Netzwelt-Ticker Opera-Chef dankt für Google-Browser

Vielen Dank der Konkurrenz: Der Chef der Browserschmiede Opera findet Google gut. Der Chaos Computer Club watscht die Brandenburger Kommunalwahlen ab und per Firefox-Addon kann man wie in China surfen. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.


Im umkämpften Browsermarkt hat sich neben Internet Explorer und Firefox eine Reihe weiterer Programme zum Durchstöbern des Web etabliert. Von diesem Netzkuchen will sich seit einiger Zeit auch Suchmaschinenbetreiber Google mit dem Chrome-Browser ein Stück sichern. In der Webgemeinde mit gemischtem Echo aufgenommen, traf Chrome bei der Konkurrenz teilweise auf Wohlwollen. Opera-Chef Jon von Tetzschner zum Beispiel ist richtiggehend froh über Googles Schritt.

Durch Google Vorstoß sei eine große Öffentlichkeit daran erinnert worden, dass es zu den großen Browsern auch Alternativen gebe. Außerdem steige so das Bewusstsein, welche Innovationen im Browserbereich auf Ideen aus der Opera-Ideenküche zurückgingen. Ob es sich dabei um Tabbed Browsing handele, einfache Lesezeichenverwaltung oder das Arbeiten mit Mausgesten.

Auch wenn das nicht zur Markführerschaft im Computerbereich geführt hat, ist das immerhin bei Mobiltelefonen anders. Opera hat mehr Handy-Nutzer als jeder andere Browser.

Kennen Sie Tribler?

Eine der verwundbarsten Punkte von Bittorrent-Tauschbörsen sind die zentralen Sammelstellen, von denen Filesharer erfahren, welche Dateien überhaupt verfügbar sind. Ohne Webseiten wie Pirate Bay tappen die Nutzer darüber im Dunkeln, was gerade angeboten wird. Nun haben Forscher verschiedener europäischer Universitäten ein Projekt namens "Tribler" ins Leben gerufen, mit dessen Hilfe diese Dateisuche dezentralisiert werden soll.

Per Tribler können sich die Tauschprogramme der einzelnen Nutzer direkt über verfügbares Material austauschen. Schon seit längerem nutzen Filesharing-Angebote wie Emule mit dem Kademlia-Protokoll die Möglichkeiten, sich ohne Server auszutauschen.

CCC kritisiert Wahlmaschineneinsatz in Brandenburg

Vor einem Monat wählten die Brandenburger neue Bürgermeister und Kommunalparlamente. Über die zur Abstimmung eingesetzten Wahlcomputer veröffentlichte der Chaos Computer Club (CCC) jetzt einen Bericht, der das Vertrauen in die Geräte nicht steigern dürfte. Zeitgleich zur Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts über den Einsatz von Wahlcomputern, berichtet der CCC von großen Sicherheitslücken beim Wahlvorgang.

Sowohl das Aufstellen, der Betrieb als auch die nachfolgende Auszählung ließen große Probleme erkennen. Viele Bürger taten sich im Umgang mit den Automaten schwer, ebenso manche Wahlhelfer, denen der Umgang mit Siegeln und Plomben lästig oder gar unbekannt zu sein schien.

Eine unabhängige Überprüfung oder Nachzählung war mit den Computern der Firma Nedap nicht möglich. Das Fazit von CCC-Sprecher Dirk Engling: "Es ist nun das Gebot der Stunde, Konsequenzen aus dem multiplen Versagen der Technik zu ziehen. Die Bundesrepublik sollte dem Beispiel der Niederlande folgen und Wahlcomputer grundsätzlich abschaffen, bevor wir hier Verhältnisse wie in Florida oder Ohio bekommen."

Unterdessen hat sich das sächsische Innenministerium aufgrund des hohen Manipulationsrisikos dazu entschlossen, im nächsten Jahr auf den Einsatz von Wahlmaschinen zu verzichten. "Im Superwahljahr 2009 wird in Sachsen nicht elektronisch gewählt", sagte Ministeriumssprecher Lothar Hofner den " Dresdner Neuesten Nachrichten". Damit werden alle vier anstehenden Abstimmungen zu den Europa- und Kommunalwahlen sowie den Landtags- und Bundestagswahlen wieder nach dem traditionellen - und nachprüfbaren – Auszählungsverfahren durchgeführt.

Surfen wie in China: Zensur-Addon für Firefox

Halloween naht, Zeit zum Gruseln also. Das geht auch virtuell, jeder Internetsurfer kann jetzt ausprobieren, wie es sich anfühlt, unter den Bedingungen der chinesischen Zensur durchs Web zu streifen.

Für dieses besondere Erlebnis haben Entwickler aus Hongkong ein Firefox-Addon entwickelt. Die Erweiterung namens "China Channel" leitet alle Anfragen über einen in China gelegenen Proxy-Server um. Auf diese Weise als Chinese maskiert, scheitert der Surfer schon daran, zu einfachen Suchanfragen wie "Tian'anmen", "Tibet" oder "Democracy" verwertbare Ergebnisse zu bekommen. Diese Zensur-Demonstration nutzt im Prinzip den umgekehrten Weg, mit dem ansonsten durch die Verwendung "freier" Proxys die lokale Zensur umgangen werden soll.

EMI und Baidu eröffnen Streaming-Angebot in China

Der Musikkonzern EMI arbeitet mit dem chinesischen Suchmaschinenriesen Baidu zusammen und eröffnet demnächst ein Streaming-Portal, über das Interessenten Previews neuer Veröffentlichungen erhalten können.

Delikates Detail am Rande: Die Musik-Konkurrenz von Sony BMG, Warner Music und Universal Music liegt derzeit mit Baidu wegen eines heftigen Urheberrechtsstreits im Clinch. Denn Baidu ermöglicht seinen Nutzern, über Deeplinks zu anderen, teilweise illegalen Angeboten den Zugriff auf Urheberrechtlich geschütztes Material.

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