Netzwelt-Ticker Neuer Mac-Klon soll Apple-Anwälte austricksen

Apples Anwälte arbeiten sich gerade an dem US-Mac-Kloner PsyStar ab und schon reckt der nächste Anbieter eines Pseudomacs den Kopf - wenn der Ankündigung der Firma Fakten folgen. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Amok-Admin rückt Passwort raus und Google bastelt am Browser.


Und noch eine Firma versucht sich an einem Mac-Klon: Open Tech bietet gleich zwei Rechnerkonfigurationen an, die außer Windows und Linux eben auch Mac OSX betreiben können - sollen. Im Gegensatz zum Erstkloner PsyStar bietet Open Tech die Rechner aber nicht mit vorinstalliertem OSX an, sondern quasi als Blankorechner mit OSX-Installationsanleitung. Damit soll den Apple-Anwälten die Luft aus den Segeln genommen werden.

Dieses Angebot, so die Hoffnung von Open Tech, verstoße nicht gegen die Nutzungsbedingungen von Apples Betriebssystem Leopard. Der Eula-Verstoß, so ein gängiges Missverständnis, diente Apple im Fall PsyStar als Klagevorlage: Niemand darf OSX auf einem Rechner installieren, der kein Mac ist. Das wäre allerdings wohl kaum ein großes Problem - aber Mac-Kloner PsyStar ging viel weiter: Die Firma veränderte das Apple-Programm, um es lauffähig zu machen, und verstieß damit gegen Urheberschutz.

Doch selbst wenn das "Open Tech"-Angebot rechtlich okay sein sollte, muss es sich erst einmal als seriös herausstellen. Tomshardware.com deutet an: heiße Luft! Die Firmen-Website ist in Neuseeland registriert, ihr Server läuft in den Niederlanden. Noch kündigt Open Tech - "coming soon" - nur Produkte mit belanglosen Bildern an, die Preisausschreibung in Dollar (von 620 bis 1200 Dollar) erklärt nicht, welche Dollar nun genau gemeint sind, über die konkrete Hardware verliert die Web-Seite fast kein Wort.

Bevor also die Rechnertester einen "Open Tech"-Computer auf der Testbank stehen haben, sollte man diesen Mac-Klon erst mal ganz schnell wieder vergessen.

Datengeisel: System-Administrator rückt Passwort raus

Weil ein EDV-Fachmann aus San Francisco genervt, verärgert, schlecht gelaunt war, änderte er die Passwörter zur Konfiguration des städtischen Intranets - und rückte sie nicht mehr heraus. Dafür saß er in Untersuchungshaft, die Passwörter waren seine Geiseln. Doch neun Tage später knickte der 43-Jährige ein. "Wir haben seit Dienstag wieder volle Kontrolle über das Netzwerk", so ein Vertreter der Stadt zum Wired-Blog Threat Level.

Google bastelt am Browser

Weil Google die Entwicklung der Web-Browser wie Firefox, Internet Explorer oder Safari zu langsam voranschreitet, prescht Google mit der Software Gears vor. Golem.de: Was nur als Offline-Erweiterung für Browser begann, bringt diesen nun wesentliche Teile von HTML 5 durch die Hintertür bei. Damit müsse man nicht länger warten, bis eine fertige Spezifikation für HTML 5 vorliegt - und diese auch von Browsern unterstützt wird.

Gears verknüpft Desktop und Web-Anwendung: Es teilt Websites mit, wo sich der Nutzer gerade befindet, speichert Web-Daten offline und beschleunigt manche Programme, die sonst den ganzen Browser blockieren. Web-Anwendungen kann man mit Gears zukünftig direkt vom Desktop aus starten und Webseiten können Nachrichten an das Betriebssystem schicken - zum Beispiel um einen Warnhinweis anzuzeigen, wenn eine neue E-Mail eingegangen ist.

Unterm Strich erhebt Gears damit den Browser auf Höhe des Betriebssystems und macht ihn zur Plattform für neuartige Anwendungen, die nicht mehr zwischen Offline und Online unterscheiden. Damit auch jeder auf den Zug aufspringt, hat Google das Projekt unter BSD-Lizenz gestellt - Gears ist damit Open Source.

"Esquire" erprobt elektronisches Papier

Zum 75. Geburtstag des Herrenmagazins "Esquire" versuchen die Magazinmacher Geschichte zu schreiben: Das Titelblatt der nächsten Ausgabe soll mit Hilfe elektronischen Papiers am Kiosk zum Leben erwachen. Die Technik dazu liefert E Ink, eine Firma, deren Technologie auch in Amazons E-Book-Lesegerät Kindle steckt. Eine speziell für den "Esquire" entwickelte Batterie steckt im Cover des Magazins und wird 90 Tage lang das E-Paper in Bewegung halten. Was genau da bewegt werden soll, weiß aber selbst die "New York Times" noch nicht.…

Hollywood will bestimmen, wie man Filme schaut

Die Filmlobby versucht in einem neuen Anlauf Bestimmungsgewalt darüber zu erlangen, wie Amerikaner Filme schauen dürfen. Konkret geht es um eine Technik, mit der man zum Beispiel Aufnahmegeräten die Aufzeichnung bestimmter Sendungen verbieten oder nur bestimmten Abspielgeräten und Displays die Anzeige eines Filmes erlauben kann. Ein ähnliches Ansinnen scheiterte 2003 bereits an der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC.

Ein Beispiel für "selectable output controls" (SOC) liefert die Electronic Frontier Foundation mit dem Sony-Film Hancock. Nur wer bestimmte TV-Geräte von Sony besitzt, kann noch vor dem DVD-Start die Superheldenklamotte via Internet auf sein TV-Gerät streamen. Aber der EFF geht es natürlich nicht um solche Promotion-Maßnahmen, sondern darum, dass Filmkonzerne mittels eines einfachen digitalen Signals den Verbrauchern die Wahlfreiheit entreißen, wie sie Filme genießen wollen. SOC ist ganz einfach eine Form intelligenter Kopierschutz (DRM) für Videosignale.

"Spam-König" Soloway zu vier Jahren Haft verurteilt

Der als "Spam-König" bekanntgewordene US-Unternehmer Robert Soloway ist zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er soll von 2003 bis 2007 Millionen von Spam-Mails versandt haben, um für seine Marketingfirma zu werben, wie örtliche Medien in Los Angeles berichteten. Der 28-Jährige hatte mit der Staatsanwaltschaft eine Einigung erzielt, derzufolge er sich schuldig bekannte - im Gegenzug kam es nicht zum Prozess. In Denver, Colorado, teilten die Behörden unterdessen mit, dass ein 35-Jähriger wegen Spams verurteilter Unternehmer aus dem Gefängnis entwichen ist. Der Mann war zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt worden und saß seit Mai in Haft.

AFP

Weitere Meldungen

EU-Minister für aktive Rolle der ISPs gegen Piraterie
Neues Internet-Mem: Filme ruinieren
China inhaftiert Internet-Dissidenten vor Olympischen Spielen Gruselige Plakatwerbung erkennt Alter und Geschlecht
Spammer rauscht haarscharf am Knast vorbei

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.