Netzwelt-Ticker Nacktscanner enthalten doch Speichermöglichkeit

Bürgerrechtler haben die amerikanische Transportsicherheitsbehörde TSA beim Lügen ertappt: Ihre Nacktscanner können sehr wohl Scanbilder abspeichern und weiterleiten. Außerdem: France-Télécom-Vize plappert Apple Tablet aus, Hacker legen Baidu.com lahm und Streit über Netzneutralität.
Nacktscanner: In Wahrheit Aktkamera mit Bildversand?

Nacktscanner: In Wahrheit Aktkamera mit Bildversand?

Foto: PHIL NOBLE/ REUTERS

Nacktscanner

Datenschützer sind empört: Entgegen früherer Beschwichtigungen der amerikanischen Transportsicherheitsbehörde Transportation Security Administration (TSA) können die Flughafen- doch Scanbilder von Passagieren aufzeichnen, abspeichern und an andere Rechner übertragen. Das haben die Bürgerrechtler vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) herausgefunden, nachdem sie das amerikanische Department of Homeland Security gerichtlich zur Herausgabe der entsprechenden Dokumente  gezwungen hatten.

Tatsächlich können die Scanner einem Bericht von CNN zufolge nur in einem Testmodus Bilder speichern und weiterleiten . Ein anonymer TSA-Mitarbeiter gab gegenüber CNN an, dass es Flughafenmitarbeitern unmöglich sei, die Maschine in diesen Testmodus zu versetzen - ob dafür eine bestimmte Hard- oder Software vonnöten ist, sagte er nicht.

Diese Information wäre aber hinsichtlich eventuell möglicher Hack-Angriffe wichtig. Gelänge es einem Hacker - egal wie unwahrscheinlich das scheint - den Scanner quasi zur Nacktbildkamera umzurüsten, wäre nicht nur die Privatsphäre von vielen Menschen gefährdet. Eine politisch mühsam durchgesetzte Überwachungstechnik stünde dann in Frage, die ja auch irgendwann außerhalb von Flughäfen eingesetzt werden soll - wo weniger krasse Mitarbeitersicherheitsvorkehrungen gelten, das Risiko für einen Scannermissbrauch also höher wäre.

Gerüchte: France-Télécom-Vize plappert Apple Tablet aus

Ganz nebenbei hat Stéphane Richard, die Nummer Zwei bei der France Télécom, die nahende Veröffentlichung eines Tablet-Rechners von Apple  bestätigt. So zumindest interpretieren Tech-Blogs die Aussagen Richards in einem Fernsehinterview, wonach bis Ende des Monats Apple ein Touchpad mit einer Webcam und Videochat-Funktionalität vorstellen werde. Telekompartner in Frankreich würde Orange 3G.

Doch die Orange-PR-Abteilung ruderte schnell zurück: Hier gehe es um Spekulationen. Blumig heißt es nun: "Der Sprecher hat nur bestätigt, [...] dass Orange froh wäre, so ein Produkt zu führen , sollte es jemals auf den Markt kommen." Was man so oder so interpretieren kann: Entweder, dass sich da wer verquatscht hat, oder falsch verstanden wurde.

Doch angesichts der vielen und auch hochkarätigen Gerüchteköche - die "New York Times", das "Wall Street Journal", "Reuters" - stellt sich natürlich schon die Frage: Wird Apple tatsächlich Ende des Monats auf einem nur gerüchtehalber stattfindenden Event das nur gerüchtehalber vorhergesagte Apple-Tablet vorstellen, oder lassen sich hier alle vor einen Karren spannen - wie das vergangene Woche ein angeblicher Ex-Apple-Marketing-Chef nahelegte?

Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Das umstrittene TV-Interview  gibt es bei Slashgear.com.

CES-Sichtung: Comeback der HD-DVD?

Die unverhoffteste Rückkehr könnte im laufenden Jahr der Blu-ray-Verliererkonkurrent HD DVD feiern. Die Engadget-Blogger haben auf der Elektronikmesse CES tatsächlich ein Gerät von TLC entdeckt, das neben Blu-rays offenbar auch HD-DVDs abspielen  kann. Wie ein Engadget-Leser anmerkt: "Mich interessiert nur, ob ich das importieren kann, wenn mein HD-DVD-Player mal nicht mehr will." Denn nicht die HD-DVD-Hersteller, sondern die (wenigen) HD-DVD-Kunden waren die wahren Verlierer der Format-Schlacht um die DVD-Nachfolge.

Hacker legen Baidu.com lahm - die Iranian Cyber Army am Werk?

Homepage der Iranian Cyber Army: Reale Gruppe oder Scherz für die Medien?

Homepage der Iranian Cyber Army: Reale Gruppe oder Scherz für die Medien?

Einer Hacker-Gruppe, die vergangenen Monat schon Twitter-Surfer auf eine falsche Website lenkte, gelang es, Chinas größte Suchmaschine Baidu.com lahmzulegen . Statt einer Suchmaske begrüßte Baidu-Besucher am Montag die Nachricht: "This site has been hacked by Iranian Cyber Army."

Wie beim Twitter-Angriff gelang es den Hackern auch hier, die DNS-Einträge, die einen Surfer auf die Baidu-Server lenken sollen, so umzuschreiben, dass sie auf einen von den Hackern kontrollierten Server führen. Damit ist der Hackangriff zwar technisch vermutlich relativ simpel vonstatten gegangen - vielleicht die Ausnutzung eines automatischen Registrierungsprozesses? - sehr unwahrscheinlich ist das bei solch einem Internetschwergewicht aber eigentlich trotzdem. Man sollte annehmen, dass Baidu.com und die damit befassten DNS-Registrierungsstellen illegitime Beeinflussungsversuche erkennen und unterbinden können.

Doch viel interessanter als der Hack-Angriff selbst ist die Identität des oder der Hacker. Laut einem von CNN zitierten Experten handele es sich " definitiv um Schiiten ". Das erkenne man an dem Ausruf 'Ya Hussein', der auf einem Banner der Hacker zu sehen ist.

In der Community ist die Iranian Cyber Army (ICA) dagegen kaum bekannt: Hacks sind nur wenige bekannt, die Gruppe leitet ihre "Abschüsse" auch nicht an das Zone-H-Archiv, was unter Defacern ungewöhnlich ist. Eine Facebook-Gruppe, die unter dem Namen existiert, ist offensichtlich nur eine Blödelei, bei der sich angeblich Perser als Araber verkleidet präsentieren. Eine regulär angemeldete Internetpräsenz einerseits und die auf den von der Gruppe veränderten Websites andererseits geben unterschiedliche Kontakt-E-Mail-Adressen an. Das alles fügt sich zu einem allenfalls sehr diffusen und szene-untypischen Bild zusammen: Andere iranische Gruppen, die politisch motiviert hacken, kommen auf Tausende von Defacements, die sie natürlich treulich melden: Was nützt ein politischer Protest, wenn ihn niemand mitbekommt? Absolut ungewöhnlich sind bei der ICA allerdings die Ziele: Hackt da wer nach dem Motto Klasse statt Masse?

Für und Wider Netzneutralität

Wie soll sich der Datenverkehr im Internet weiterentwickeln? Und welche Konsequenzen hat das für die Surfer, die Industrie, die Gesellschaft? Dem zentralen Problem der Netzneutralität, also der Frage, ob alle Datenpakete gleich schnell oder nach Priorität sortiert übertragen werden sollen, wenden sich - nach Informatikern und Netzaktivisten - nun zunehmend auch Ökonomen und Juristen zu. Wie widersprüchlich da Positionen sein können, verdeutlichen zwei aktuelle Artikel im Tech-Blog "Ars Technica" und der "FAZ".

"Ars Technica" lässt den "Institute for Policy Integrity"-Thinktank der New York University Law School mit einer Studie zu Wort kommen, die Netzneutralität erhebliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber einer priorisierten Datenübertragung zuschreibt. "Ohne Netzneutralität," heißt es da, "können neue Technologien zu Praxen führen, die Reichtum von den Inhalteanbietern zu den Internetanbietern umlenkt ." Will heißen: Es lohne sich ohne Netzneutralität immer weniger, Inhalte zu produzieren( PDF-Datei, 3,4 MB ).

In der "FAZ" beschreibt Wirschaftsautor Tillmann Neuscheler hingegen die Probleme, die der Netzinfrastruktur angeblich durch die gleichberechtigte Datenverbreitung auferlegt werden: Das führe zu Netzverstopfungen . Neuscheler scheint die Meinung der von ihm zitierten Ökonomen zu unterstützen: Nur wer zahlt, soll schnelle Daten verschicken dürfen: "Wer mehr bezahlt, dessen Daten haben im Falle eines Staus auch Vorrang." Das habe letztlich sogar Vorteile für nicht zahlende Netzsurfer, weil sich für Internetanbieter plötzlich der Netzausbau lohne.

Was Neuscheler nicht erwähnt: Die Internetqualität in Deutschland - also die Bandbreiten und der Preis - ist im internationalen Vergleich gerade einmal im Mittelfeld. Der Grund: Fehlinvestitionen auf Seiten der Infrastrukturindustrie - etwa beim Versagen bei der Glasfaserversorgung durch die Post in den neunziger Jahren, sicherlich aber auch wegen der dominierenden Position des de-facto-Monopols der Telekom auf der "letzten Meile". In so einem Rahmen würde sich eine monopolfördernde Aufhebung der Netzneutralität kundenfeindlich niederschlagen.

Zu spüren bekommen das schon jetzt T-Mobile-Kunden, die im Vergleich zu anderen Mobile-Internet-Kunden nur verlangsamte, teure Bits zugeschleust bekommen. Wer ein iPhone besitzt, kann zudem bestimmte Internetdienste nicht verwenden  - etwa Online-Telefonie via Skype übers 3G-Datennetz, schreibt Volkswirt Torsten Kleinz kritisch in seinem Blog. Das ist mangelnde Netzneutralität  in einer von einem Monopol dominierten Industrie.

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