaten sollen Neukunden zum Niedrigpreis von 99 Cent für das Komplettangebot gewonnen werden. Danach werden 4,99 Euro pro Monat für einen Account am Heimrechner fällig, die Nutzung eines Mobil-Zugangs soll monatlich 9,99 Euro  kosten. Die Verantwortlichen erhoffen sich einen großen Schub durch einen Deal mit Computerhersteller Hewlett Packard, auf dessen Geräten der Service vorinstalliert sein soll.

Kindle Fire ein Flop?

Das ganz große Ding sollte Amazons Antwort auf den Tablet-Boom sein, doch die Resonanz ist nicht so euphorisch wie von manchen erwartet. Die "New York Times" berichtet von zahlreichen Klagen, die Fire-Nutzer über Mängel des Gerätes erheben. Schon die Bedienknöpfe würden Ärger erregen. Entweder fehlten sie, wie zum Beispiel zur Regelung der Lautstärke, oder sie ließen sich wie der Ein-/Ausschalter viel zu leicht auslösen. Der Aufbau von Internet-Seiten sei recht lahm, der Touchscreen verhalte sich ziemlich widerspenstig. Auch das Fehlen von Datenschutzeinstellungen  wurde bemängelt.

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Kindle Fire: Amazons glänzender Tablet-PC

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die schwierige Bedienung des berührungsempfindlichen Bildschirms führte bereits in der vergangenen Woche den Usability-Experten Jakob Nielsen zum übellaunigen Fazit, das Kindle Fire biete "ein enttäuschend schlechtes Nutzungserlebnis". Die Bedienung des Touchscreens  vermittle jedem Nutzer das Gefühl, er habe Wurstfinger.

Samsung dankt Apple für Galaxy-Tab-Werbung

Haben die ewigen Patentkriege, mit denen sich Elektronikanbieter auf der ganzen Welt aberdutzendfach überziehen, am Ende auch etwas Gutes? Auf jeden Fall, findet der Chef von Samsungs Mobil-Abteilung in Australien. Natürlich habe der Versuch Apples, den Verkauf des Galaxy Tab 10.1 in Australien verbieten zu lassen, zu Umsatzeinbußen geführt, so Tyler McGee. Andererseits habe der Fall durch die breite Berichterstattung in den Medien für viel Aufmerksamkeit gesorgt. "Am Ende des Tages haben die Medien das Galaxy Tab  zu einem bekannten Namen gemacht." Erst am vergangenen Freitag hatte der High Court, die höchste Berufungsinstanz Australiens, entschieden, Apples Vorwürfe nicht weiter zu verfolgen, Samsung verletze mit dem Galaxy Tab mehrere Apple-Patente .

Auch das noch:

  • MIT entwickelt Superkamera mit 1 Billion Bildern pro Sekunde:  Die Forscher vom Massachusetts Institute of Technology sind mit dem Wundergerät sogar in der Lage, die Ausbreitung von Lichtteilchen zu dokumentieren. Fliegende Gewehrkugeln fotografieren war gestern.
  • US-Verkehrsbehörde plant komplettes Handy-Verbot in Autos:  Das National Transportation Safety Board empfiehlt, dem Quasseln am Steuer grundsätzlich ein Ende zu machen. Durch die Ablenkung sei die Unfallgefahr viel zu groß. Allein 3000 Verkehrstote, die durch derartig verursachte Unglücke im letzten Jahr zu beklagen waren, würden dafür sprechen, elektronische Geräte während der Fahrt auszuschalten. Bis dahin wird es wohl noch eine Weile dauern, immerhin ist in bereits 35 Bundesstaaten der SMS-Versand während der Fahrt verboten. In Deutschland ist das Handy am Steuer ganz verboten. Wer erwischt wird, zahlt 40 Euro und kassiert einen Punkt in Flensburg.
  • Bundesweiter Aktionstag gegen Vorratsdatenspeicherung:  Zum Jahrestag der Verabschiedung der Vorratsdatenspeicherung durch das EU-Parlament am 14. Dezember 2005 veranstaltet der AK Vorrat in diversen Städten Aktionen gegen die Einführung der verdachtslosen Speicherung von Daten.
  • Printwerbung in Deutschland lahmt, Online boomt:  Laut Marktforscher Nielsen ging die Werbung in Tageszeitungen bis November um 2,3 Prozent zurück, wohingegen Online-Werbung um satte 21,6 Prozent zunahm. Schwach war der Zuwachs bei der TV-Werbung mit 1,7 Prozent, obwohl sie mit 10 Milliarden Euro Umsatz den Hauptteil des Werbekuchens für sich beansprucht.

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