Netzwelt-Ticker Phantasiefilter gegen Prügelclips

Ein Vorschlag der nordrhein-westfälischen CDU sorgt für Befremden: Handyhersteller sollen künftig Filter gegen gewaltträchtige Fotos und Videos in ihre Geräte einbauen. Außerdem im Überblick: Rechner für die Armen, Handy mit blauem Engel, die Mutter aller MP3s und noch mehr.

Wenn der Medienexperte der nordrhein-westfälischen CDU einen Handy-Filter für Gewalt-Fotos fordert, weiß man definitiv, dass Sommerloch ist. Thomas Jarzombek, der dieses Amt bekleidet, fordert: Schluss mit Gewaltfotos! Schluss mit gefilmten Prügelszenen ("happy slapping") auf Schülerhandys! 

Um dieses Ziel zu erreichen, sollen nicht etwa alle Handys an Schulen verboten werden, sondern die Gerätehersteller sollen eine Art Sicherung in die Mobiltelefone einbauen, mittels derer Bilder und Videoclips, die ihren Weg regelmäßig auch ins Internet finden, bis zum Urheber zurückverfolgt werden können.

Man sei derzeit dabei, mit den großen Mobilfunkbetreibern zu sprechen, die wiederum auf die Hersteller Einfluss nehmen sollen, entsprechende Gewaltfilter zu entwerfen. Um den Forderungen der Düsseldorfer Staatskanzlei mehr Nachdruck zu verleihen, können die Politiker auf ein wirksames Argument verweisen: Die Bundesländer haben die Möglichkeit, die bei Jugendlichen beliebten Handyspiele zu verbieten - und damit eine für die Mobilfunker sehr lukrative Geldquelle trocken zu legen.

Wie genau ein Antigewaltfilter fürs Handy technisch funktionieren soll, sagte der Medienexperte der CDU hingegen nicht. Der IT-Branchenverband Bitkom gibt sich skeptisch: Grundsätzlich seien Versuche zu begrüßen, Gewaltvideos zu unterbinden, sagte der Bereichsleiter Telekommunikation Manfred Breul der Nachrichtenagentur AFP. Allerdings stamme die gezielte Filterung digitaler Inhalte aus dem Bereich politischen Wunschdenkens und sei "technisch gesehen blanker Unsinn".

Insgesamt klingt das nach einer schnell ausgesprochenen Idee, bei der die weniger technikaffinen Zeitgenossen zustimmend nicken und alle anderen verwundert den Kopf schütteln. Oder nach einer Scheindebatte, die das Sommerloch langfristig auch nicht stopfen können wird.

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Lenovos 199-Dollar-Rechner

Große Märkte werden schon mal gerne mit Dumpingpreis-Aktionen erschlossen. Diesen Weg geht jetzt auch Computerhersteller Lenovo, der für den ländlichen Raum Chinas einen Rechner ab 199 Dollar anbieten will .

Das Spargerät verfügt über Maus und Tastatur, aber keinen Bildschirm. Als Monitorersatz muss der Nutzer den Fernseher anschließen. Mit seiner Initiative könnte Lenovo der Konkurrenz von Dell das Geschäft vermiesen. Der IT-Riese hat ebenfalls ein Auge auf den gewaltigen Markt Chinas geworfen und jüngst den Verkauf von Computern mit einer Preisspanne von 223 bis 515 Dollar angekündigt.

Auf den ersten Blick scheint Dells Angebot nicht sehr weit vom Lenovo-Niveau entfernt zu sein, aber immerhin ist das ein halbes bis ganzes durchschnittliches Monatseinkommen im ländlichen China, und da zählen auch kleine Preisunterschiede. Ungeklärt ist bislang, welches Betriebssystem auf den Rechnern installiert werden soll. Klar ist: Nicht nur Microsoft dürfte sich die Finger nach einem Markt mit hunderten Millionen von potentiellen Kunden lecken.

Handy mit "Blauem Engel"

Kein großer Name steht hinter dem ersten Handy, das seit dem 31. Juli das Umweltzeichen "Blauer Engel" trägt, sondern ein recht unbekanntes Mobiltelefon für Kinder. Der noch junge Anbieter Kandy Mobile erhielt das Gütesiegel für sein Gerät , weil es unter anderem besonders strahlungsarm ist.

Bemerkenswert ist die lange Zeit, die zwischen der Einführung des Umweltzeichens vor vier Jahren und seiner ersten Vergabe liegt. In der Regel erfüllen die Geräte der großen Hersteller zwar die erforderlichen Auflagen, aber trotzdem beteiligten sie sich bisher nicht an dem Verfahren, wohl aus Angst, die Verbraucher könnten Handys ohne Umweltengel für gesundheitsgefährdend halten. "Wir warten schon lange darauf, dass ein Unternehmen den Blauen Engel nutzt", sagte Monika Büning, Umweltreferentin der Verbraucherzentralen, dem Berliner Tagesspiegel. "Dass nun ein kleiner Anbieter den Anfang macht, ist sehr positiv. Wir hoffen, dass die großen Hersteller jetzt folgen."

Firefox 3.0: Siebte Alphaversion gelauncht

Schon länger basteln Mozilla-Entwickler an Firefox 3.0 - a.k.a Gran Paradiso. Nun liegt dessen siebte Alphaversion vor . Es gibt verschiedene Veränderungen bei der Grafikanzeige, zum Beispiel werden jetzt beim Ganzseiten-Zoom nicht nur Texte, sondern auch Bilder skaliert. Beim Eintippen in die URL-Zeile schlägt der Firefox nun nicht mehr die letzten sechs besuchten Seiten vor, sondern die sechs meistbesuchten Adressen. Wer will, kann die Chronik der besuchten Seiten von bisher neun auf bis zu 180 Tage erhöhen. Läuft weiter alles glatt, könnte die fertige Endversion von "Gran Paradiso" noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Angriff der Zombie-Rechner

Dass viele Rechner durch Trojaner oder Viren zu Bot-Netzen zusammengeschaltet werden, ohne dass ihre Besitzer davon etwas mitbekommen, ist schon lange nichts Aufregendes mehr. Die gekaperten Computer werden von kriminellen Zeitgenossen zum Spamversand, zum Phishing und für Überlast-Attacken (Denial-of-Service-Attacken) genutzt. Oft entstehen Netze von einigen zehntausend Computern, die dann zu entsprechend finsteren Zwecken missbraucht werden. Auch im Fall des sogenannten "Storm Worm"-Netzwerkes gingen die Virenjäger von nichts anderem aus. Nachdem die Experten von McAfee die Angelegenheit näher untersuchten, schlugen sie jedoch Alarm: Mehr als 1,7 Millionen Computer sind von dem sich seit einem halben Jahr ungestört verbreitenden Schadprogramm verseucht . Diese bisher unerreichte Zahl gekaperter PCs stellt eine gewaltige Rechenpower dar, die von Kriminellen zu Attacken mit unabsehbaren Folgen genutzt werden könnte. Wer die PC-Phalanx befehligt, ist genauso unbekannt wie der Zweck, zu dem sie entstanden ist. Am wahrscheinlichsten dürfte der ganz große DDoS-Angriff sein, neben dem die Attacke verblassen wird, die im Mai halb Estland mattsetzte.

Die Mutter aller MP3s

"Tom's Diner", Suzanne Vegas Hit von vor 20 Jahren, ist ein Song von historischer Bedeutung. Denn er wurde als erster überhaupt in der damals gerade entwickelten MP3-Technik abgespeichert, die die Forscher des Fraunhofer Institutes in Erlangen erfunden hatten. Die A-capella-Version des Stückes wartet mit besonderen Finessen auf und eignete sich daher besonders gut zum Test von allerlei Lautsprechern.

Den Fraunhofer-Forschern gelang es schließlich, nicht nur den digitalisierten Klang von Musikinstrumenten, sondern auch den der menschlichen Stimme fast verlustfrei zu komprimieren. Auf diese Weise wurde es auch bei den noch vor einigen Jahren üblichen langsamen Datendurchsatzraten möglich, Musik in nicht allzulanger Zeit aus dem Internet herunterzuladen.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der MP3 trifft Suzanne Vega in einer PR-wirksamen Aktion erstmals auf die MP3-Erfinder, die prompt ihr aktuelles Album "Beauty and Crime" mit dem dem neuesten MP3-Format aus Erlangen digitalisieren.

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