Netzwelt-Ticker Musikplattformen Steereo und Simfy fusionieren

Gratis-Musikportale haben es schwer mit der Refinanzierung: In Deutschland  gehen zwei große nun zusammen, um Kosten (und Gema-Gebühren) zu sparen. Außerdem: Microsoft mit Rekord-Flickentag und Autoverleiher hält die geplante GEZ-Gebührenreform für verfassungswidrig. Das und mehr im Überblick.

Simfy: Streamdienste haben die an sie gestellten Erwartungen bisher nicht erfüllen können

Simfy: Streamdienste haben die an sie gestellten Erwartungen bisher nicht erfüllen können


Online-Musikshops und -dienste wie der iTunes Music Store, LastFM oder Spotify sind längst international bekannte Adressen, die von Millionen von Menschen genutzt werden. Das hinderte deutsche Investoren im Mai trotzdem nicht daran, auf deutsche Pendants zu setzen: Im selben Monat gingen gleich drei Musikplattformen online: Freeload, Simfy und Steereo. Alle bieten Streamingdienste, um dem Fan den gewünschten Musikgenuss zum Nulltarif aufs Ohr zu bringen.

Allerdings scheinen die Geschäfte mit den Dudel-Portalen, die nur mit Werbung oder zahlenden Premium-Kunden Geld verdienen, nicht wie geplant zu laufen. Steereo-Investor Holtzbrinck Digital kündigte gegenüber dem "Handelsblatt" die Fusion mit dem Konkurrenzangebot Simfy an. Das Steereo-Angebot soll künftig in der Simfy-Plattform aufgehen, wo über sechs Millionen Musiktitel zur Auswahl stünden.

Als kosten-, nerven- und zeitaufwendig hat sich wohl vor allem der Verhandlungsmarathon mit Plattenfirmen, Rechteinhabern und Rechteverwertern herausgestellt, allen voran die Gema. Dieser Aufwand soll durch die Verschmelzung der beiden Angebote nun halbiert werden, zu den finanziellen Einzelheiten des Deals wollten sich die Beteiligten aber nicht äußern.

Ubuntu 10.10 ist draußen

Ubuntu 10.10 ist passenderweise am 10.10.10 erschienen. Was im Binärcode übrigens "42" bedeutet, für Douglas-Adams-Fans bekanntlich die Zahl aller Zahlen. Weniger lustig, aber dafür praktisch sind die Neuerungen, die das Canonical-Entwicklerteam in die jüngste Version des Linux-Betriebssystems namens "Maverick Meerkat" eingebaut hat.

Das fängt schon mit dem Installer an, der viel schneller als bislang zum gewünschten Ergebnis führen soll. Das Progrämmchen namens Ubiquity arbeitet mit einem neuen Partitionierungswerkzeug, das die Entscheidung zwischen einer Parallelinstallation mit Windows oder einer alleinigen Linux-Installation leichter und gefahrloser machen soll. Versehentliches Löschen von Daten soll damit vermieden werden.

Im Ubuntu-Software-Center erhält der Anwender einen Überblick über installierte Applikationen, ihre Ausbaufähigkeit durch Plugins und ihren Aktualisierungsstatus. Erstmalig sollen demnächst auch kostenpflichtige Apps angeboten werden.

Speziell für Besitzer von Netbooks wurde ein neuer Desktop namens Unity konzipiert. Schon bei der Installation erkennt Ubuntu, auf welchem Gerät es da laufen soll und richtet eine für kleinere Netbook-Displays angepasste Darstellung und Anordnung ein. Einen großen Schritt sind die Macher in Richtung auf Multitouch-Fähigkeiten zugegangen, obwohl da durchaus noch Spielraum für mehr vorhanden wäre, wie "Ars Technica" findet. Ansonsten wurde aber kräftig unter der Haube nachgerüstet, es gibt nicht nur ein neues Bootlogo und Theme, auch die Desktop-Umgebung Gnome wurde auf Version 2.32 aktualisiert.

Java und PDF sind die schlimmsten Sicherheitslöcher

Die IT-Sicherheitsexperten von Bitdefender haben in ihrem jüngsten Bericht zur Online-Sicherheit im dritten Quartal 2010 auf die besondere Gefahr hingewiesen, die für deutsche Surfer von Java-Trojanern und PDF-Exploits drohen. Auf Platz Eins der Gefahrenliste steht PDF-JS.Gen, das im Untersuchungszeitraum eine Infektionsrate von immerhin 11,27 Prozent erreichte. In allen drei Monatsberichten des dritten Quartals tauchte dieser Trojaner als gefährlichster Schädling auf.

Auch auf Platz Zwei erscheint mit Exploit.PDF-Payload.Gen ein PDF-Trojaner, beide nutzen Schwachstellen in Adobes PDF-Reader aus. In manchen bösartigen Webseiten lauern verseuchte Java-Applets wie zum Beispiel Java.Trojan.Exploit.Bytverify.J, die sofort bei Kontakt mit einem Computer fleißig für Malware-Nachschub sorgen.

Microsoft wartet im Oktober mit Superflickentag auf

Morgen ist es wieder soweit, am 12. Oktober ist es Zeit für Microsofts monatlichen Patchday. Diesmal streuen die Redmonder besonders viele Sicherheitsflicken unters Windows-Volk, mit 16 Sicherheitsbulletins wird sogar der 14-Updates-Rekord vom diesjährigen August überboten. Vier davon werden als "kritisch" eingestuft, zehn Lücken gelten als "hoch"-riskant und weitere zwei als "mittel".

Es sind diverse Versionen des Internet Explorers betroffen wie auch XP, Vista und Windows 7. Unklar ist bislang, ob Microsoft auch zwei Löcher stopft, die von den Machern des Stuxnet-Wurms ausgenutzt wurden. Zumindest waren hierfür im vergangenen Monat zwei Updates angekündigt worden.

Depub.org ist down

Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender müssen aufgrund vertraglicher Vereinbarungen die meisten ihrer Online-Inhalte sieben Tage nach der Veröffentlichung wieder löschen, davon waren auch die umfangreichen Archive für die letzten Jahre betroffen. Was ein paar findige Bastler nicht ruhen ließ: Vor dem Depublizieren (=Verschwinden) des Materials spiegelten sie die Daten und stellten das Archiv von tagesschau.de von 1999 bis 2010 unter depub.org der Netzgemeinde zur Verfügung. Die 200.000 Einträge konnten sogar mit einer Suchfunktion durchforstet werden.

Seit einigen Tagen ist das Archiv unter dieser Adresse nicht mehr erreichbar, nur noch die IP-Adresse 200.74.245.87 erlaubt weiterhin Zugriff auf die Daten. Der Grund für die Sperrung liegt bis jetzt im Dunkeln. Spekulationen reichen von "Serverrechnung nicht bezahlt" bis zu Problemen mit der Namensauflösung in DNS-Servern oder rechtlichen Auseinandersetzungen. Laut Aussage des dazugehörigen Twitteraccounts scheint es sich wohl eher um technische Probleme zu handeln, die der Provider "im Laufe der nächsten Woche" zu beheben versprochen habe.

Ist die GEZ-Reform verfassungswidrig?

Eigentlich verleiht er Autos und sollte vom Hickhack um GEZ-Gebühren nicht betroffen sein, mag mancher denken. Doch tatsächlich gehen Erich Sixt die Regeln der Gebühreneintreiber sogar sehr viel an. Die wollen nämlich auch für die in der Leihwagenflotte installierten Autoradios Geld sehen. Deren Nutzer würden keine Empfangsgemeinschaft bilden, womit für jedes Autoradio Gebühren fällig werden. Mit dieser GEZ-Regelung nicht einverstanden, ließ Sixt ein Gutachten erstellen, das zu dem Schluss kommt, die Gebührenstruktur an sich sei aus diesem und noch anderen Gründen verfassungswidrig.

Sixt-Gutachter Christoph Degenhardt, seines Zeichens Staats- und Medienrechtsexperte, zeige in seiner Expertise, dass die geplante Gebührenreform den Sendern ARD und ZDF neben den 7,6 Milliarden Euro, wie sie 2009 eingenommen wurden, jedes Jahr zusätzliche 1,6 Milliarden Euro bescheren würde. Es sei unlogisch und rechtswidrig, einerseits eine Pauschalgebühr für jeden Haushalt einzuführen, zugleich aber bei Mietfahrzeugen weiterhin pro Gerät zu kassieren. Gegen " Raubrittertum und Wegelagerei" zieht der Unternehmer nun zu Felde, sein Gutachten kommt gerade rechtzeitig zur Anhörung zu den geplanten Rundfunkgebühren in Berlin am heutigen Montag.

Gegenüber der "Wirtschaftswoche" erklärte Sixt, er würde ja gar nicht nur im eigenen Interesse gegen die Gebührenpflicht streiten: "Die trifft übrigens nicht nur Autovermieter, sondern jeden Handwerker, Rechtsanwalt und alle anderen Freiberufler, die ihr Fahrzeug dienstlich nutzen."

Auch das noch:



insgesamt 1 Beitrag
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erifan 12.10.2010
1. 1010
steht im Binärsystem für die dezimale "10". 42dez = 101010bin. Also ist auch Ubuntu nicht die Antwort aller Antworten...
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