Netzwelt-Ticker Piratenjäger locken mit Raubkopien

Neue Falle der Filmindustrie: Eine Webseite verspricht Nutzern kostenlose Downloads von Kinofilmen. Tatsächlich geladen wird nach dem Klick aber Schnüffelsoftware. Außerdem im Nachrichten-Überblick: helfende Kleiderbügel und neue Zugangs-Politik beim Drahtlos-Netz FON.

Von Sönke Jahn


Katz und Maus um geklaute Kinofilme

Komplette Kinofilme könne man hier ganz schnell und ganz leicht downloaden, sollen die Betreiber der Webseite MiiVi.com ihrer Kundschaft versprochen haben. "Fast and easy in one great site" - inklusive eines "family filter" gegen Schmuddelfilme, weswegen man sich auch mit Namen registrieren musste. Eine entsprechende Zusatzsoftware sollte den Download sogar noch beschleunigen helfen. Mit anderen Worten: Hier verspricht der Betreiber Schwarzkopieren für Dummies. Eine simple Who-is-Abfrage nach dem Anmelder der MiiVi-Adresse aber ergab, dass der Seitenbetreiber ausgerechnet die Firma Media Defender ist.

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Media Defender ist nach eigener Aussage der führende Vertreter einer angeblich aufstrebenden Piratenjäger-Branche, war aber augenscheinlich dennoch zu doof, sich als Lockseitenbetreiber entsprechend zu tarnen. Ob und wie viele diesen Profis also auf den Leim gekrochen sind, ist schwer zu sagen. Das Angebot jedenfalls wurde wenige Stunden nach dessen Enttarnung vom Netz genommen, die Domain, die man erst Ende Februar angemeldet hatte, wurde aufgegeben und ist nun bei einem Adresshändler geparkt. Es wird behauptet, dass die besagte Zusatzsoftware die "Kunden"-Computer durchsucht und verdächtige Inhalte gepetzt haben soll. Ob all das noch ein juristisches Nachspiel für die Firma Media Defender haben wird, lässt sich aber noch nicht sagen.

FON-Probe bald nur noch mit SMS-Kennung

Zwar ist die WLAN-Gemeinschaft der Foneros angetreten, sich weltweit untereinander ihren privaten, drahtlosen Internetzugang zu teilen oder aber Gäste gegen Zahlung eines Obolus an die spanische Firma FON mitsurfen zu lassen. Aber das Schnupperangebot, mit dem das Mutterschiff ohne Zugangskennung Neukunden anlocken wollte, brachte dann doch das Blut der Foneros in Wallung.

Befürchtet wurde, dass man Kriminellen Tür und Tor ins World Wide Web öffnen und dann am Ende selbst für jegliche Schandtat gerade stehen müsse. Nun aber fruchteten die Proteste wohl, denn bald soll es den viertelstündigen anonymen Zugangs nicht mehr geben. Zwar habe man bislang keine Regelverstöße oder einen Missbrauch des Werbeangebots festgestellt, doch werde man "in den kommenden Wochen eine zusätzliche Authentifizierung der Nutzer per SMS einführen", zitiert man die offizielle FON-Verlautbarung bei Heise.

Der Kleiderbügel holt Hilfe

Australische Forscher wollen ein System ausgetüftelt haben, wie ein PC im Kleiderschrank helfen könnte, Erkrankte aus der Ferne zu überwachen. Diese müssen dazu nur ein spezielles Elektrohemd tragen und es am Ende des Tages wieder in den Schrank hängen, anstatt es in den Wäschekorb zu legen. Denn dieses E-Shirt soll Körperdaten aufzeichnen, die über den Bügel ausgelesen und per Kleiderstange an den PC auf dem Schrankboden übertragen werden.

Die kluge Klamotte soll in der Lage sein, Zitat: "anormales Verhalten" zu erkennen. Sie speichert dann etwa, ob der Patient zu essen vergisst, hinfällt oder sich nicht mehr bewegt. Im Notfall aber könnte es sich als Hürde erweisen, dass sich der Patient nach dem Umfallen meist nicht mehr umzieht. Aber dazu fällt den Australiern gewiss noch eine Lösung ein.

WLAN für Schildkröten

Ein schönes Beispiel dafür, wie gut mobiles Computing und drahtlose Netze auch der Forschung helfen können, bedrohten Tierarten zu helfen, hören wir aus den Neuengland-Staaten der USA. Dort gehören viele Schildkrötenarten bereits zu den bedrohten Arten und deshalb geht es nun auch den Wasserschildkröten an den Kragen. Oder besser gesagt: an ihren Panzer.

Darauf nämlich befestigen Forscher in diesen Tagen mit Zahnarzt-Zement und Klebeband postkartengroße Computer, die sich in freier Wildbahn untereinander dann adhoc automatisch drahtlos miteinander verbinden sollen, sobald sich zwei Snapping Turtles auf wenige Meter näher kommen. Dann beamen sich die solarbetriebenen Rechner von Rücken zu Rücken gegenseitig ihre gesammelten Information über die zurückgelegten Wege und über das Befinden ihrer Wirtstiere zu. Dieses TurtleNet aus beweglichen Teilen spart Batteriestrom und erlaubt den Einsatz kleinster, leichter Akkus, denn kein Schildkröt-PC muss über lange Distanzen funken.

Und wer von ihnen grade an einer Relaystation vorbeikriecht, überspielt ganz nebenbei seine gesammelten Daten auf die Rechner der Forscher. Die hoffen, so genauere Aufschlüsse über die Routen ihrer Schützlinge zu erhalten. Das System soll verhindern, dass immer mehr Weibchen auf dem Weg zur Eiablage dem Straßenverkehr zum Opfer fallen.

Kostenloses Online-Office auf dem eigenen Server

Wer viel unterwegs ist oder oft an verschiedenen Rechnern arbeiten muss, kennt das Problem: Wie synchronisiert man seine Dokumente, um sie überall stets auf dem neuesten Stand vorhalten zu können. In diese schmerzlich gefühlte Lücke grätscht bekanntlich Google mit seinen Docs & Spreadsheets herein.

Dieses Angebot ermöglicht es, Schriftstücke und Tabellen direkt auf Googles Servern zu erstellen, zu speichern und zu bearbeiten. Natürlich ist einem unwohl dabei, möglicherweise vertrauliche oder wichtige Dokumente auf anderer Leute Computer auszulagern. Mit EyeOS aber ist es nun möglich, so einen Dienst auf dem eigenen Server einzurichten und zu betreiben.

Zurzeit gibt es darin zwar nur eine Online-Textverarbeitung - eine Tabellenkalkulation oder gar ein Präsentationsprogramm fehlt. Aber EyeOS ist eine kostenlose, quelloffene Anwendung, die auf jedem Webserver funktioniert, der PHP-Skripte nicht im sogenannten SAFE-Mode ausführt. Das ist zwar bei den meisten privaten Internetangeboten der Fall, im Firmen- oder Heimnetz jedoch lässt sich ein Server mit wenig Gebastel relativ leicht entsprechend herrichten. Wer ausprobieren möchte, wie sich so eine eigenen Schreibstube auf dem eigenen Server anfühlt, der kann kurzerhand die bereit gestellte Versuchsumgebung ausprobieren.

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