Netzwelt-Ticker My Office is my Folterkeller

Das ist verdienstvoll: "Wired" sucht die erbärmlichsten Büro-Arbeitsplätze der Welt. Ob man den Gewinner wirklich Gewinner nennen sollte? Außerdem: Chatanbieter gründen Selbstkontrolle, E-Mail-Hassbriefe sind weniger verrückt als solche auf Papier, YouTube leistet sich Nutzer-Beirat.


Chatanbieter verpflichten sich zu mehr Jugendschutz

Chaträume im Internet sollen für Kinder und Jugendliche sicherer werden. Wie Heise berichtet, haben sich die deutschen Anbieter Lycos Europe, RTL interactive und Knuddels am Montag in Berlin zu einer "Selbstkontrolle Chat" zusammengeschlossen.

Ein Verhaltenskodex ( Download als PDF-Datei) legt grob fest, wie die Unternehmen Kontrolle ausüben sollen: Schwarzlisten für so genannte Badwords, Chat-Moderatoren zwischen 10 und 22 Uhr, Aufklärung der jungen Chatter, eine bessere Altersüberprüfung und technische Möglichkeiten, User dauerhaft zu sperren. Chat-Anbieter, die gegen die selbst gestellten Auflagen verstoßen, können mit Rügen, Vereinsstrafen oder dem Rauswurf aus der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienstleister bestraft werden.

Besonders die Moderation findet Anklang unter Jugendschützern. Katja Knierim vom Jugendschutz.net sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, damit stehe und falle die Sicherheit eines Chats. Sie bemängelt jedoch, dass sich noch zu wenige Angebote angeschlossen hätten.

Und natürlich hänge es auch von den Eltern ab, wie sicher Kinder in einem Chat seien. Sie sollten sich selbst ein Bild davon machen, was der Nachwuchs im Internet treibt. Ein paar Anhaltspunkte für den Umgang mit Chats und chattenden Jugendlichen gibt das Web-Angebot Chatten-ohne-Risiko.net von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und Jugendschutz.net.

My Home is my Arbeitsplatz is my Folterkeller

Kein Traum: Großraumbüros sind Gewöhnungssache - schlimmer noch ist aber die US-Version. Amerikaner trennen solche Räume durch Stellwände in Zellen auf
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Kein Traum: Großraumbüros sind Gewöhnungssache - schlimmer noch ist aber die US-Version. Amerikaner trennen solche Räume durch Stellwände in Zellen auf

Einst als menschenfreundlichere Alternative zum Großraumbüro geplant, gilt der Cubicle-Bürowürfel längst als Menschen-Variante der Legebatterie. Zwischen kopfhohen Stellwänden sollen moderne Bürosklaven zur Höchstleistung angetrieben werden: Leichte Überwachbarkeit und gegenseitige Kontrolle auf der einen, ein Mindestmaß an Privatsphäre auf der anderen Seite.

Strenge Richtlinien sollen dabei den Verschönerungswünschen der Angestellten einen Riegel vorschieben. Der Arbeitsplatz heißt ja schließlich nicht Feier- oder gar Bastelplatz. Vielleicht gerade deswegen wird der Cubicle gern für derbe Scherze missbraucht: Ist ein Kollege in Urlaub, wird sein Arbeitswürfel mit Verpackungsmaterial geflutet oder mit Notizzetteln tapeziert.

Doch die elf Gewinner des “Der traurigste Cubicle”-Wettbewerbs von Wired.com dürften sich sogar noch über das bisschen Farbe, das Verpackungsschnitzel oder gelbe Notizzettel ins Büroleben bringen, freuen. Ihr Büroleben ist so grau, trist und auf knapp 2x2 Meter beschränkt, dass man seine Gehaltstüte gern für ein Carepaket Sprühfarben opfern würde.

Es tagt der YouTube-Rat

Was bewegt den User, was denkt er bloß? Was die Schöpfer und Mitglieder von Internet-Communitys wollen, driftet nach einiger Zeit gern auseinander. Wie soll man auch vorhersehen oder gar steuern können, was Millionen User von einer Plattform erwarten, die von vielleicht nur einer einzigen Person gestartet wurde?

Das Mammut-Projekt YouTube hat aus diesem Grund einen famosen User-Rat, den YouTube-Council, aus dem Boden gestampft. Eine Handvoll Freiwilliger soll sich über die Community der Videoseite Gedanken machen und mit anderen Usern in Kontakt treten. Anliegen, die der Rat als würdig empfindet, sollen dann direkt an ein Entwicklungsteam von YouTube geleitet werden.

Hört sich toll an. Allein: Was soll so ein Youser-Rat denn schon Tolles wollen? Weniger Copyright-Probleme? Die endgültige Verbannung von Videos zu Klingelton-Songs? Die Final-Löschung der peinlichen Kindheitsvideos, die Papa hochgeladen hat? Die großen YouTube-Probleme - Copyright, Videolänge, Qualität der Kommentare - sind zu fundamental, um an ihnen zu schrauben. Die kleineren Probleme - Design-Fragen, Interaktions-Features und Performance-Probleme - zu langweilig, um sie in der Öffentlichkeit breit zu treten.

Doch ein ganz anderes Problem bewegt viele Internet-Ideologen: Warum tagt der YouTube-Rat eigentlich für lau, warum bezahlt ein Milliarden-Unternehmen die Freiwilligen nicht? Um dann gleich zur großen Web-2.0-Frage zu kommen: Ist das eigentlich o.k., dass überhaupt so viele neue Seitenbetreiber mit der Arbeit einiger Freiwilliger das Millionengeschäft ihres Lebens machen?

Internet-Drohbriefe weniger “verrückt”

Die ORF Futurezone verweist auf eine interessante Studie vom September: Amerikanische Psychologen hatten 300 Drohbriefe und 99 E-Mails analysiert, die an Mitglieder des US-Kongresses geschrieben wurden. Ein Ergebnis: Wer Drohungen per E-Mail an Politiker versandte, zeigte weniger Anzeichen einer ernsthaften geistigen Krankheit als jene, die zu Papier und Bleistift griffen.

Kein Wunder, denkt sich da der Hobby-Forensiker: Nur mit einem Stift kann man wutgeladen I-Tüpfelchen ins Papier schießen, das Innere von O's ausstanzen oder einzelne Worte ("Steuerdieb!", "Halsabschneider!") fünfmal zunehmend krakelig unterstreichen, um dann das Papier zu zerknüllen, in den Müll zu werfen, wieder heraus zu holen und zusammen mit einer auf der Straße gefundenen toten Taube an den US-Kongress zu schicken.

Fastboot-Technik: Drück F4 für den Windows-Bypass

Nur mal eben die E-Mails checken, nur mal eben einen Film schauen oder im Netz surfen. Schön wäre es, aber minutenlange Startzeiten besonders von Windows machen den fixen Surfausflug zu einer langwierigen Angelegenheit. Muss nicht sein, sagt sich Phoenix Technologies. Der BIOS-Hersteller will für gängige Alltagsanwendungen ein Mini-Betriebssystem entwickeln, das ohne lange Bootzeiten auskommt. Wer direkt nach dem Rechnerstart F4 drückt, startet “HyperSpace”, ein Mini-OS. Von dort können innerhalb von Sekunden dann etwa ein Browser oder ein Mediaplayer aufgerufen werden. Das gibt es zwar bereits in harmloser Version, zum Beispiel als “Instant Music”-Funktion auf Asus-Mainboards - doch mehr als CDs abzuspielen ist bislang nicht möglich.

Für Betriebssystem-Hersteller wie Microsoft sind die HyperSpace-Pläne freilich eine Gefahr: Wer seinen Rechner vor allem als Unterhaltungs- und Surfzentrale benutzt, wird gern auf die schwerfälligen OS-Ungetüme verzichten. Zu was das alles führen kann, erklärt Wired.com.

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