Netzwelt-Ticker Österreichs Justiz blockt Kritiker-Blog

Mitarbeiter des österreichischen Justizminsteriums durften ein kritisches Weblog zeitweilig nicht mehr lesen. Außerdem: Klage gegen Facebook, iPhones explodieren nur in Ausnahmefällen, Rätselraten um Apple-Rechenzentrum und bei Twitter wird angeblich sinnlos gelabert. Das und mehr im Überblick.


iPhones explodieren nur in Ausnahmefällen

Nach viel beachteten Berichten über ein angeblich explodierendes iPhone-Telefon sieht der Hersteller Apple kein "generelles Problem" mit dem Gerät. Dies sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel, nachdem die Verbraucherschutz-Abteilung der Behörde Apple zu Informationen über mögliche Probleme mit iPhones und den iPod-Musikabspielgeräten aufgefordert hatte.

Vor wenigen Tagen hatte ein 18-Jähriger in Südfrankreich berichtet, das Display des iPhones seiner Freundin sei beim Klingeln grundlos zersplittert. Ein Splitter habe ihn im Auge verletzt. Die EU-Kommission teilte mit, sie habe alle Mitgliedstaaten gebeten, sie über mögliche Probleme auf dem Laufenden zu halten.

"Sie haben uns mitgeteilt, dass sie das für Einzelfälle halten", sagte die Sprecherin über die Apple-Reaktion, die kurz zuvor in Brüssel eingegangen war. "Sie (die Hersteller) glauben nicht, dass es ein generelles Problem gibt." Für die in den Medien berichteten Fälle von Problemen mit iPhone-Geräten bemühe sich Apple um weitere Informationen, um die mögliche Ursache feststellen zu können. Dies sei "eine normale Reaktion auf jede Art von Verbraucherbeschwerde".

"Wir wissen von den Meldungen und warten darauf, dass die entsprechenden Geräte eingesandt werden", erklärte ein Sprecher von Apple Europa am Dienstag. Das iPhone ist für Apple von enormer Bedeutung und trug entscheidend dazu bei, dass der Konzern trotz Wirtschaftskrise weiter prächtig verdient. Im zurückliegenden Quartal setzte der Konzern 5,2 Millionen der Multimediahandys ab - sieben Mal so viele wie im Jahr zuvor.

Brennende oder explodierende Akkus sorgen immer wieder für Schlagzeilen, bei allen extrem minituasierten Geräten vom Laptop bis zum MP3-Player. Meist gehen solche Probleme auf Beschädigungen der extrem dünnwandigen Isolationsschichten in den Energiepäckchen zurück - sei es durch physische Gewalt wie Stürze, sei es durch Fabrikationsfehler. Apple will mit den iPod- und iPhone-Akkus Tests durchführen, wenn dies nötig werden sollte. Bisher habe es aber nur sehr "isolierte Vorfälle" gegeben.

dpa/rts/pat

Zensur oder dumme Filter?

Das österreichische Justizministerium hatte seinen Mitarbeitern zeitweilig den Zugriff auf ein kritisches Weblog verwehrt. Brisant: Blogautor ist Florian Klenk, der stellvertretende Chefredakteur des Wiener Stadtmagazins "Falter". Der spricht in einem offenen Brief an Justizministerin Claudia Bandion-Ortner von Zensur: Die Websperre trat kurz nach der Veröffentlichung eines Blogeintrags in Kraft, in dem Klenk die österreichische Justiz kritisierte. Mitarbeiter des Justizministeriums, die das Weblog aufrufen wollten, wurden gewarnt, dass alle Zugriffe "automatisch protokolliert" und "im Falle eines konkreten straf- und disziplinärrechtlichen Verdachtes ausgewertet werden".

Pfiffiges Protestplakat eines Demonstranten gegen Internetzensur: Bringt das Thema Zensur auf den Punkt
ddp

Pfiffiges Protestplakat eines Demonstranten gegen Internetzensur: Bringt das Thema Zensur auf den Punkt

Eine Sprecherin des Ministeriums will keinen Zusammenhang zwischen Websperre und der Justizkritik sehen. In einer Antwort auf den offen Brief erklärt sie die Sperren so kurz nach dem kritischen Blogeintrag als "blöden Zufall", so eine Sperre wäre doch "absurd". Die Justiz lebe von Informationsbeschaffung und intensivem Diskurs. Die Einträge seien einfach nur einem hausinternen Inhaltsfilter zum Opfer gefallen, beinhalten Worte, die unter anderem auf Glücksspiel, Sex verweisen.

Der ORF Futurezone sagte Klenk: "Meine Seite enthält nichts davon." Allerdings habe er in seinem Blog auch über Frauenhandel und dem Glückspielkonzern Novomatic geschrieben. Das österreichische Justizministerium reagierte Montag Mittag und hob die Websperre auf: "Ihre Website wurde soeben wieder freigeschaltet und steht justizintern somit wieder zur Verfügung."

Die Informationen aus dem Ministerium müssen keine Schutzbehauptungen sein: Insbesondere Filtersoftware von der Stange ist notorisch dämlich. Sie verhindert Webseiten-Aufrufe nicht nur auf der Basis von Sperrlisten, sondern auch aufgrund gefundener Reizwörter. Die englische Grafschaft Middlesex fällt darum genauso oft der Zensur zum Opfer wie Seiten, die etwas über Sänger wie Ron Sexsmith oder Bruce Cockburn mitzuteilen haben - ganz zu Schweigen von medizinischen Fachseiten oder biologischen Fachartikeln.

Nutzer klagen gegen Facebook

Eine Gruppe von Facebook-Nutzern hat vor einem kalifornischen Gericht eine Klage gegen Facebook eingereicht: Das soziale Netzwerk verstoße gegen kalifornische Datenschutzgesetze. Die fünf Kläger, darunter zwei Kinder, drängen auf Schadensersatz: Das Unternehmen habe Nutzerinformationen für wirtschaftliche Zwecke an Dritte weitergegeben. "Sowohl Kläger als auch die Öffentlichkeit wünschen sich und erwarten ein Maß an Privatsphäre, das Facebook [...] nicht einhält."

Facebook und der Datenschutz ist kein neues Thema: Erst im Juli bemängelte ein kanadischer Datenschutzbeauftragter Schwachstellen des Netzwerks. Und Änderungen in den Nutzungsbedingungen führten in den letzten Monaten zu einem Aufschrei unter Nutzern: "Facebook eignet sich Profildaten und Fotos der Nutzer an!"

Studie: "Sinnloses Gelaber" auf Twitter

Zahlreiche Blogs erregen sich über eine Twitter-Studie der amerikanischen Marktforschungsfirma Pear Analytics: Demnach sind vierzig Prozent der Nachrichten, die sich Twitter-Nutzer zuschicken, "sinnloses Gelaber", etwa: "Ich esse gerade ein Sandwich."

Das Unternehmen untersuchte 2000 zufällig ausgewählte Twitter-Nachrichten - die sogenannten Tweets - und teilte sie in sechs Kategorien ein: Nachrichten, Spam, Eigenwerbung, sinnloses Gelaber, Konversationen und Weiterleitungen. Klassische Konversationen machten 37,6 Prozent der untersuchten Tweets aus.

Tech-Blorge-Blogger John Lister kritisiert diese Studie heftig. "Selbst wenn man die Ergebnisse als wahr anerkennt, sagen sie doch nichts über Twitter aus" - und seziert die Blabla-Studie. Doch so eine Kategorisierung ist nicht das einzige Problem bei einer wissenschaftlichen Beschreibung des neuen Phänomens Mikroblogging: Die Vermessung der Twitterwelt, ob inhaltlich oder in ihren Ausmaßen, ist schwierig.

Wir sind derweil eher überrascht darüber, wie hoch der Anteil der Twitter-Nachrichten sein soll, die angeblich kein sinnloses Gelaber sind: Wer den öffentlichen Nahverkehr nutzt, weiß, dass anscheinend auch 90 Prozent aller Mobiltelefonate sinnloses Gelaber ("Ich sitze jetzt im Bus") sein müssen. Man könnte die Studie also auch anders zusammenfassen: "Twitter unerwartet relevant".

Gigantisches Rechenzentrum: Was plant Apple?

Apple baut im US-Bundesstaat North Carolina ein gigantisches Rechenzentrum: Mit über 45.000 Quadratmetern ist es größer als Microsofts und Googles Rechenzentren und fünfmal größer als das aktuelle Apple-Rechenzentrum in Newark, California.

Cult of Mac hat einem Rechenzentrums-Spezialisten die offensichtliche Frage gestellt: Was hat Apple vor?

Die kurze Antwort: Wohl einen eigenen Cloud-Dienst, der Mac-Nutzern ausgelagerte Rechenkraft und Speicherplatz zur Verfügung stellt. Die könnten dort ihre iTunes-Bibliotheken, Bilder, Videos und gewisse Rechenoperationen auslagern. Mit Apples neuer Generation von mobilen Geräten wird ein Schuh draus: Per Cloud wird ein iPhone nur noch zum Display von Daten, die in der Cloud aufbereitet und fertig an das mobile Gerät geschickt werden.

Der Festplattenhäcksler

Was tun mit alten Festplatten, randvoll mit mehr oder weniger wichtigen Firmengeheimnissen, Familienfotos, vergifteten Liebesmails? Die alte Lösung lautete Vorschlaghammer und Ohrenschutz. Doch das genügte dem Erfinder von Bustadrive nicht: Er musste haufenweise Festplatten entsorgen, mehr als sein Hammerarm und seine Ohren ertragen konnten - weswegen er ein hydraulisches Gerät zum Festplatten-Zerstören erfand.

PC Pro schaute sich das Ding an und fragte Datenwiederherstellungs-Experten: Was taugt die manuelle Festplattenvernichtung? Die Antwort: Genug, um den Lebenspartner oder finanziell schlecht ausgestattete Konkurrenten auszutricksen, zu wenig, um staatliche Interessenten fern von den Daten zu halten.

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