Netzwelt-Ticker Neuer Hackerangriff auf Sony

Die Pannenserie bei Sony findet kein Ende, nun sorgt eine Phishing-Seite für Ärger. Außerdem im Überblick: Explosion beim Apple-Zulieferer Foxconn tötet drei Arbeiter und Anonymous bestreitet Angriffspläne auf Kernkraftwerk.

Playstation-3-Logo (in einem Shop in Tokio): Sony wurde erneut Opfer einer Attacke
REUTERS

Playstation-3-Logo (in einem Shop in Tokio): Sony wurde erneut Opfer einer Attacke


Die Kette der Sicherheitspannen beim Elektronikkonzern Sony reißt nicht ab. Nach dem Diebstahl von über 100 Millionen Nutzerdatensätzen aus dem firmeneigenen Netzwerk wurden die Server erneut Ziel einer Attacke. Das Sicherheitsunternehmen F-Secure teilte mit, Angreifer hätten auf den Servern der Japaner eine Phishing-Seite versteckt.

"Man soll keinen treten, der schon am Boden liegt", heißt es im F-Secure-Blog. Allerdings habe dieser Fund nichts mit den Ereignissen um Sonys Playstation Network (PSN) zu tun. Anscheinend handele es sich bei dem betroffenen Server um kein besonders wichtiges Gerät. Um ihre Meldung zu untermauern, zeigten die Sicherheitsexperten einige Screenshots. Die legen den Schluss nahe, dass eine offizielle Sony-Seite für Thailand betroffen ist und zum vermeintlichen Web-Auftritt einer italienischen Kreditkartenfirma führt. Dort sollen den Kunden offensichtlich User-Namen und Passwörter abgeluchst werden.

Nachdem das Sicherheitsunternehmen Sony über die Phishing-Seite informierte hatte, reagierte der Konzern sofort: Die Seite unter der Domain hdworld.so.co.th ist mittlerweile nicht mehr aus dem Internet erreichbar.

Foxconn-Unfall könnte iPad-2-Produktion beeinträchtigen

Auch Apple-Zulieferer Foxconn kommt nicht aus den Schlagzeilen. Eigentlich ist der Ruf des taiwanischen Elektronikherstellers seit den Skandalen um hohe Selbstmordraten unter den Fabrikangestellten auf dem chinesischen Festland schon reichlich lädiert. Doch nun hat eine Explosion im Werk Chengdu drei Arbeiter getötet und sechs weitere verletzt, wie "Bloomberg" meldet. Der Unfall habe sich bereits am Freitag ereignet und sei durch brennbaren Staub ausgelöst worden, der sich plötzlich entzündet habe. Die Explosion sei so stark gewesen, dass die ganze Fabrikhalle geschwankt habe.

Im betroffenen Werk fertigt der Auftragshersteller angeblich für Apple das iPad 2 und das iPhone 4. Die Produktion könnte bis zum dritten Quartal um bis zu 36 Prozent einbrechen, meldet das "PCMag" unter Berufung auf RBC Capital Markets, eine kanadische Investmentbank. Der Produktionsausfall könnte allein beim iPad bis zu 2,8 Millionen Geräte betragen. Das würde Apple Mindereinnahmen von bis zu 1,7 Milliarden Dollar bescheren. Die genaue Entwicklung hänge davon ab, wie viele der insgesamt 52 Fertigungslinien betroffen seien und für welchen Zeitraum.

Diese Befürchtungen wiesen andere Analysten zurück. Die meisten Apple-Geräte würden in Shenzen hergestellt, in Chengdu werde das iPad lediglich in einem Pilotprojekt gefertigt. Die iPad-2-Produktion sei daher nicht gefährdet.

Anonymous streitet Attacken auf AKWs ab

Wer hat's gesagt? Gar nicht so leicht festzustellen, wenn die Quelle einer Aussage anonym ist und die Glaubwürdigkeit nicht überprüft werden kann. Das gilt auch für das Dementi, das die namenlose Hackertruppe "Anonymous" ins Netz gestellt hat und worin die Beteiligung an Angriffen auf französische Kernkraftwerke abgestritten wird. Unklar bleibt allerdings, wer das behauptet haben soll. Klar ist: Die Attacken auf den AKW-Betreiber (nicht auf die Kraftwerke) wurden angeblich auch von gekaperten Servern der Piratenpartei in Deutschland aus koordiniert, weshalb am Freitag die Polizei ausrückte und die Parteiserver kurzerhand abschaltete.

In der Anonymous-Erklärung, deren Echtheit allerdings schwerlich zu überprüfen ist, verwahrt sich das Kollektiv gegen diese Vorwürfe. Tatsächlich sei es nur um den Angriff auf die "Webpräsenz" des französischen Atomkonzerns EDF gegangen. Dabei sei "es unmöglich die Kontrolle über ein Atomkraftwerk zu übernehmen oder ihm einen Schaden jeglicher Art zuzufügen". Es widerspräche schon "dem gesunden Menschenverstand, anzunehmen, dass die hochkritische Infrastruktur mit einer direkten Verbindung zum Internet betrieben wird".

Kino.to umgeht Netzsperre

Um Raubkopierern das Leben schwer zu machen, wünschen sich einige Rechteinhaber und Politiker Netzsperren. Doch dieses Hilfsmittel ist bekanntlich nicht unumstritten, ermöglicht es doch ohne großen Aufwand auch die Einführung einer umfassenden Zensurstruktur. In Österreich ließen mehrere Filmfirmen und der österreichische Verein für Antipiraterie erst in der vergangenen Woche die Webseite kino.to sperren, die ihren Nutzern Links zu Online-Kopien aktueller Kinofilme anbietet.

Doch dieses jüngste Beispiel der Netzblockade zeigt auch die mangelnde Effizienz der Maßnahme. Denn die kino.to-Betreiber zögerten nicht lange und zogen, kaum dass die Sperre in Kraft trat, eine Ersatz-Domain aus dem Hut. Wer das gewohnte Angebot nutzen will und in Österreich wohnt, kommt nun über einen Umweg zum Ziel. Sollte auch die neue Adresse dem Sperr-Verdikt anheim fallen, könnten die kino.to-Verantwortlichen einfach weitere Domains aktivieren und aus der Angelegenheit ein Hase-und-Igel-Spiel machen.

Auch das noch:

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RedSpy 24.05.2011
1. Unklar bleibt recht wenig ...
---Zitat--- Anonymous streitet Attacken auf AKWs ab ... Unklar bleibt allerdings, wer das behauptet haben soll. ---Zitatende--- SPIEGEL ONLINE hat das behauptet, genauer Ole Reißmann. In der ursprünglichen Version eines Artikels vom 20. Mai 2011 war in der Überschrift zu lesen: "Durchsuchung bei Piratenpartei: Polizei vereitelt Hacker-Angriff auf Akw-Betreiber" Dazu möchte ich feststellen: 1.) Ein "Angriff" war nicht zu "vereiteln", da die untersuchte Straftat in der Vergangenheit, nämlich am 18. April 2011, stattfand. 2.) Es handelte sich auch nicht um einen "Hacker-Angriff" (versuchtes Eindringen in IT-Systeme), sondern um eine gescheiterten DDoS-Attacke (IT-Pendant zu einem Sitzstreik). 3.) Das Amtsgericht saß in Darmstadt, nicht in Offenbach. 4.) Es lag im Gegensatz zu den Angaben auf SPIEGEL ONLINE eben kein schriftliches Amtshilfegesuch vor, die Aktion erfolgte im vorauseilenden Gehorsam, also ohne juristische Legitimation. 5.) Der Durchsuchungsbeschluss war auf die AixIT GmbH ausgestellt, nicht auf die Geschäftsräume der Piratenpartei. 6.) Die Verwendung der Vokabel "Akw-Betreiber" ist tendenziös, da der DDoS-Angriff lediglich auf die Webpräsenz des Energiekonzerns EDF erfolgte, nicht auf wichtige IT-Infrastrukturen. Von den ursprünglichen Angaben, die auf SPIEGEL ONLINE zu lesen waren, stimmt also fast gar nichts mit der Realität überein. Wer einen derartig schlampigen Journalismus im eigenen Hause toleriert, darf sich über Kritik nicht wundern. Und nein, ich bin kein Pirat.
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